Hubschrauber stürzt ab, 25-jährige Pilotin stirbt

Dehmke. „Wir haben gegrillt und die Hubschrauber fliegen sehen“, erzählt Andrea Weber aus Dehmke. Sie habe kurz darauf das Geschirr ins Haus gebracht. „Als ich wieder nach draußen kam, war oben am Wald eine große Rauchsäule zu sehen. In dem Feld lief jemand. Wir haben gedacht: Gott sei Dank ist der Pilot rausgekommen. Der Mann habe sich kaum auf den Beinen halten können – er sei mehrere Male hingefallen, berichtet die Augenzeugin. Der 26 Jahre alte Soldat soll noch selbst via Handy Hilfe angefordert haben. Für die Pilotin (25) kommt jede Hilfe zu spät.

Es ist 13.52 Uhr, als der erste Notruf bei der Leitstelle in Hameln eingeht. Schnell ist klar: Oberhalb von Dehmke ist ein Hubschrauber abgestürzt. Das Wrack steht in Flammen. Ein Notarztteam und Rettungswagen der Feuerwehr Hameln und des Deutschen Roten Kreuzes und fünf Feuerwehren aus der Gemeinde Aerzen rücken aus. Aus Bückeburg machen sich die Bundeswehr-Flugplatzfeuerwehr und Allrad-Militärkrankenwagen auf den Weg. Der Schulungshubschrauber vom Typ EC135 gehört zum Internationalen Hubschrauberausbildungszentrum in Bückeburg.

Über der Unglücksstelle kreisen Militärhubschrauber. Eine Maschine landet unweit der noch brennenden Wrackteile und setzt ein Notarztteam ab. Feuerwehrleute, die sich mit schwerem Atemschutz ausgerüstet haben, bekämpfen die Flammen, während ein Notarztteam 70 Meter weiter unterhalb den Überlebenden behandelt und bald darauf in ein Krankenhaus bringt. Günter Seidel steht geschockt auf einem Waldweg. Er hat gehört, dass nach dem Absturz Leuchtkugeln zu sehen gewesen sein sollen. Feuerwehrleute halten vorsichtshalber einen Sicherheitsabstand. Und das ist gut so, wie sich wenig später herausstellt. Hauptmann Robert Stiller, Chef einer Feldjäger-Kompanie, sagt, jeder Mensch, der sich in einem bestimmten Radius aufgehalten habe, müsse von ABC-Schützern dekontaminiert werden. „Kleinstfasern könnten freigesetzt worden sein. Wenn man sie einatmet, kann das die Lungen schädigen.“

Ein weiterer Such- und Rettungshubschrauber der Bundeswehr und eine EC135 landen unweit des Unglücksorts. Militärpolizisten eilen von nah und fern herbei – sie sperren den Absturzort weiträumig ab, warnen Passanten und Reporter davor, Wrackteile anzufassen. Das könne die Gesundheit schädigen.

ABC-Spezialisten werden angefordert. Mit einem Flughafen-Tanklöschfahrzeug lässt die Bundeswehr ein Stück Weizenfeld plattwalzen. Darauf entsteht ein großer Dekontaminationsplatz. Feuerwehrleute, die mit Rauch in Kontakt gekommen sind, werden dort von Experten, die Atemschutz tragen, gesäubert, die Schutzkleidung wird wie Sondermüll behandelt. Niemand soll gesundheitsschädliche Stoffe verschleppen oder einatmen. Die Einheiten aus dem Landkreis Hameln-Pyrmont erhalten Verstärkung von ABC-Zügen aus den Landkreisen Hildesheim, Holzminden und aus der Stadt Hildesheim. Das Heulen der Sirenen will nicht enden. Auch DRK-Katastrophenschutz-Einheiten fahren Dehmke an. Rettungsassistenten sollen die Einsatzkräfte, die dekontaminiert wurden, registrieren. Auch im Hamelner Sana-Klinikum wird alles für eine Personen-Dekontamination vorbereitet.

Dehmke ist abgeriegelt. Es gibt mehrere Polizei- und Feuerwehrsperren. Feldjäger sichern Nebenstraßen ab. „Wer nicht dazu befugt ist, darf nicht in den Sicherheitsbereich“, sagt Hauptmann Stiller. Bundesverteidigungsministerin Ursula von der Leyen bittet die Bevölkerung um Verständnis dafür, dass die Bundeswehr den Absturzort „für geraume Zeit absperren muss“. Alle Wrackteile müssten zunächst gesichert werden. „Jede Gesundheitsgefahr muss jetzt ausgeschlossen und nach der Absturzursache gesucht werden.“