Rückschlag für die Orgelretter

Groß Berkel (mes). Die Kosten für die Ausreinigung, Entschimmelung und weitere Maßnahmen an der Kirchenorgel in der evangelisch-lutherischen St. Johannis-Gemeinde Groß Berkel werden um fünf bis sechs Prozent steigen. „Wir gehen daher nicht mehr von einer Summe in Höhe von 68750 Euro aus, sondern von etwa 4125 Euro mehr, also 72875 Euro“, zeigt sich Pastor Simon Pabst zerknirscht. „Es ist ein Auf und Ab.“ Aber eines, das große Bedeutung hat, denn die sanierte Orgel wird „ein authentisches Spiel der gesamten französischen Barockliteratur möglich machen“, wie Orgel-Experte Professor Hans-Christoph Becker-Foss dem HALLO schon vor einiger Zeit sagte. Seiner Meinung nach ist das Instrument „einmalig“.

Die Orgel ist von Schimmel befallen und bedarf einer kostspieligen Grundreinigung (wir berichteten). Lange Zeit suchten Pfarramt und Kirchenvorstand der evangelisch-lutherischen Kirchengemeinde Sankt Johannis händeringend nach (finanziellen) Möglichkeiten, die Orgel ihres Gotteshauses im Ortskern zu retten. Zwar gibt es Zuschüsse von der Landeskirche, aber bei einer zu erwartenden Summe waren auch Gemeinschaftssinn und Ideenreichtum gefragt, um diese Hürde zu nehmen. Nach mehrmonatiger Planungsphase und viel Einsatz stand bald ein Konzept der Orgel-Rettung: Zehn Benefizkonzerte standen im vergangenen Jahr an und in laufendem sind es neun an der Zahl.

„Ich habe jüngst mit dem Orgelbauer gesprochen, der durch gestiegene Lohn- und Materialkosten eine höhere Summe ansetzen muss“, sagt Pabst. Der Kostenvoranschlag sei nun immerhin bereits eineinhalb Jahre alt. „Wir müssen also die Preissteigerung reinholen, daher laufen die Konzerte weiter“, ergänzt er. Auch für kommendes Jahr gebe es bereits Anfragen. Über die nach wie vor „hohe Spendenbereitschaft“ zeigt er sich erfreut. Trotzdem: „Uns fehlen immer noch gut 8300 Euro“, sagt er. Und mit der Reinig ung und Entschimmelung der Orgel sei es auch nicht getan. Schließlich wolle man sicherstellen, dass sich nach der teuren Maßnahme nicht gleich wieder Schimmel bildet. Ein Belüftungskonzept müsse her. „Die Landeskirche hat hierfür das Sonderprogramm ‚Verbesserung des Raumklimas‘ aufgelegt; wir haben einen Antrag auf Aufnahme gestellt“, so Pabst weiter.

Das nächste Orgelretter-Konzert steigt Samstag, 21. September – und dazu ist es noch ein ganz besonderes: „Dann gibt es ein bisschen zu essen und zu trinken, die Musik dauert länger und es geht – bei entsprechendem Wetter – auch nach draußen“, gibt Doris Hellmold-Ziesenis, eine der „Orgelretterinnen“, einen kleinen Ausblick. Es musizieren ehemalige und heutige, gebürtige und zugezogene, befreundete und verbandelte, lange nicht gesehene und noch gar nicht kennengelernte Groß Berkeler zugunsten der Orgel. Und das Publikum lauscht der Livemusik in der Kirche oder lustwandelt zwischendurch unter den Linden auf dem Kirchplatz, bei spanischem Pfefferfilet, leckeren Häppchen, köstlichem Gebäck und Wein. Los geht’s am Samstag, 21. September, 17.30 Uhr. Zwei weitere Orgelretterkonzerte runden das Programm für dieses Jahr ab: Am Sonntag, 27. Oktober, heißt es ab 18 Uhr „Pop trifft Orgel“. Und am Samstag, 9. November, 18 Uhr spielt die Gruppe FaltenRock. Infos zu den Konzerten und alles rund um die Orgelrettung im Internet unter: https://orgelretter.wir-e.de.