Heißt es beim Fußball lakonisch, dass das Runde im Eckigen zu landen habe, dürfen die Weltkugeln aus Teig in der Rundung des Bauches landen, der in Österreich gerne als Backhendl-Friedhof bezeichnet wird. Denn die Klöße, wie die runden Lieblinge aus verschiedenen Kartoffel-Varianten heißen und im Süden als Semmelknödel Kultstatus genießen, sind nur die eine Seite der seit Jahrhunderten zelebrierten Knödelmania. Es gibt sie nämlich auch mit unterschiedlichen Füllungen aus Bratenresten oder aus Grammeln, die hier Grieben heißen – vor allem aber auch als Marillen- oder Zwetschgen-Knödel als fruchtig-süße Ableger, die vorweg mit einer deftigen Suppe eine beliebte Mahlzeit bieten. Sie machen einfach glücklich.

Knödel als Vielfalt-Wunder – und dass man damit sogar schießen kann, bewies ein Münchner, dessen Haus in der Einflugschneise des damals noch aktuellen Flughafens Riem lag. Mit einer eigens konstruierten Schleuder beschoss er die eben erst gestarteten Maschinen, was ihm eine Verurteilung vor Gericht einbrachte. Der Nachrichtensprecher musste allerdings vier Mal ansetzen, weil er sich beim Lesen der Meldung einfach halb tot lachte.

250 g griffiges und 250 g glattes Mehl Zwei Eigelbe 1 TL Öl Salz 1/8 l Milch Wasser Berühmt geworden die sogenannten „Hausrucker Knödel“, nahe der Grenze zu Passau zu Hause, die alternativ mit Fleisch, Grammel oder Speck gefüllt werden. Für den Teig mischen. , , und je und untermengen. Ständig mit dem Holzlöffel rühren, bis ein glatter Teig entstanden ist, der dann eine gute Stunde ruht.

300 g Schweineschulter 1 Zwiebel 1 Knoblauchzehe Salz Pfeffer Petersilie Für die Fleischfüllung , , sowie und durch den Wolf drehen. Eventuell mit würzen.

500 g frischen Rückenspeck Zwiebeln Salz Pfeffer Für die Grammel-Grieben-Knödel in feine Streifen schneiden und bei geringer Hitze – etwa drei Stunden lang – auslassen. Vielleicht hilft aber auch ein Flirt mit Ihrem Metzgermeister. Die Grammeln mit sehr fein gewürfelten , und würzen. Das ausgelassene Fett lässt sich vielfältig weiter verwenden.

300 g gepökelter Bauchspeck Schnittlauch Für die dritte Variante den Speck – – in sehr kleine Würfelchen schneiden und mit viel ebenfalls klein geschnittenem vermengen.

Vom Teig jeweils ein etwa nussgroßes Stück abzupfen, auf bemehlter Fläche flach drücken oder ausrollen. Einen Teelöffel Fülle darin einwickeln und schön gleichmäßig rollen. Ideal dazu ein warmer Krautsalat. 600 g Weißkohl halbieren und in feine Streifen schneiden oder hobeln und einsalzen. Dabei kräftig durchkneten. In einem großen Topf 1/4 l Wasser mit Kümmel und drei EL Apfelessig aufkochen, das Kraut untermengen und durchkochen. Es sollte aber noch Biss besitzen. Flüssigkeit absieben – 80 g Frühstücksspeck in kleine Würfelchen schneiden, rösten und über den Salat streuen. 3 EL Pflanzenöl dazu, gut durchmischen und abschmecken.

Leo Slezak, der berühmte Heldentenor, war vernarrt in Marillen-Knödel – entkernte Aprikosen in Kartoffelteig – und schickte stets ein Stoßgebet zum Himmel: „Lieber Gott, bitte gib mir einen zweiten Magen – ich geb‘ Dir meinen Bauch dafür!“

400 g Topfen 150 g Mehl 60 g handwarme Butter 1 Ei 1 Eidotter abgeriebene Schale einer halben Zitrone Prise Salz Traditionell wird – auch wenn Zwetschgen eingehüllt werden – auf einen Topfenteig aus – alias Magerquark, der über Nacht in einem Tuch über der Spüle abtropfen kann – verwendet. Dazu: , , , und die sowie einer . Butter mit Salz und Zitrone-Schale schaumig rühren, Ei und Eidotter untermengen, dann Mehl und den jetzt trockenen Quark beifügen und zu einem glatten Teig kneten. 3 bis 4 Stunden an kühlem Ort ruhen lassen.

ein halbes Kilo mehlig kochende Kartoffeln 120 g griffiges Mehl 40 g Butter 2 Eidotter Prise Salz Für den Kartoffelteig werden , , , und eine benötigt. Die Kartoffel kernig weichkochen, abgießen und ausdampfen lassen, dann durch die Presse drücken und erkalten lassen. Mit den Zutaten vermengen und zu einem glatten Teig verkneten.

Für die Marillen – alias Aprikosen-Knödel – den Kern mit einem Löffelstil herausdrücken und ein halbes Stück Würfelzucker einfüllen. Vom Teig eine etwa fünf Zentimeter dicke Rolle formen, nach und nach eine Scheibe abschneiden, flach drücken und die Früchte darin einhüllen. In siedendes Wasser gleiten lassen, immer wieder bewegen, dass sie sich nicht am Boden festsetzen. 150 g Butter schmelzen und 130 g Brösel einstreuen, leicht bräunen lassen und die abgetropften Knödel darin wälzen, anrichten und mit Puderzucker bestäuben. Dasselbe gilt auch für Zwetschgen, die in Österreich gerne mit Kern zubereitet werden. Als Kinder haben wir die dann am Tellerrand gehortet. Mein Rekord lag bei 23 Knödeln – heute schaffe ich mit Mühe fünf bis sechs.

Wer Angst vor Bewohnern der Zwetschgen hat, kann sie aufschneiden, den Kern herauslösen und ebenfalls ein halbes Stück Zucker einschließen. Der Rest wie gehabt. Übrigens: Gefüllte Knödel gab es, wie die kulinarische Archäologie bewiesen hat, bereits in den Pfahlbaudörfern am Mondsee im Salzkammergut und datieren somit aus der Jungsteinzeit. Das heißt, es gibt sie bereits seit über 4000 Jahren. Ewig rund und unbeschreiblich lecker.

Herzlichst, Ihr

Richard „Ricki“ Peter