Kampf gegen graue Gartenmode

Von G. Erol Hesse-Öztanil

Hameln. Immer mehr Vorgärten gleichen tristen Steinwüsten. Die Bestandteile dieser „Gärten des Grauens“ sind in der Regel weißer Flusskiesel, geschliffener Granit und grauer Betonstein. Was Hausbesitzer schön und pflegeleicht finden, erweist sich jedoch zunehmend als gravierendes Problem – für die heimische Artenvielfalt und das Stadtklima nämlich. Experten warnen vor den ökologischen Folgen der grauen Gartenmode. Nun will die heimische Politik ein Zeichen setzen: Im Bürgergarten wollen die Volksvertreter in Eigenregie ein Areal in einen Lebensraum für Biene, Hummel & Co. verwandeln.

„Wir hoffen, dass diese Aktion eine Signalwirkung hat. Jeder kann vor seiner Haustür einen Beitrag gegen das Insektensterben leisten“, betont Ratsherr Gerhard Paschwitz.

Die Idee der Volksvertreter, Hacke und Schaufel in die Hand zu nehmen, um in Hamelns grüner Lunge ein Bienenparadies zu schaffen, entstand naheliegenderweise im städtischen Umweltausschuss. Der Vorstoß von Gerhard Paschwitz wurde von allen Parteivertretern positiv aufgenommen. „Es war sofort die Bereitschaft vorhanden, im öffentlichen Raum eine Begrünungsaktion zu starten, um mit gutem Beispiel voranzugehen.“

Als Patenschaftsbeet ist eine rund 50 Quadratmeter große Fläche gegenüber dem von der Stadt im Mai dieses Jahres angelegten Insekten- und Schmetterlingsgarten gewählt worden. Blumen wie Lavendel, Zittergras, Küchenschelle, Thymian und Tulpen machen seitdem aus diesem Areal eine Oase für Insekten. Und so soll sich künftig auch der vom Umweltausschuss betreute Bereich präsentieren: als ein bunt-duftender Lebensraum, in dem es kreucht und fleucht, summt und wimmelt. Im Frühjahr soll die Pflanzaktion in Angriff genommen werden. Die Stadt wird das Beet entsprechend vorbereiten und beratend zur Verfügung stehen. Für den Boden wird ein besonderes Substrat verwendet: das organisch-mineralische und wildkrautfreie Hydralit. Bei der Herstellung solch einer Beetfläche sind pro Quadratmeter 72 Euro zu veranschlagen. Derzeit bemüht sich Paschwitz um Sponsoren, mit deren finanzieller Unterstützung die Pflanzen beschafft werden können. Fachlichen Rat hat sich Hamelns Bürgermeister auch bei einigen Imkern geholt. Bienenfreundliche Stauden wie Sonnenbraut oder die Duftnessel kommen für das Areal im Bürgergarten in Frage, für das sich auch Astern, Holunder, Disteln und Küchenschelle empfehlen.

Und wie lange erklärt sich die Politik bereit, in die Rolle des Hobby-Gärtners zu schlüpfen? „Mindestens bis zum Ende der Legislaturperiode, also bis Oktober 2021“, antwortet Paschwitz. „Ich hoffe aber, dass wir mindestens fünf Jahre durchhalten.“