Aus die Laus

Hamen-Pyrmont (mes/ey). Wenn die Zweige geliebter Pflanzen nicht mehr grün, sondern tiefschwarz sind, dann haben sich Blattläuse breitgemacht. In diesem Jahr scheinen sie den Gartenfreund besonders ärgern zu wollen – wo man auch hinhört: Menschen mit grünem Daumen jammern über die (gefühlt) viel höhere Anzahl im Vergleich zu den Vorjahren. Auf Stare, Mücken, Wespen, Nacktschnecken und zuletzt den viel zu trockenen Sommer folgen nun also die Blattläuse. Warum sie so massiv auftreten? Weil sie in den Pflanzen überwintert haben oder sich via Wind verbreiten. Den Klein- und Großgärtnern, Planzenzüchtern und -liebhabern bleibt keine Plage erspart…

„In diesem Jahr ist es wirklich ein massiver Befall. So intensiv hatten wir das jahrelang nicht“, sagt Matthias Großmann, Inhaber der Stauden-Gärtnerei Junge in Wehrbergen. Die nimmersatten Sauger befallen sowohl Zier- als auch Nutzpflanzen. Etwa 650 Laus-Arten sind bei uns heimisch, manche sind grün, andere schwarz, bräunlich oder gelb. Sie alle ernähren sich von dem zuckerhaltigen Pflanzensaft, den sie mit ihrem Stechrüssel aus den Pflanzen saugen. Haben sie eine Pflanze erst einmal befallen, vermehren Blattläuse sich je nach Witterung häufig sehr rasch. Deshalb empfiehlt es sich, bereits bei ersten Anzeichen eines Befalls zu handeln. Aber Achtung: „Hände weg von Gift!“, rät Frank Heilmann, der in diesem Jahr gemeinsam mit seiner Frau Sandra den „Tag des offenen Gartens“ organisiert. „Das macht es nur schlimmer!“ Besser sei es abzuwarten, schließlich hätten die Blattläuse viele natürliche Feinde: Zahlreiche Insekten, Spinnen und Vögel leben von Blattläusen, die wiederum von den Pflanzen leben, die wir essen wollen. Wer dennoch ungeduldig ist, kann aber zum Beispiel auch auf Seifenwasser zurückgreifen.

Staatsbadgärtnerei hält nichts

von der Chemie-Keule

Der Chemiekeule den Rücken zugewandt hat auch die Staatsbadgärtnerei in Bad Pyrmont. „Wir hatten im ganzen Kurpark noch keinen Fall, dass die Pflanzen durch Blattläuse so geschädigt worden wären, dass wir große Verluste hinnehmen mussten“, sagt Gärtnermeister Michael Mäkler. Im schlimmsten Fall komme eben die Rosenschere zum Einsatz. „Am einfachsten ist es immer noch, die befallenen Triebspitzen einfach abzuschneiden“, fügt er hinzu. Dann sei zwar gegebenenfalls auch die Knospe mit weg, aber im Endeffekt habe dann der (Hobby-)Gärtner auch die Chance auf mehrere neue Blüten.

„Wir halten die Blattläuse im Kurpark aus; nach ein bis zwei Wochen hat sich das Problem meist von selbst gelöst, da zahlreiche Fressräuber aktiv sind.“ Es sei nur ein wenig Geduld gefragt. „Natürlich funktioniert das nicht immer. Gerade im Hausgarten ist das eine andere Sache“, räumt Mäkler ein. Dort herrsche oftmals kein naturnahes Gleichgewicht. Nur mit vielen unterschiedlichen Pflanzen habe man eine Chance gegen Blattläuse. „In sterilen Gärten wird man scheitern.“ In diesen Fällen rät er dann doch zu biologischen Präparaten.

„Blattläuse sind normal, das ist eben die Natur“, nimmt es auch Frank Heilmann locker. Der Trend, den er in den vergangenen Jahren beobachtet habe, geht wieder zu naturnäheren Gärten, die bienen- und insektenfreundlich angelegt sind. Davon können sich Interessierte kommenden Sonntag, 23. Juni, überzeugen, denn dann öffnen Kleinode in der Region wieder ihre Pforten. Der „Tag des offenen Gartens“ lädt von 10 bis 17 Uhr in insgesamt 18 Gärten ein.