Nur noch 8000 Euro für die Pfeifen

Groß Berkel (mes). Mit dem sechsten Konzert in diesem Jahr läuft die Rettung der Kirchenorgel in Sankt Johannis auf Hochtouren. „Wir haben immer volles Haus“, freut sich Doris Hellmold-Ziesenis. Und einen vollen Spendenbeutel. „Das ist überwältigend!“, meinen alle Beteiligten. Zusammen mit den Spenden und Kollekten sowie der Orgelrücklage stehen jetzt rund 40265 an Eigenmitteln zur Verfügung. Für die Orgelsanierung werden voraussichtlich 68750 Euro benötigt. Inklusive des 30-prozentigen Zuschusses (20625 Euro) der Landeskirche fehlen also noch gut 8000 Euro. Grund genug, auch in der nahen Zukunft attraktive Konzerte auf die Beine zu stellen.

Lange Zeit suchten Pfarramt und Kirchenvorstand der evangelisch-lutherischen Kirchengemeinde Sankt Johannis händeringend nach (finanziellen) Möglichkeiten, die Orgel ihres Gotteshauses im Ortskern zu retten. Zwar gibt es Zuschüsse von der Landeskirche, aber bei einer zu erwartenden Summe waren auch Gemeinschaftssinn und Ideenreichtum gefragt, um diese Hürde zu nehmen. Nach mehrmonatiger Planungsphase und viel Einsatz, vor allem durch Doris Hellmold-Ziesenis, stand bald ein Konzept der Orgel-Rettung: Zehn Benefizkonzerte standen im vergangenen Jahr an und in laufendem sind es neun an der Zahl. „Es ist beliebt geworden, bei uns aufzutreten“, sagt Doris Hellmold-Ziesenis.

„In den letzten zweieinhalb Jahren haben wir Spenden in Höhe von circa 30000 Euro bekommen, ohne irgendwelche Firmen oder Stiftungen speziell anzuschreiben“, ergänzt Pastor Simon Pabst. Ganz viel sei dabei durch die Konzerte an Geldern zusammengekommen, aber auch durch Menschen, die jeden Sonntag einen Euro oder zwei am Ausgang in die Spendendose bei der alten Orgelpfeife legen. Erlöse seien auch aus dem Verkauf vom Orgelretterhonig erzielt worden sowie durch Menschen, die bei besonderen Anlässen, Geburtstagen oder Trauerfällen, um eine Spende für die Orgel gebeten hatten. Darüber hinaus gab es Hochzeitskollekten, eine Aktion mit „rattenscharfen Spendenmäusen“, die von Erntedank 2017 bis Erntedank 2018 unterwegs waren, und viel mehr.

Die Groß Berkeler Orgel ist vergleichsweise jung und leidet doch schon unter Verschleiß aufgrund des Klimas in der Kirche. „Trotzdem ist sie noch komplett bespielbar“, räumt Hellmold-Ziesenis ein. Im Jahre 1981 wurde von der Orgelbaufirma Hillebrand aus Altwarmbüchen das Instrument in der Sankt-Johannis-Kirche eingebaut. Von der Firma Mühleisen aus Strasburg wurde das Instrument im Jahr 1994 zu einer Gottfried-Silbermann-nahen Version weiterentwickelt. Hinter dem prächtigen Barockprospekt von 1791 befinden sich 23 Register und über 1300 Pfeifen. Die Orgel hat zwei Manuale und Pedal. Laut Professor Hans-Christoph Becker-Foss, langjähriger Kreiskantor und Orgel-Experte, handelt es sich „um ein Instrument, das in dieser Region als einmalig zu bezeichnen ist“.

Ausreinigen und entschimmeln lauten die Stichworte. Doch diese Maßnahmen seien teuer, resümiert Doris Hhellmold-Ziesenis. „Mit der Benefizkonzertreihe werden auf unterhaltsame Art Spenden gesammelt, um die klangschöne, auf die Akustik des Kirchenraums abgestimmte Orgel für die nächsten Generationen zu erhalten“, sagt sie. Und Simon Pabst zeigt sich guter Dinge: „Ich bin guter Dinge, dass es uns gelingt, auch die restlichen 8000 Euro an Eigenmitteln aufzubringen – angesichts der bislang grandiosen Spendenbereitschaft!“