Nie wieder dieses Grauen

Weserbergland / Bad Pyrmont (ey). Es werden immer weniger, die von den Leiden des Kriegs berichten können. Womöglich kommt den Gedenkfeiern zum Volkstrauertag deshalb in Zukunft eine noch viel größere Bedeutung zu, eine Bedeutung, die viele vollkommen verkennen. Von Verherrlichung statt Erinnern ist die Rede – ein Vorwurf, den vor allem die Deutsch-Französische Gesellschaft Hameln (DFG) absolut nicht nachvollziehen kann. „Es geht darum, durch das kommunikative Gedächtnis ein kollektives Erinnern zu bewahren, weil es kaum noch Zeitzeugen gibt, die von der Grausamkeit des Krieges berichten können“, sagen Monique Schulz und Uwe-Michael Fanio.

Das ist der Grund, weshalb die zweite Vorsitzende der DFG an der größten Gedenkfeier zum Volkstrauertag an diesem Sonntag in Bad Pyrmont ihren Beitrag leistet; die Gedenkfeier beginnt um 12 Uhr am Ehrenmal in der Schlossstraße. „Ich werde einen Brief eines damals 17-jährigen französischen Soldaten vorlesen. Sein Name ist Henri Ferlet. Er schrieb am Morgen vor seiner Hinrichtung an seine Eltern: ‚Wenn meine Handschrift zitterig ist, dann liegt das daran, dass ich einen kleinen Bleistift habe. Papa, ich bitte Dich: bete, dass wenn ich sterbe, es zu meinem Wohl ist. Es ist schwer, zu sterben.‘“

Eine Mahnung gegen den Krieg. Ein neues Denken. Ein neues, und zwar europäisches, Miteinander. – Das sind die erklärten Ziele der DFG. Und es sei, wie in den vergangenen Wochen geschehen, unbegreiflich, dass es so viele Menschen gibt, die das gemeinsame Erinnern an einem Kriegerdenkmal für Verherrlichung und überflüssig halten. „Es ist genau das Gegenteil! Es ist eine Mahnung, für den Frieden einzutreten. Und wo, wenn nicht an diesen Denkmälern, sollte dieses Volkstrauern, dieses Erinnern denn sonst stattfinden?“, fragt Fanio, der sich als Lehrer des Schiller-Gymnasiums jahrelang auch bemüht hatte, mit Jugendlichen vor Ort nachzuvollziehen, wie grausam ein Krieg ist. In Arromanches-les-Bains sei man gewesen, an der normannischen Küste, wo die Befreiung durch die Alliierten im Zweiten Weltkrieg begann. Auch rund um Verdun sei man gewesen. Egal wo: Immer seien die Schüler sehr beeindruckt. „Wir müssen eine neue Kultur des Erinnerns kreieren. Nichts abtun, sondern die Lage ernst nehmen. Nur wenn wir die Schrecken der Vergangenheit in Erinnerung bewahren, können wir in Zukunft Konflikte und Kriege verhindern.“ Und Monique Schulz ergänzt: „Wir müssen immer wieder daran erinnern, was damals geschehen ist. Die Menschen wollen keinen Krieg.“

Genau dazu will die DFG ihren Beitrag bei der Gedenkfeier in Bad Pyrmont leisten. Unter der Organisation von Helmut Eichmann, hiesiger Vorsitzender des Volksbundes Deutsche Kriegsgräberfürsorge, hat sich diese Veranstaltung zu der größten ihrer Art im Weserbergland entwickelt. Sie findet mit internationaler Beteiligung statt „und vermittelt im Gedenken an die vielen Kriegstoten der Vergangenheit und Gegenwart länderübergreifend Friedensbotschaften“, so Eichmann.

Neben der DFG nehmen auch eine britische Vertreterin, eine Vertreterin der jüdischen Gemeinde und russische Gäste aus Chimki bei Moskau an der Gedenkfeier teil.