High-Tech statt Knickerbocker

Weserbergland (ul). Wandern liegt voll im Trend: nicht erst seit gestern und nicht nur bei älteren Menschen. Auch junge Paare, Eltern und „Backpacker“ entdecken das Wandern neu. Sie verbinden die sportliche Betätigung mit hohem Entdeckungspotenzial in der Natur. Heutzutage geht das natürlich anders – moderner eben. Mit Smartphone, Apps und High-Tech-Kleidung anstatt Knitterkarte und Knickerbocker. Aber bewegen muss man sich schon noch selbst!

Es ist Bewegung, die guttut und Spaß macht. Und sie ist vielen Menschen wichtig, wird immer wichtiger. Denn in der heutigen Zeit stehen viele im Job mächtig unter Druck. Auch private Termine sind häufig eine Belastung. Aus diesem Grund gehen sie hinaus in die Natur, wollen abschalten, etwas für Körper und Geist zu tun und auf andere Gedanken kommen – und schon Friedrich Nietzsche sagte einst, dass nur jene Gedanken, die im Gehen kommen, irgendeinen Wert hätten.

Das Weserbergland ist prädestiniert für Wandertouren. Immer mehr Menschen sind in Wald, Feld und Flur unterwegs. Heimische Sportvereine haben mit Wandersparten ihren Anteil daran. Wolfgang Helmboldt von der Hamelner Sektion im Alpenverein hatte gemeinsam mit Wolfgang Kurbjuhn vom Turn-Club (TC) Hameln erst jüngst eine umfassende Wander-Aktion organisiert: Sie erstiegen mit rund 450 Kindern, Erziehern und Lehrern den Klüt über drei Wanderrouten. Begleitet wurden sie von zwölf Mitgliedern des Alpenvereins. „Oft kennen die Grundschullehrer und Erzieher die Wanderwege in der Umgebung gar nicht“, erläutert Helmboldt. Die Pädagogen seien sehr dankbar gewesen, dass die Mitglieder vom Alpenverein ihnen die Richtung weisen und viel erläutern konnten. Die Aktion kam so gut an, dass sie im März wiederholt werden soll.

Meistens kocht jeder Verein allerdings sein eigenes Süppchen. Gemeinschaftsaktionen sind eher die Ausnahme. Unter der Schirmherrschaft des Dachverbandes der deutschen Wandervereine wird allerdings einmal im Jahr eine Sternwanderung auch im Weserbergland angeboten – mit steigenden Teilnehmerzahlen. Dabei wird oft das Interesse geweckt oder entflammt neu. Dass die Generation 50plus den größten Anteil der Wanderer ausmachen, ist klar. „Das merken wir in den Wandersparten deutlich“, sagt Helmboldt. Das bestätigt auch Sabine Schlimme, Medienwartin des Wandervereins Hameln-Weserbergland. Sie hat die Homepage des Vereins im Januar aufgebaut und dadurch eineneue moderne Basis für die „Golden Ager“ kreiert. Ihrer Erfahrung nach informieren sich die 50- bis 60-Jährigen zunächst im Internet, um dann womöglich aktiv zu werden. Seit dem Aufbau der Homepage im Januar hat der Wanderverein Hameln-Weserbergland Mitglieder gewonnen. Und sein Konzept, Touren mit maximal 15 Kilometern Länge anzubieten, kommt gut an. Weil es nicht um Höchstleistungen geht bei dieser Sportart, sondern um das Erleben der Natur.

Nicht klettern, sondern wandern – das hat auch der Alpenverein, der vergleichsweise sehr viel ambitioniertere Touren anbietet, bei seiner Tour zum Gardasee beachtet. Harz, Heide, Solling – und Kanstein im Ith. Das Wanderprogramm umfasst ganz unterschiedliche Regionen. Und der Klimawandel tut sein Übrigens: Denn die vor 25 Jahren oft angesteuerten Skilanglaufziele des Alpenvereins sind heute oft nicht mehr von Schnee bedeckt. Wetterfeste Schuhe sind mittlerweile wichtiger als Skier.

Und keine Ausrede mehr: Die Qualität der Wanderschuhe hat sich in den vergangenen Jahrzehnten erheblich gesteigert. Blasen und Druckstellen müssen nicht mehr sein. Wasserdichte, atmungsaktive Materialen bieten die Schuhläden – es gibt für jeden Wanderer für jede Jahreszeit den passenden Stiefel in modischem Chic. Selbst im Wald muss ja keiner aussehen wie ein Waldschrat…