Man könnte schwören, dass es aus Mexiko stammt – denn mehr Schärfe und Sombrero geht nicht – und damit einen Meineid riskieren. Denn das „Chili con“ oder wahlweise „sine carne“ – also einmal mit und einmal ohne Fleisch – stammt aus dem Südwesten der USA mit Arizona, Utah, Colorado, New Mexico und Texas, wo es vor allem bei den Cowboys beliebt war, sich aber auch in Kalifornien heimisch fühlte. Sogar sehr heimisch, denn selbst Inspector Columbo (und das als Italiener!) outet sich immer wieder mal als Chili-Fan und Kenner, lümmelt an der Bar und behauptet, dass es hier das beste Chili der Stadt gebe. Und das ist immerhin L.A. samt Hollywood und Santa Monica.

Unvergesslich auch „kleines dickes Bach“, der als „Fledermaus“ ein eigenes Format besaß und bei Bio’s „Alfredissimo“ sein Chili kochte und dafür gnadenlos Büchse um Büchse öffnete – von Tomaten über verschiedene Bohnensorten, Mais und Ananas. Was erstaunte, dass ausgerechnet der so liebenswerte runde Dirk Bach, bekennender Vegetarier, hier ohne Not ein Kilo Rinder-Mett im Topf versenkte, wo es doch auch jede Menge vegetarische Chilis gibt. Und bekannt, dass ich in diesem Fall ebenfalls zum Büchsenöffner greife, weil es keinen Unterschied macht, die getrockneten Bohnen einzuweichen oder gleich aus der Dose abtropfen zu lassen. Für die geschälten Tomaten gilt das ebenfalls, weil die wenigstens, so hoffe ich, reif und aromatisch geerntet werden. Und Mais als Sonderfall ist auch einer aus der Büchse, einer kleinen zumindest. Bleibt also wirklich nur das Fleisch und die diversen Chilis, von denen man auch nur nehmen kann, was gerade auf dem Markt ist – und das ist meist herzlich wenig. Und Ananas kommen mir noch nicht einmal in ein Früchte-Chili, wenn es denn so etwas geben würde…

Ursprünglich war Chili con carne – schlicht: Chilischoten mit Fleisch – eine texanische Spezialität und wurde von den Cowboys gern als „Bowl o’red“ (eine Schüssel mit Rotem) bezeichnet. Damals wurde noch klein geschnittenes Rumpsteak dafür verwendet, das zusammen mit den Chilis geschmort wurde. Dazu kamen noch Kreuzkümmel, Oregano, Salz, Knoblauch, Pfeffer und etwas Maismehl zum Andicken. Um die feurig-scharfe Sauce etwas abzumildern, kamen noch Bohnen dazu, die wie auch der Mais für die Gegend typisch sind. Mit der Zeit haben sich für die verschiedenen Regionen unterschiedliche Variationen des Grundrezepts entwickelt.

So ist in Arizona das „Chili blanco“ als „Weißer Chili“ mit Hühnerfleisch, weißen Bohnen und verschieden scharfen Schoten beliebt, wie auch „Black bean chili“ – also mit schwarzen Bohnen und Schweinelende zusätzlich mit Tomaten und roter Paprikaschote. In New Mexico bilden Schweinefleisch und Green-Chillies die Basis und verzichtet auf Bohnen und Tomaten, weil man hier der Meinung ist, dass Tomaten und Bohnen in einem Chili nichts verloren haben. In den Rockies gibt es auch ein Elchfleisch-Chili mit Tomaten, aber ohne Bohnen. Vermutlich gibt es noch zig Varianten des Eintopfs, der sich – wie fast alle Eintöpfe, auch bei uns – am Vorhandenen orientiert.

CHILI CON CARNE Mein ist eine abgemilderte, sozusagen germanisierte Fassung, auch weil bei uns Chilischoten im Lebensmittelhandel zwar erhältlich sind, aber in der Heimat des Chilis fast so etwas wie ein Kult mit den so verschieden scharfen Schoten betrieben wird. Kommt dazu, dass unser Geschmack, was Schärfe betrifft, schon beim ungarischen Paprika kapituliert und die Papillen einzieht.

Zwiebeln Knoblauch Chilischoten Also vier und zwei zehen abziehen und mit zwei bis vier fein hacken – dabei die besonders scharfen Körner und Trennwände entfernen und die Hände gut waschen, weil das teuflische Capsaicin ziemlich schmerzhaft sein kann, wenn es in die Augen kommt. Die bekanntesten Sorten: Anaheim (auch California Chili genannt), die leicht kugelförmige Habanera und die grünen, spitz zulaufenden Jalapeno.

Öl Rinderhack Möhren Sellerie Paprikaschote Chilipulver Paprika Kreuzkümmel Oregano Brühe Wein geschälte Tomaten Die Zwiebeln in 2 EL glasig dünsten, herausnehmen und mit einem zusätzlichen Löffel Öl in der Pfanne 500 Gramm krümelig braten. Salzen, Knoblauch und die Chilischoten dazu geben. Ebenfalls die Zwiebeln, dazu je 250 g und sowie je eine kleine grüne und gelbe in kleine Würfelchen geschnitten. Mit 1 EL , 1 EL (mild oder rosenscharf), einem TL und 1 EL zusätzlich würzen und gut vermischen. 1/4 Liter und ebenso viel dazu gießen und den Inhalt einer 800-Gramm-Dose , die mit dem Kochlöffel am Rand etwas zerdrückt werden.

Kidney-Bohnen Mais Essig Lauchzwiebeln Gouda saurer Sahne Baguette Etwa 45 Minuten köcheln lassen. 1 Dose abgießen, kurz abspülen und gut abtropfen lassen und zum Chili geben. Wer will, kann auch noch eine Mini-Dose dazu kippen. Weitere zehn Minuten köcheln und mit Salz und 1 EL abschmecken. Als Garnitur in feine Ringe schneiden, 100 Gramm raspeln und zusammen mit anrichten. Dazu nur .

CHILI SINE CARNE Beim fehlt, klar doch, das Fleisch, dafür ist der Bohnen-Anteil größer. 250 Gramm gekochte, schwarze Bohnen, ebenso viel Kidney-Bohnen, Pinto sowie Maiskörner. Dazu kommen noch 250 ml trockener Rotwein. Natürlich gibt es die Bohnen auch ohne Büchse drumherum, dann müssen sie über Nacht eingeweicht und ein paar Stunden gekocht werden. Einfacher – und geschmacklich kaum zu unterscheiden – ist es, die Dosen-Bohnen in einem Sieb abtropfen zu lassen, bevor sie in den Topf wandern.

Im Übrigen: Wenn es zu sehr brennt, nicht die Feuerwehr rufen! Einfach mit ein paar Löffeln Joghurt löschen. Das Einzige, was wirklich hilft.

Herzlichst, Ihr

Richard „Ricki“ Peter