Ein rares Highlight der amerikanischen Küche – abgesehen von den vielen, meist von europäischen Zuwanderern importierten süßen Nachspeisen von Cheese-Cake, über Muffins bis zu Apple-Pie – und fast schon symptomatisch: natürlich von einem Italiener erfunden. Ausgerechnet in Mexiko. Da gab’s zwar noch keinen Trump, aber Amerika litt und dürstete alkoholfrei in der Prohibition.

Römer-Salat Weißbrot Knoblauchzehen Olivenöl Parmesan Anchovis Eigelbe Zitronensaft Worcestersauce schwarzen Pfeffer So pendelten viele Grenzgänger zwischen Kalifornien und Caesar Cardini in der mexikanischen Grenzstadt Tijuana, um es sich in seinem Restaurant gut gehen zu lassen. So fiel auch Brüderchen Alex Cardini 1924 mit Fliegerfreunden in „Caesars Place“ ein, nicht nur, um Sprit zu tanken. Die Jungs waren auch hungrig. Und in der Küche herrschte Ebbe. Caesar in „veni-vidi-vici“-Manier kramte zusammen, was er fand. Zwei Köpfe , sechs Scheiben , zwei , 160 ml , 100 Gramm , 3 (Sardellen-Filets), zwei tagesfrische (sie sollten wirklich frisch sein, weil sie roh in den Salat kommen), 2-3 EL , 1 TL und .

Hähnchenbrust-Streifen Die Navy-Vertreter waren schlichtweg begeistert, und die Welt hatte neben dem Carpaccio und der Vichyssoise – alles Zufall-Erfindungen, eher der Not gehorchend als dem eigenen Triebe folgend – ein weiteres Schmankerl in Weltklasse-Format. Ideal an heißen Tagen, aber nicht nur dann. Dazu beliebig mit gebratenen , Pute oder Schinken aufzumotzen.

Ganz wichtig das Dressing. Knoblauch abziehen und halbieren. Öl dazu geben und 30 Minuten marinieren. Die Hälfte des Parmesans grob auf der Reibe raspeln, den Rest fein reiben. Anchovis abtupfen und klein schneiden. Eigelbe, Zitronensaft, Worcestersauce, Salz und Pfeffer dazu geben und den Knoblauch aus dem Öl fischen.

Alles – außer dem Öl – cremig mit dem Schneebesen aufschlagen. Dann etwa 100 ml Öl erst tropfenweise, dann in dünnem Strahl einfließen lassen und weiter schlagen, bis eine leicht dickliche Sauce wie bei einer Hollandaise entstanden ist. Jetzt den fein geriebenen Parmesan unterrühren. Abschmecken. In einer Pfanne das restliche Olivenöl erhitzen und das in Würfel geschnittene Weißbrot rösten, bis es knusprig braun ist.

Den Salat putzen, die dicken Rippen herausschneiden, waschen und gut abtropfen lassen. Die zerrupften Blätter mit dem grob geriebenen Parmesan kurz vor dem Anrichten zum Dressing geben und vorsichtig mischen. Brotwürfel darüber streuen und sofort servieren. Natürlich kann der Römersalat noch mit Radicchio ergänzt werden, auch Endivien in feine Streifen geschnitten ist denkbar, und wer will, kann auch Senf ins Dressing rühren und alles zusätzlich mit Petersilie oder Thymian würzen. Es ist zwar dann nicht mehr der Caesar Salad von 1924 – aber schließlich schreiben wir mittlerweile 2019 und zum Hundertsten fehlen nur noch fünf Jahre. Unter Trump hätte der Salat vermutlich keine Chance gehabt, erfunden zu werden.

Waldorf-Salat Aber wenn wir kulinarisch schon in God’s own country sind: Ebenfalls in den Zwanzigerjahren wurde im New Yorker Luxushotel Waldorf-Astoria der berühmte kreiert. 300 Gramm Äpfel schälen, entkernen und in in feien Streifen (Julienne) schneiden. Sofort mit dem Saft von einer Zitrone mischen. 200 Gramm Knollensellerie schälen und ebenfalls in feine Streifen teilen. Zu den Äpfeln geben. 100 Gramm Mayonnaise – 1 kleines Ei, 10 g Senf, 10 cl Öl (ein Weinglas etwa), Saft von einer halben Zitrone, 1 Spritzer Apfelessig, 1 Prise Zucker, Salz, Cayenne-Pfeffer sowie 3 bis 4 Esslöffel Sahne in einem hohen Becher mit dem Mixstab von unten hochziehen, bis es gebunden hat – mit 50 g Naturjoghurt glattrühren und mit den Gemüsestreifen mischen. Mit Salz, Pfeffer, Zucker abschmecken und 50 g Walnusskerne, grob gehackt über den Salat streuen.

Herzlichst, Ihr

Richard „Ricki“ Peter