Pyrmonter Schützen geht das Pulver aus

Bad Pyrmont (ti). Die Dramatik war fast mit Händen zu greifen, als Schützenpräsident Klaus Jakob die Mitglieder über die aktuelle Situation des Traditionsvereins kurz und knapp informierte. Die außerordentliche Mitgliederversammlung war kurzfristig einberufen worden. Ein Insolvenzantrag und die anschließende Auflösung des Vereins schienen unumgänglich, eine Weiterführung aussichtslos. Doch die Mitglieder gaben dem Vorstand den Auftrag, nach Alternativen zu suchen. Und tatsächlich: Vergangenes Wochenende zeichnete sich ein heller Streifen am Horizont ab. Aufgrund der Situation war vom Vorstand das für Samstag, 25. Mai, angesetzte Königsschießen bereits abgesagt worden.

Die vom Präsidenten geschilderte finanzielle Lage des Vereins ließ die Teilnehmer der Versammlung zunächst in das Schwarz eines Tunnels ohne Licht am Ende blicken. „Wir haben jetzt zwar ein renoviertes und den Vorgaben eines sicheren Betriebes entsprechendes Schützenhaus mit einem guten Pistolenstand sowie der Möglichkeit des Bogenschießens. Doch die damit verbundenen Kosten haben uns das Genick gebrochen“, sagte Jakob. Zugesagte Förderbeiträge seien verringert ausgezahlt worden. So stehe die Restzahlung eines Förderbeitrages noch aus, und seitens der Stadt sei eine Kürzung um mehr als 700 Euro vorgenommen worden, weil „der Verein für den selbst durchgeführten Anstrich weniger Farbe benötigt habe“. Aktuell sei eine Handwerkerrechnung von 600 Euro zu bezahlen, und die Stadtsparkasse habe bis zum Ende des Monats den hälftigen Betrag eines Altdarlehens, das noch rund 3500 Euro betrage, eingefordert.

„Von unseren derzeitigen Mitgliedsbeiträgen allein kann der Verein dauerhaft nicht erhalten bleiben. Wir haben mit allen Abgaben, Versicherung und Rückzahlungen monatlich 300 Euro aufzubringen. Das verzehrt auf das Jahr gerechnet nahezu die Mitgliedsbeiträge“, rechnete Jakob vor. Was bliebe dann noch, um die Attraktivität des Vereins zu verbessern?

Aktuell gehören der Gesellschaft 85 Mitglieder an. „Allerdings sehen wir kaum noch Aktive bei den Übungstreffen“, beklagte der Vorstand. Auch die sich zuvor recht stark gebildete Bogengruppe sei auf wenige Interessierte geschrumpft. Es sei doch traurig, dass eine Vereinigung, die schon so viele Jahre erhalten wurde, Kameradschaft und Freude gepflegt hat, einfach so sang- und klanglos abgewickelt werde, so Kommentare aus der Mitgliederschaft. Und so war es nach einer kurzen Unterbrechung, um einen offenen Meinungsaustausch vor der Vereinstür zu ermöglichen, zu erwarten, dass der Vorstand von der Versammlung den Auftrag bekam, Wege zur Vermeidung des Insolvenzantrages und der damit verbundenen Vereinsauflösung zu suchen.

Vom Vorstand der Stadtsparkasse wurde jetzt Entgegenkommen bis zum Jahresende signalisiert. „Das verschafft uns zunächst einmal etwas Luft und nimmt uns einen lähmenden Druck“, kommt es erleichtert vom Präsidenten. Doch damit sei es noch lange nicht getan.

„Wir brauchen zusätzliche Mitglieder und weitere uns Wohlgesonnene, die uns dabei auch finanziell unterstützen, damit unsere Traditionsgemeinschaft am Leben halten wollen“, stellt der Vorsitzende fest. „Das kann auch in Form von Spenden geschehen, denn wir sind als gemeinnützig anerkannt. Die Spenden können sich steuerlich vergünstigt auswirken“, wirbt Jakob um jeden Euro.