Von Jens F. Meyer

Da kommt er um die Ecke geflötet, mit Walzertakten aus dem Off gepudert, den Scheitel schelmisch auf rechts pomadisiert, dann zieht Rauch auf in zigarettendunstiger Kehle, der sich auf die Stimmbänder legt. Die ersten Worte, wie einmal durch das Feuer gejagt, strömen wie goldene Funken einem Himmel entgegen, der sich vor Robbie Williams verneigen möchte.

I knew a man Bojangles

And he’d dance for you

In worn out shoes…

Es ist, als wenn Sammy Davis jr. auferstanden wäre. Aber der säuft sich ein’n und prostet Robbie von oben zu, vermutlich mit den Rat-Pack-Brüdern Frank Sinatra und Dean Martin. Vielleicht ist es gar nicht der Himmel, der sich verneigt vor ihm, Robbie Williams, sondern es sind diese Drei, die dort im Himmel grinsend applaudieren und nachschenken lassen. Aus den poppigen Niederungen von „Take That“ war Williams ins Licht heraufgeeilt, um die Musikwelt mit seiner Aura in den Neunzigerjahren auf links zu drehen. Was auch immer er gerockt hat: Das „Swing when you’re winning“-Album halte ich für die wichtigste aller Williams-Platten. Weil das hier der Stilbruch ist, den ein Künstler braucht, um sich selber einer Genre-Erweiterung zu unterziehen und daraus neue Bedeutung zu gewinnen. Das Ding donnerte raketengleich um den Globus, nicht zuletzt durch die Single-Auskopplung „Somethin’ stupid“, einem Duett mit Nicole Kidman. Dabei sind viel glänzendere Perlen darauf zu finden; nie hat Robbie Williams hinreißender gesungen, schon im Opener „I will talk and Hollywood will listen“ macht er klar, wo er zu stehen wünscht: ganz oben, die Arme ausgebreitet, den Jubel zu empfangen. Gänsehaut und Tränen rollen, Tränen der Rührung.

Er hat sich seinen Beifall verdient. Die Jerry-Jeff-Walker-Nummer „Mr. Bojangles“ lodert lässig herauf, dann fängt sie allmählich Feuer, Flammen schlagen hoch hinaus, und mit einem Dutzend Saxofonen und Trompeten folgt schließlich die Explosion dieser Geschichte um den großen Stepptänzer Bill Robinson. Der Rauch verfliegt, Williams Stimme, noch rau, aber von aller Melancholie befreit, führt den Song ins Finale furioso, und so pfeifend, wie er gekommen war, zieht er weiter, einem Horizont entgegen, wo Sammys Schimmer in Regen bogenfarben funkelt.

Für alle, die versuchen wollen, mitzusingen – das Finale macht am meisten Spaß. Laut singen.

Mr Boooojangles

Mr Booooooojangles

Mr Boooooooooojangles

Dance.

Ist nicht so schwer.

Radio Aktiv diesen Sonntag gegen 11.30 swingt mit und holt Uhr „Mr Bojangles“ über’n Äther.