Hameln rettet das Klima

Hameln (mes). Auf Fleisch verzichten, nicht mit dem Flugzeug in den Urlaub fliegen und den Müll immer brav trennen – beim Thema „Klimaschutz“ findet ein Umdenken statt. Jeder Einzelne kann seinen Teil dazu beitragen, dass der CO2-Fußabdruck reduziert wird. Das hat auch die Rattenfängerstadt erkannt.

Ein Klimaschutzkonzept 2010 bis 2020 wurde mithilfe der Bürger, Akteuren aus Wirtschaft und Politik, aus Schulen und Vereinen und Mitgliedern der örtlichen Umweltverbände entwickelt. Erstellt wurde es zwischen April 2009 und Juni 2010 unter Federführung der Projektingenieurin für Klimaschutz der Stadt und in Kooperation mit der städtischen Tochtergesellschaft, den Stadtwerken Hameln GmbH. In einem ersten Schritt konnten Bürger Ideen und Vorschläge zum lokalen Klimaschutz machen. Eigene Arbeitsgruppen entwickelten ein Handlungskonzept, das der Stadtverwaltung und den lokalen Akteuren als Grundlage dient, die CO2-Emissionen in Hameln nachhaltig zu reduzieren. Öffentlich vorgestellt wurde es im August 2010. Neben der CO2-Bilanz enthält das Konzept einen Maßnahmenkatalog, in dem über 80 Vorschläge aus den verschiedensten Bereichen aufgeführt werden.

Auch in der Politik ist das Thema längst angekommen. Alle Dächer von künftigen Neubauten der Stadt sollen mit Solarmodulen oder Sonnenkollektoren versehen werden. So hätte es gern die Ratsgruppe SPD/Linke Um den Stadtwald zu retten, wollen Sozialdemokraten und Linke beim Forstamt eine zusätzliche Stelle für einen Forstwirt schaffen. Überdies sollen nun alle Dächer von künftigen – und von bereits in Planung befindlichen – Neubauten der Stadt mit Photovoltaik-Modulen beziehungsweise Solarkollektoren ausgestattet werden. Auch die städtischen Tochterunternehmen wie die Stadtwerke, die Hamelner Wohnungsbau GmbH (HWG) und Gesellschaft für Sozialen Wohnungsbau und Projektentwicklung mbH (GSW) sollen über einen Gesellschafterbeschluss angewiesen werden, bei Neubauten und den in Planung befindlichen Objekten entsprechend zu verfahren „Im Zeichen des Klimawandels muss jedwede Maßnahme genutzt werden, um Energie einzusparen“, begründen Wilfried Binder, Fraktionschef der SPD, und Gerd Siepmann, Fraktionsvorsitzender der Linken, ihren gemeinsamen Antrag.

Im Gegenzug zur energetischen Nutzung der Dachflächen, heißt es weiter, könne auf Heizungssysteme mit fossilen Brennstoffen verzichtet werden, was wiederum eine Reduzierung des CO2-Ausstoßes zur Folge hätte. „Zudem reduzieren sich nachhaltig die Betriebs- und Verbrauchskosten“, schreiben die beiden Fraktionschefs.

Zunächst solle die Stadtverwaltung jedoch einen Kostenvergleich mit der ursprünglichen Planung zur Abstimmung vorlegen. Und im Einzelfall sei zu prüfen, ob Solarmodule beziehungsweise Sonnenkollektoren „als rentierliche Investitionen angeschafft werden oder ob mittels Kooperationsverträgen mit den Stadtwerken Hameln und/oder Dritten geeignete Finanzierungsmodelle gefunden werden“ könnten.

Die Ratsgruppe sehe diesen Antrag als Ergänzung des energetischen Programms der Stadt Hameln ergänzen.

Darüber hinaus will die Ratsgruppe SPD/Linke sämtliche Flutlichtanlagen auf den Sportplätzen der Stadt auf LED-Beleuchtung umrüsten. „Eine mögliche Umstellung der Flutlichtanlagen auf LED-Beleuchtung trägt zur Einsparung von Energie bei und hilft damit die Emission von CO2 zu reduzieren“, schreiben Wilfried Binder und Gerd Siepmann. „Zusätzlich werden auf Sicht erhebliche Kosten eingespart, womit der städtische Haushalt entlastet würde.“

Die Maßnahme sei bereits im Klimaschutzprogramm der Stadt verankert. Nach der Ermittlung der zu erwartenden Energieeinsparung, der Kosten und Fördermöglichkeiten solle sie nun „zügig umgesetzt werden“.

Und auch die Verbraucher selbst können viel Gutes für das Klima tun – beispielsweise mit der Heizungsanlage und dabei sogar Geld sparen. Mit der Kampagne „Heizungsvisite“ bietet die Klimaschutzagentur Weserbergland gemeinsam mit den Kooperationspartnern der Klimaschutz- und Energieagentur Niedersachsen und der Verbraucherzentrale Niedersachsen Hauseigentümern von Wohngebäuden in den Landkreisen Hameln-Pyrmont und Holzminden bis zum 29. November eine kostenfreie neutrale Beratung rund um die Heizung an. Es wird geklärt, ob sich die alte Heizungsanlage optimieren lässt oder ob der Einsatz einer neuen Anlage die bessere Alternative ist. Um hier auch an die Umwelt zu denken, wäre beispielsweise die Installation von umweltschonenden Heizungssystemen auf Basis nachwachsender Rohstoffe wie etwa Pellet- oder Hackschnitzelöfen denkbar. Oder es besteht vielleicht die Möglichkeit, Solarkollektoren zur Warmwasserbereitung und Raumheizung zu integrieren. Bei dem etwa 90-minütigen Termin inspiziert ein Experte nicht nur die Heizungsanlage – das gesamte Haus kommt auf den Prüfstand und auch die Optionen einer staatlichen Förderung werden bei dem Treffen berücksichtigt.

Die Beratung ist für Ratsuchende kostenfrei. Interessierte können sich noch bis zum 29. November über das Service-Telefon bei der Klimaschutzagentur Weserbergland unter (05151) 95788-77 oder per E-Mail unter info@klimaschutzagentur.org anmelden.