Von Meike Schaper

Wer kommt mit auf Zeitreise? Heute möchte ich ganz weit weg – in die 80er! Genauer gesagt: ins Jahr 1988.

Wer sich erinnert: 1989 markierte einen großen Wendepunkt in meinem Leben, da kein Geringerer als Alice Cooper in meine Welt eintrat – musikalisch, versteht sich. In jenem Jahr veröffentlichte der Meister des Shockrock sein 18. Album („Trash“). Nachdem ich mich mit all seinen Vorgänger-CDs eingedeckt hatte (mein erster finanzieller Ruin als Teenager…), öffnete ich mich auch für andere Bands aus diesem Genre. Mit Glam Metal stieg ich quasi in die Welt des Hard Rock und Heavy Metal ein – ich musste mich ja erst mal langsam vortasten… Whitesnake, Mötley Crüe – und dann kamen auch die Föhnwellen von Slaughter und Cinderella.

Letztere hatten in oben angesprochenem Jahr – nämlich 1988 – ihr Album „Long Cold Winter“ herausgebracht, das bald auch in meinem CD-Regal stehen sollte. Ach, ja, die Weichspüler-Jungs von „Cinderella“. Ehrlich mal: Welche Kerle benennen ihre Band nach einem Märchen? Zugegeben, damals fand ich die Mannen aus Pennsylvania ziemlich „süß“, und dann war auf der Scheibe auch noch so eine herzzerreißende Ballade zu hören, die mir den Rest gab: „Don’t know what you got (til it’s gone)“, übrigens die erfolgreichste Single der Band jemals (sie erreichte Platz 12 der Billboard-Top100 im November 1988).

Nicht nur, dass die Textzeilen einfach traurig sind (I can’t tell you, baby, what went wrong - I can’t make you feel what you felt so long ago, I’ll let it show - I can’t give you back what’s been hurt - Heartaches come and go - and all that’s left are the wounds I can’t let go / Ich kann Dir nicht sagen, was schiefgelaufen ist - Ich kann dich nicht fühlen lassen, was du so lange gefühlt hast, ich werde es zeigen - Ich kann dir nicht zurückgeben, was verletzt hat - Liebeskummer kommt und geht und alles, was übrig bleibt, sind die Wunden), auch die Akkorde auf der Gitarre tragen zu dieser Stimmung bei. Wieso sich mein damals noch so junges Herz davon angesprochen fühlte, weiß wohl nur der Geier. Ich jedenfalls kann mich nicht daran erinnern, schon mit 13 einen emotionalen Tiefpunkt durchlebt zu haben; so waren die Lyrics für mich doch wohl eher nur Theorie. Vielleicht sprach mich einfach das Gesamtkunstwerk an, die Instrumentierung, gepaart mit dem Gesang. Man darf ja nicht vergessen: Bis vor Kurzem hatte ich nicht mal gewusst, dass so was wie Rock und Metal überhaupt existierten! Ich wandelte auf langweiligen Pop-Pfaden und hatte Poster von Sandra an der Wand hängen – oh Schreck! Da war eine Band wie „Cinderella“ der Teufel in Person(en), auch wenn ich das heute belächle. Nichtsdestotrotz: Die Band katapultierte mich in andere Sphären und bereitete mich auf das vor, was dann schlussendlich kommen (und nie wieder gehen) sollte: Metallica! Danke, ihr Märchen-Prinzen!

Sonntag gegen 11.30 Uhr Radio Aktiv Hört mal rein: Diesen spielt den Soundtrack meiner Kindheit beziehungsweise frühen Jugend: „Don’t know what you got“ von Cinderella.