Natur sitzt auf dem Trockenen

Hameln-Pyrmont (mes). Nach Tagen mit Temperaturen nahe der 40-Grad-Marke atmeten die Bürger im Weserbergland durch. War‘s das jetzt mit der Hitze oder ist es nur die Ruhe vor dem Sturm? Und wie verkraften Natur und Landwirtschaft diese Kapriolen?

Die meisten Klimamodelle rechnen damit, dass der August ebenfalls sehr warm und zu trocken wird. „Wir kämpfen um unser täglich Brot“, blickt Karl- Friedrich Meyer besorgt in die nahe Zukunft. Der Kreislandwirt räumt zwar ein, dass dieses Jahr bislang nicht ganz so trocken gewesen sei wie 2018; nichtsdestotrotz sei der Boden hart. Kommt erlösender Regen – so wie vorgestern –, sei nicht nur die geringe Menge das Problem, sondern auch der Zustand der Böden. „Die Pflanzen können das Wasser einfach nicht aufnehmen“, sagt Meyer.

Es gebe außerdem Hinweise darauf, dass wieder extreme Wetterlagen im August auf uns zukommen, prognostizieren die Experten vom „Weather Channel“. Statistisch gesehen hielten sich Großwetterlagen, die sich im Juni und Juli aufgebaut haben, zu einer 80-prozentigen Wahrscheinlichkeit auch im August. Die Chance ist also sehr hoch, dass Wetterextreme bis zum Ende des Sommers anhalten. Je nachdem, wo die Nord- und wo die Südströmung dominiert, bekommt Deutschland entweder kühles oder sehr heißes Wetter in der kommenden Zeit. Ihre Prognose: Wahrscheinlich werden sich diese Extreme abwechseln. Das führt leider auch zu vermehrtem Unwetter.

„Tagelangen Regen oder gar Unwetter mit Hagel können die Landwirte jetzt gar nicht gebrauchen“, sorgt sich Karl-Friedrich Meyer. Denn die Ernte des Winterweizens laufe auf Hochtouren. Etwa die Hälfte sei bereits eingebracht. „Die Qualität ist dabei sehr verschieden.“ Die Krux: Die Vorgaben der Mühlenindustrie fordern einen Proteingehalt des Weizens in Höhe von zwölf Prozent. Dieser Wert werde aber aufgrund der verschärften Düngeverordnung kaum noch erreicht. „Nun hoffen wir, dass die Mühlenindustrie die Anforderungen zurückschraubt“, hofft der Kreislandwirt. Ansonsten gehe der Backweizen in den Futtertrog – für den Bauern schmerzvolle Einbußen, für den Verbraucher indes wohl nicht spürbar auf dem Markt.

Für längeres Regenwetter in naher Zukunft stehen die Chancen sehr schlecht, meinen die Wetterexperten. Aber: „Die Kartoffeln brauchen jetzt Regen, auch der Mais“, sagt Karl-Friedrich Meyer. Und auch hinsichtlich der Gefahr der Stoppelfeldbrände „wäre der ein oder andere Schauer mal ganz gut“. Vier solcher Brände habe es erst Ende vergangener Woche im Landkreis Hameln-Pyrmont gegeben – mit glimpflichem Ausgang. „Es ist bewundernswert, wie toll die Feuerwehren darauf vorbereitet waren“, richtet der Kreislandwirt sein Lob an die beteiligten Wehren.

In den kommenden vier bis acht Tagen werden die Landwirte in unserer Region noch mit der Ernte des Winterweizens beschäftigt sein. Viele von ihnen nutzen für diese Arbeit die Abendstunden. „Ich würde mir wünschen, dass im Straßenverkehr Rücksicht genommen wird auf die Erntefahrzeuge“, sagt Meyer. Die Landwirte hofften auf ein wenig Verständnis von den Verkehrsteilnehmern, wenn es auch mal ein bisschen länger dauert. Schließlich machten die Bauern das nicht, um jemanden zu ärgern.

Auf die Winterweizenernte folgt dann die Stoppelfeldbearbeitung, sprich Vorbereitung auf die Herbstaussaat, die um den 15. September beginne, gibt Karl-Friedrich Meyer einen Ausblick. Bereits Ende August erfolge die Rapsaussaat, nach dem 10. September die Kartoffelernte und um jenen Zeitpunkt auch die Ernte der Zuckerrüben.

Blick Richtung Wald: Auch die Bäume leiden unter der anhaltenden Trockenheit beziehungsweise Wasserknappheit, teilt Mathias Aßmann, Sprecher der Niedersächsischen Landesforsten, auf Anfrage mit. Die Entwicklung der Fichte setze sich aus vergangenem Jahr fort. Sie leide als Flachwurzler massiv unter den geringen Niederschlägen. Wenn der Wasserspiegel sinkt, komme sie schnell an ihre Grenzen – was bedeutet, dass Schädlinge, insbesondere der Borkenkäfer, derzeit leichtes Spiel haben. Er bohrt sich durch die Rinde in den Baum. Bei normalen Wetterbedingungen produziert der Baum Harz und verklebt den eingedrungenen Schädling. Doch in diesem Jahr reicht dafür das Wasser nicht mehr.

Gerade im Bereich Hameln leide nach Aßmann noch ein anderer Baum: „Die Buchen sterben ab“, weiß er. Ursache seien die Trockenheit sowie zahlreiche Schadorganismen, die die geschwächten Bäume befallen. Zwar reagierten Buchen häufig erst zeitverzögert auf Dürrejahre wie 2018, die rasante Entwicklung stimme die Förster der Niedersächsischen Landesforsten jedoch besorgt. Auslöser für die jüngsten Symptome seien die extreme Trockenheit und das Absterben der für den Wassertransport so wichtigen Feinwurzeln im vergangenen Jahr, sagt Aßmann. An der Rinde der geschwächten Buchen saugten Schildläuse und öffneten so die Eintrittspforte für holzzersetzende Pilze. Der Befall durch Insekten wie Borkenkäferarten setze den geschwächten Laubbäumen zusätzlich zu. Auch hier gibt es nur eine Lösung: „Wir brauchen lang anhaltende Niederschläge!“