Wild – und wüste Fahrer

Weserbergland (ey). 50 Kilogramm! Wildschweine können mächtig massig werden. Bei Verkehrsunfällen gibt es teils schwere Schäden an Fahrzeugen, bisweilen Verletzungen bei Insassen. Umso erstaunlicher, dass sich der Verursacher – wieder einmal – nach einem solchen Zusammenstoß verdrückt hat. Für Kreisjägermeister Jürgen Ziegler mehr als betrüblich: „Das ist das völlig falsche Verhalten“, sagt er. Und doch: Gerade erst wieder geschehen auf der Carl-Wilhelm-Niemeyer-Straße im Hamelner Hottenbergsfeld.

Versicherung zahlt nicht

ohne Bescheinigung

Das Tier war von einem Auto erfasst und quer über die Fahrbahn geschleudert worden. In einer Parkbucht blieb es verendet liegen. Eine Aufnahme des Unfalls erfolgte nicht, weil sich kein Unfallbeteiligter bei der Polizei meldete, sondern ein anderer Verkehrsteilnehmer die Meldung abgab. „Bei Unfällen mit Wildtieren ist vom Verursacher grundsätzlich die Polizei zu benachrichtigen!“, sagt Jürgen Ziegler. Der Grund: Verletzte Tiere sollten schnell von ihren Leiden erlöst werden. Das Problem ist auch, dass der verursachende Autofahrer als Laie nicht erkennen kann, ob das Tier bereits tot ist oder sich noch einige Meter vom Unfallort fortschleppt. „Die Polizei verständigt dann den zuständigen Jagdpächter, der mit einem Jagdhund eine Nachsuche durchführt. Eventuell notwendige Unfallbescheinigungen zur Vorlage bei der Versicherung werden ausgestellt“, sagt der Kreisjägermeister.

Doch mehr Autofahrer als angekommen kümmern sich lieber um den Schaden am Fahrzeug als um das Tier. Reiner Egoismus, der nicht zielführend ist, sondern bei dem sie auf den Kosten sitzenbleiben. Laut Stephanie Heineking-Kutschera, Pressesprecherin der Polizeiinspektion Hameln-Pyrmont-Holzminden, ist der aktuelle Crash kein Einzelfall. Ihr Rat: „Jeden Wildunfall melden! Außerdem ist es so, dass die Versicherung eine Bescheinigung verlangt, und die gibt es nur von der Polizei oder dem Jagdberechtigten.“ Heißt: ohne Bescheinigung keine Kostenübernahme. Und es gibt eine Menge Wildunfälle auf heimischen Straßen: rund 500 pro Jahr im Bezirk der Polizei Hameln-Pyrmont-Holzminden!

Versicherungstechnisch sieht es so aus: Bei Kleintieren (zum Beispiel Katze) wird der Schaden laut der Polizeioberkommissarin über die Hausratversicherung abgedeckt. Hasen fallen unter Haarwild, genau wie Rehe oder Wildschweine, und werden im Schadensfall von der Teilkasko übernommen.

Kreisjägermeister Ziegler deutet darauf hin, dass das Risiko eines Wildunfalls mit Rehen oder Wildschweinen zurzeit sehr hoch ist, „weil die Ernte der Raps-, Gersten und Weizenfelder den Lebensraum aller wild lebenden Tiere deutlich verändert, denn sie müssen sich bei der Nahrungssuche und bei der Suche nach einem Unterschlupf neu orientieren“. Die offenen Wasserstellen, wie Teiche oder Bäche, seien teilweise vertrocknet. Auch dies führe zu einer Verhaltensänderung bei den Wildtieren. „Sie halten sich an Orten auf, wo sie zuvor noch nicht gesehen wurden, wie zum Beispiel an feuchten Ortsrandlagen mit Schilfpartien“, so Jürgen Ziegler weiter.

Bei den Rehen ist zudem von Ende Juli bis Mitte August Paarungszeit. Rehböcke vertreiben Rivalen aus ihren Territorien und verfolgen diese sehr hartnäckig. Ist der Rivale vertrieben, folgt der Bock der Ricke in lang anhaltenden Verfolgungsjagden, während deren Jungtiere, die Kitze, relativ ratlos und verstört nach der Mutter suchen. Die Bewegungen der Rehe erstrecken sich über weite Strecken, hierbei werden in der Blattzeit (Paarungszeit) zu jeder Tageszeit Straßen in schneller Flucht überquert. Und die Wahrscheinlichkeit, dass einem Reh ein zweites folgt, ist hoch.