Gift, Galle und Genuss

Weserbergland (ey/jlg/sto). Iris Brunotte kennt sich aus mit Pilzen. Im Burgpark Coppenbrügge hat sie ein riesiges Exemplar des Gemeinen Schwefelporlings entdeckt. „Er findet hier ideale Voraussetzungen für sein Wachstum“, sagt sie. Andernorts sieht’s schlechter aus: Es ist kein gutes Pilzjahr. Andererseits sind die Sammler dennoch unterwegs, aber nicht alle kennen sich mit Pilzen wirklich aus!

Die gute Nachricht: „Notfälle mit Pilzvergiftungen gibt es bei uns nur sehr selten. Auffällig ist, dass es sich bei den letzten Fällen um Sammler gehandelt hat, die in Russland geboren worden sind. Dort gibt es wohl einen dem Knollenblätterpilz ähnlichen Speisepilz, den sie hier zu finden gehofft hatten“, sagt Damaris Bollmann, zuständig für die Presse- und Öffentlichkeitsarbeit im Sana-Klinikum Hameln. Die schlechte Nachricht: Der Knollenblätterpilz ist richtig giftig! Und es gibt weitere, die nicht ins Körbchen und auf den Teller dürfen: Der Pantherpilz kann Krampfanfälle auslösen. Der Gemeine Gallenröhrling macht das gesamte Essen ungenießbar. Der Fliegenpilz haut jeden um. „Das Tückische ist, dass essbare Pilze giftige Doppelgänger haben, die ihnen sehr ähneln“, sagt Christian Klameth vom KKH-Serviceteam in Hameln. Ein typisches Beispiel ist der Grüne Knollenblätterpilz, der leicht mit Champignon- und Täublingsarten zu verwechseln ist und dessen Verzehr tödlich enden kann.

Fest steht: Wer auf der Suche nach Pilzen ist, sollte sich gut auskennen. Sogar ein kundiger Sammler kann im Zweifel sein und sollte dann einen Experten einer Pilzberatungsstelle zurateziehen. Grundregel Nummer 1 lautet: Hände weg von Pilzen, die unbekannt sind. Denn eine Pilzvergiftung ist ein akuter Notfall und macht sich durch Schwindel, Schweißausbruch, Übelkeit, Erbrechen und Durchfall bemerkbar. „Deshalb sollte schon beim geringsten Unwohlsein nach dem Verzehr ein Notarzt oder Rettungsdienst gerufen werden“, mahnt Klameth. Bei Verdacht zählen auch die Giftnotrufzentralen in Deutschland zu den Ansprechpartnern.

Die Bestimmungs-App

ist nicht wirklich sicher

Übrigens ist bisweilen sogar die moderne Technik daran schuld, dass Pilzsammler Gift und Galle spucken. Denn die steigende Verwendung von Pilz-Bestimmungs-Apps trägt deutschlandweit in der Tat zu Vergiftungen bei, weil sie leider nicht alle giftigen Sorten erkennen. Darüber hinaus sollen auch vermehrt Touristen und Migranten überdurchschnittlich häufig von Pilzvergiftungen betroffen sein, wie das Universitätsklinikum Regensburg mitteilt.

September und Oktober ist die Hoch-Zeit für Pilzsammler. Die Zahl der Pilzvergiftungen lässt die Telefone bei den acht Giftinformationszentren in Deutschland vermehrt klingeln, wie unter anderem das Giftinformationszentrum Nord in Göttingen meldet. Dort gingen bereits im August rund 80 Anfragen zu Vergiftungen ein! Das liegt dann nicht nur an toxischen Bestandteilen, sondern auch an der falschen Verwendung. Denn auch ältere, rohe oder falsch gelagerte Speisepilze können Lebensmittelvergiftungen auslösen. Pilze daher nicht länger als einen Tag im Kühlschrank aufbewahren. -Notruf des Giftinformationszentrums Göttingen: 0551/19240