Von Meike Schaper

Da hatte sich doch jemand vorgedrängelt… Habt ihr es gemerkt? Kollege Meyer, Jens, hat sich unsere Musik-Rubrik letzte Woche gekrallt, obwohl er davor die Woche schon ausschweifend über die „Summer Sun“ sinniert hatte. Pö. Dafür stelle ich euch heute eine Band vor, mit der er sicherlich nichts anfangen kann: Ghost.

Hier scheiden sich die (Metal-)Geister, ich weiß. Während manche Kuttenträger die Musik der schwedischen Band als „Schlager“ abtun, lassen sich wieder andere mitreißen – so wie ich. Das erste Mal wurde ich mitgerissen, als ich sie live in Hamburg sah, als Vorband von Metallica. Und auch dieses Jahr war mir das Glück hold: Ghost waren wieder im Vorprogramm der aktuellen Metallica-Tour angekündigt! Ich bin selten zu Konzertstart da, weil mich die meisten Supports einfach nie begeistern beziehungsweise langweilen (ich schrieb bereits über dieses Trauma…), aber im Juli in Berlin stand ich pünktlich vorne auf der Matte – äh, an der Bühne! Trotz Nieselregens genoss ich die Show von Tobias Forge & Co. in vollen Zügen. Na ja, es war das Olympiastadion, das voll war, aber sei’s drum. Eingängige Melodien und eine skurrile Show umschreiben den Auftritt wohl am besten. Die Bandmitglieder treten ausschließlich maskiert und in braunen oder schwarzen Habiten mit Kapuzen auf – mit Ausnahme des Sängers: Dieser trägt ein schwarzes Gewand mit roten Verzierungen sowie goldenen, umgedrehten Kreuzen, eine Totenkopf-Maske und eine Mitra, verziert mit einem umgedrehten Keltenkreuz, das als Buchstabe G durchbrochen ist. Sowas gab’s in der Musik-Welt noch nicht – groovy! In der folgenden Woche gab es für mich also kein Zurück mehr: Ein Album musste her!

„Prequell“ läuft seitdem (wir reden hier von über vier Wochen!) ununterbrochen in meiner Anlage. Und – welch Zufall – einer meiner Favoriten-Songs schlägt sogar den Bogen zur Heimat: „Rats“. Gut, die Lyrics haben jetzt nicht unbedingt etwas mit der Rattenfänger-Sage zu tun. Düster sind sie allemal: „This devastation left your cities to be burnt“ oder „Them filthy rodents are still coming for your souls“ heißt es da zum Beispiel. Dazu gesellt sich überraschenderweise ein eher seichtes instrumentales Arrangement. Keine brachialen Gitarren-Riffs oder auf die Boxen eindreschende Drums. Nein, stattdessen wird mit einer Art Synthesizer eine atmosphärische Stimmung erzeugt, die durch mehrstimmigen Gesang noch verstärkt wird. Vielleicht ist es das, was Oldschool-Metal-Fans stört; mag sein. Aber hey, wo bekommt man schon einen Mix aus Psychedelic Rock der 60er, Doom Metal 70er und New Wave of British Heavy Metal der 80er-Jahre? Man muss auch mal offen sein für Neues. Auch ihr Metaller!

Zieht’s euch rein: „Rats“ von Ghost an diesem Sonntag gegen 11.30 Uhr auf Radio Aktiv.