Drohender Pflegenotstand

Pflegereporte der Bertelsmann- Stiftung prognostizieren, dass die Zahl der Pflegebedürftigen bis zum Jahr 2030 um etwa 50 Prozent zunimmt. Zugleich sinkt der Anteil derjenigen, die in diesem Bereich arbeiten. Dementsprechend fehlen im Jahr 2030 voraussichtlich fast 500000 Vollzeitkräfte in der Pflege, wenn sich die derzeitigen Trends wie bisher fortsetzen.

Markus Küffel, Vorstandsmitglied des Verbandes für häusliche Betreuung und Pflege e.V. und Geschäftsführer der Pflege zu Hause Küffel GmbH, erklärt, wo aktuell die Probleme liegen und wie sich der Pflegemangel beseitigen lässt: „Nicht nur aufgrund der schlechten Bezahlung, sondern auch wegen des anstrengenden Schichtmodells und negativen Images gelten Pflegeberufe derzeit als sehr unbeliebt. Dadurch bleiben Nachwuchskräfte aus, die die Branche allerdings dringend benötigt.“

Um junge Menschen für den Pflegesektor zu begeistern, müsse der Beruf langfristig, mit höherem Gehalt, attraktiver gestaltet werden. Leider ziehe es die Politik zurzeit jedoch vor, viel über mögliche Maßnahmen zu diskutieren, anstatt sie in die Tat umzusetzen. „Außerdem nehmen bürokratische Wege zu viel Zeit in Anspruch. Von Jens Spahns 13000 versprochenen Altenpflegestellen wurden beispielsweise seit Anfang des Jahres bis Mitte Juli nur etwa 300 genehmigt“, sagt Küffel. Jedoch seien ebenfalls kurzfristige Lösungen nötig, weil auch jetzt schon ein Mangel an Betreuungskräften besteht. Dafür müssten alle zur Verfügung stehenden Kapazitäten, das heißt ambulante Dienste, betreuende Angehörige, stationäre Einrichtungen und auch osteuropäische Pflegekräfte, mobilisiert werden und Hand in Hand arbeiten. „Jeder dieser Menschen sorgt dafür, dass das Pflegesystem aktuell nicht kollabiert. Insbesondere bei osteuropäischen Betreuungskräften, die in den Haushalt der pflegebedürftigen Person einziehen, besteht zudem politischer Handlungsbedarf“, so der Experte. Denn ihre Arbeitszeit lasse sich rein rechtlich nur schwer von ihrer Freizeit trennen. Um dem Verbraucher ausreichend Rechtssicherheit zu garantieren, sei der Gesetzgeber gefragt, einen entsprechenden Rahmen vorzugeben. Lösungen dürften nicht länger aufgeschoben werden, denn wenn sich nichts ändere, lasse sich die Pflege in Zukunft nicht mehr für alle sicherstellen.“

Mehr Informationen zu diesem Thema gibt es auch im Internet auf der folgenden Homepage: www.pflegezuhause.info.