„Pfeifer-Ampel“ kommt

Hameln. Kultfiguren als Ampelsymbole zu verwenden, ist im Trend. Jüngstes Beispiel: In Emden gab der Rat der Stadt vor einigen Tagen grünes Licht für vier Otto-Ampeln. Der berühmteste Sohn der Stadt soll künftig seinen ostfriesischen Landsleuten als Männchen in typischer Hüpfpose die Grünphase anzeigen.

Und in Hameln? Um dem Rattenfänger den Weg zum Ampelmännchen zu ebnen, waren diverse Hürden zu nehmen. Die anfänglichen Bedenken des Verkehrsministeriums waren zu entkräften und als in Hannover die touristische Bedeutung einer Rattenfängerampel erkannt wurde, musste ein von der Stadt beauftragtes Grafikbüro eine entsprechende Vorlage erstellen. „Die Tücken lagen hier im Detail. Die ersten Entwürfe konnten so leider nicht umgesetzt werden“, erklärt Rathaussprecher Thomas Wahmes. Oberste Priorität habe die Erkennbarkeit des Rattenfänger-Männchens und hier musste nachgebessert werden. Mit dem Ergebnis, dass die Premiere der ersten Pfeifer-Ampel nun in greifbare Nähe gerückt ist. Voraussichtlich Mitte Juli wird die – wie sie amtlich heißt – Lichtzeichenanlage am Kastanienwall in Höhe des Rathauses umgerüstet. „Wir freuen uns, dass wir damit einen besonderen Akzent in der Stadt setzen können. Die Rattenfängerampel wird ein Hingucker für Gäste und Besucher“, ist sich der Rathaussprecher sicher. Der Standort am Kastanienwall sei deshalb gewählt worden, weil es sich um einen „der meistfrequentierten Übergänge in Hameln handelt“, so Wahmes. „Diese Stelle ist neben dem Fußgängertunnel am Grünen Reiter eine direkte Verbindung zwischen Bürgergarten, Rathaus, Theater und dem Stadtzentrum – für Fußgänger und Radfahrer.“ Weshalb unter der Silhouette des Rattenfängers auch ein Fahrradsymbol erscheinen wird. Damit die Figur gut erkennbar ist, wird ein größeres Deckglas im Durchmesser von 30 Zentimetern (statt wie bisher 20 Zentimeter) für die Ampel verwendet. Der Entwurf zeigt den Rattenfänger mit wallendem Umhang, Kopfbedeckung samt Federbusch und natürlich dem Instrument. Drollig wirkt die Fußbekleidung. Hier wurden die Schnallenschuhe durch, so scheint’s, Cowboystiefel ersetzt.

Umsetzung und Anbringung schlagen mit rund 3700 Euro zu Buche. Drei heimische Sponsoren übernehmen die Kosten. Das Honorar für das Grafikbüro wird aus der Stadtschatulle bezahlt.

Dass solch eine Ampel einen touristischen Gewinn darstellt, unterstreicht Harald Wanger, Geschäftsführer der Hameln Marketing und Tourismus GmbH (HMT). „So etwas hätte ich natürlich gern bei uns am Infocenter gesehen, aber hier gibt es keine Ampel.“ Der jetzige Standort sei gut gewählt, weil nicht nur viele Passanten diesen Überweg nutzen, sondern auch von der HMT angebotene Führungen mit dem Rattenfänger den Kastanienwall an dieser Stelle kreuzen und so auf das Ampel-Kuriosum aufmerksam werden. Wünscht sich Hamelns Tourismus-Chef weitere Rattenfänger-Ampeln? Hier winkt Wanger ab: „Es kann nicht das Ziel sein, so etwas flächendeckend in unserer Stadt einzuführen. Damit würde auch die Einzigartigkeit dieser besonderen Ampel verloren gehen. Und andere Städte haben das ja auch nicht gemacht.“

Wenn solch eine Ampel an jeder Ecke stehen würde, „dann wäre sie nichts mehr Besonderes“, argumentiert auch das Rathaus. „Und deshalb werden wir nicht in die Massenproduktion einsteigen“, so der Stadtsprecher. Zudem müsste für jede weitere Ampel dieser Art eine weitere Ausnahmegenehmigung beim Ministerium eingeholt werden.

Die Rattenfängerampel hat übrigens eine lange Vorgeschichte: Im Oktober 2017 hatte die damalige CDU-DU-UFB-Fraktion einen entsprechenden Antrag auf Prüfung bei der Verwaltung gestellt. Der wurde einstimmig abgesegnet. Doch kurz darauf kam die Absage des Verkehrsministeriums aus Hannover, das bemängelte, die Ampelsymbolik sei nicht eindeutig zu erkennen. Doch damit wollte man sich in Hameln nicht abfinden. Oberbürgermeister Claudio Griese schrieb erneut an die Behörde – mit Erfolg. Das Ministerium lenkte schließlich ein.