Forstgenossen im Streit

Lachem. In der Forstgenossenschaft Lachem brodelt es – und zwar schon seit über einem Jahr. Einzelne Mitglieder haben sich mit dem Vorstand des Realverbandes überworfen – hauptsächlich geht es um den Ankauf von Forstanteilen durch Mitglieder, die der Vorstand zu unterbinden versucht hat. Letztlich ist der Streit vor dem Verwaltungsgericht in Hannover gelandet: Fortgenosse Otto Deppmeyer, ehemaliger CDU-Landtagsabgeordneter, ehemaliger Kreistagsabgeordneter, Ex-Bürgermeister von Hemeringen-Lachem und ehemaliger Bürgermeister von Hessisch Oldendorf hat den Genossenschafts-Vorstand verklagt – und zwar mit Erfolg.

Deppmeyer hatte im vergangenen Jahr Forstanteile für sich erworben, doch der Vorstand erklärte den Kauf für ungültig, führte ein Vorkaufsrecht des Vorstandes an und wollte die Anteile seinerseits erwerben. Dies hat das Verwaltungsgericht Hannover in seinem Urteil nun für unrechtmäßig erklärt – Deppmeyers Kauf von Forstanteilen war rechtsgültig. Der Streit könnte nun als abschließend geklärt angesehen werden. Dennoch stellt sich die Frage nach den Hintergründen des Disputes innerhalb der Genossenschaft.

Deppmeyer werde als ein Verbandsmitglied angesehen, „für den das wirtschaftliche Interesse an einer hohen Rendite/Ausschüttung vorrangig gegenüber dem Interesse einer nachhaltigen Waldbewirtschaftung sei“. So zitiert das Verwaltungsgericht den Vorwurf gegenüber Deppmeyer, mit dem der Vorstand die Ausübung eines Vorkaufsrechtes begründete. Ziel sei aber „eine nachhaltige Waldbewirtschaftung über Generationen hinweg und nicht die Gewinnmaximierung zulasten der Nachhaltigkeit“, so der Vorstand. Seit Jahren würden sich aber die Stimmen in der Mitgliedschaft mehren, die sich für kurzfristige Renditeziele anstelle einer unter ökologischen Gesichtspunkten nachhaltigen Waldbewirtschaftung stark machen. Die Auseinandersetzung mit Otto Deppmeyer ist, wie auch aus der Stellungnahme des Vorstandes deutlich wird, kein Einzelfall. Auch ein anderer Forstgenosse, der sich mit dem schriftlichen Urteil zu Deppmeyers Klage an die Dewezet wandte, namentlich aber selbst nicht genannt werden will, hat sich mit dem Vorstand überworfen. Auch weitere Mitglieder hätten Forstanteile erwerben wollen, der Vorstand aber dazwischengegrätscht, berichtet Deppmeyer. „Es gibt einige solcher Fälle. Der Vorstand handelt ständig gegen Recht und Gesetz, wenn es um den Verkauf von Forstanteilen geht.“ Das habe ihn erst dazu animiert, selbst neue Forstanteile zu kaufen – es geht um einen Wert von 17000 Euro, verbunden mit zwei Stimmrechten. Den Vorwurf, er sei nur an Rendite und Spekulation interessiert, hält er für ein Ablenkungsmanöver. „Der einzige, der hier spekuliert, ist der Vorstand selbst“, sagt Deppmeyer. Bei den Vorkäufen sei der Preis absichtlich in unrealistische Höhen getrieben worden. „Zu dem Preis kann dann keiner mehr kaufen.“ Er sei nicht der einzige, der sich gegen die Vorkaufs-Praxis zur Wehr setzte – die Rede ist von einer weiteren Klage eines Forstgenossen.

Streit gibt es laut Deppmeyer allerdings nicht nur zwischen einfachen Mitgliedern und Vorstand. Auch der siebenköpfige Vorstand selbst sei bezüglich der Vorkaufs-Praxis gespalten. Die beiden Vorsitzenden hätten den Ankauf von Forstanteilen mit wechselnden Mehrheiten innerhalb des Vorstandes vorangetrieben, berichtet Deppmeyer. Insgesamt wirft er dem Vorstand eine unkluge Art zu wirtschaften vor: Der Forst werfe inzwischen kaum noch Gewinn ab, die Einnahmen kämen hauptsächlich durch Verpachtungen zustande. Vor drei Jahren habe der Vorstand außerdem Waldanteile im Wert von 3,5 Millionen Euro hinzugekauft. „Das war eine Verschwendung von Geld“, kritisiert Deppmeyer. Damals habe er sich dann erstmals in der Forstgenossenschaft kritisch zu Wort gemeldet – was eventuell ein Grund dafür sein könne, dass man ihm nun den Zukauf von Anteilen verwehren wollte, mutmaßt Deppmeyer. Nun habe der Realverband weiteres Geld „quasi in die Weser geschmissen“. Insgesamt habe seine Klage und die eines weiteren Mitgliedes Kosten in Höhe von 5000 Euro verursacht – die Schuldigkeit sieht Deppmeyer beim Vorstand, der vor Gericht schließlich unterlag.

Inwieweit sich der Prozess um den Vorkauf von Forstanteilen auf den Vorstand und das zukünftige Wirtschaften des Realverbandes auswirken wird, könnte sich am Freitag, 7. Juni zeigen. Dann hält die Forstgenossenschaft nämlich ihre Generalversammlung ab, bei der auch Vorstandswahlen stattfinden. „Ich bin gespannt, wie die Mitglieder reagieren werden“, sagt Deppmeyer.

Vorstandschef Dirk Hothan war am Montag aus terminlichen Gründen noch nicht in der Lage, sich gegenüber der Dewezet zu äußern, verwies aber auf die Stellungnahme, die der Realverband gegenüber dem Verwaltungsgericht getätigt hatte.