Schon wieder nicht geschlafen

Von Jens F. Meyer

Weserbergland. Mancher Wolf mag’s ja zum Heulen finden, nur sind Wölfe noch nie im Weserbergland gesichtet worden. Werwölfe schon mal gar nicht. Jedenfalls: Vollmondnächte sind verdammt mystisch. Die erste des Jahres 2020 steht heute an. Und nicht nur mancher Jäger im Walde wird schlaflose Stunden haben…

Bei Vollmond leuchtet die Sonne die gesamte der Erde zugewandte Mondhälfte aus, der Mond erscheint als runde, helle Scheibe am Nachthimmel. Er geht bei Sonnenuntergang auf und bei Sonnenaufgang unter und überstrahlt nachts die meisten Sterne.

Was der Vollmond mit uns macht, ist mehr als erstaunlich. Stephanie Heineking-Kutschera ist total überrascht: „In Vollmondnächten passieren ein Drittel mehr Verkehrsunfälle!“, sagt die Pressesprecherin der Polizeiinspektion Hameln-Pyrmont/Holzminden. Eine fleißige Kollegin hätte sich aufgrund der HALLO-Anfrage die Mühe gemacht, das zu verifizieren. „Sie hat alle zwölf Vollmondnächte 2019 aus der Unfallstatistik herausgesucht und verglichen.“ Siehe da: In Vollmondnächten gibt‘s mehr Crashs als in vollmondlosen. Irgendwie unheimlich.

Und im Wald ist‘s noch unheimlicher. „Bei Vollmond zu jagen, zum Beispiel Wildschweine, ist sehr gut. Die Sicht ist besser, die Größenverhältnisse der Tiere besser erkennbar. Bisweilen reicht das Mondlicht aus, um Tiere aus relativ weiter Entfernung erkennen zu können“, sagt Jürgen Ziegler, Kreisjägermeister in Hameln-Pyrmont. „Vollmond hat seine Reize nachts im Wald; die Stimmung ist geheimnisvoll und schön.“

Geplagten, deren Schlaf unter den hellen Nächten leidet, muss allerdings keiner mit mystischer Epik kommen. Schon bei zunehmendem Mond kommen sie nicht recht zur Ruhe. Wissenschaftlich gibt es zwar sehr unterschiedliche Erklärungsansätze, die auch Apothekerin Ulrike Berz nicht bewerten will. Fakt sei aber, „dass es Menschen gibt, die zu uns kommen, um ein probates Mittel zu finden, das sie schlafen lässt“. Manchen helfen Bachblüten, andere setzten auf Schlaftabletten. „Ganz entscheidend ist, sich beraten zu lassen, um nicht zu viele oder falsche Medikamente zu verwenden“, sagt die Geschäftsführerin der Raths-Apotheke Hameln.

Der Mond macht die Gezeiten

– Kraft und Einfluss hat er also

Bei allen Vorurteilen und Zweifeln sollte zumindest eines nicht vergessen werden: dass der Mond die Gezeiten bestimmt. Ebbe und Flut. Will heißen: Er hat großen Einfluss aufs Wasser. Halten wir uns vor Augen, dass der menschliche Körper zu etwa 60 bis 65 Prozent aus Wasser besteht, ist es zumindest nicht ausgeschlossen, dass verschiedene Mondphasen auch unterschiedlich großen Einfluss auf uns haben.

Und auf Pflanzen sowieso: Isabelle Vanoli aus Tündern schwört darauf, nach dem Mondkalender zu gärtnern. Optionen gibt es viele, weil es viele Mondkalender gibt, „aber als sehr wirkungsvoll hat sich das Gärtnern nach Maria Thun erwiesen“, sagt Frau Vanoli, für die das keine spinnerte Idee ist. Und in der Tat: Viele weitere Gartenbesitzer im Weserbergland und darüber hinaus schwören ebenso auf diese Art, Blumen zum Blühen und Gemüse zum Fruchten zu bringen. Mit dem Mondkalender von Maria Thun, einer Landwirtin und Autorin, die nach astrologischen Vorgaben gärtnerte, hat Isabelle Vanoli gute Erfahrungen gemacht. „Ich habe zum Beispiel im vergangenen Jahr Samen aus England mitgebracht und sie gesät an Tagen, an denen der Mondkalender es verboten hätte. Es ist auch nichts daraus geworden“, sagt sie.

Dann harren wir der Vollmonde, die da in diesem Jahr noch kommen werden:

Sonntag, 9. Februar (Höhepunkt 8.33 Uhr)

Montag, 9. März (19.48 Uhr)

Mittwoch, 8. April, (4.35 Uhr)

Donnerstag, 7. Mai (12.45 Uhr)

Freitag, 5. Juni, (21.12 Uhr)

Sonntag, 5. Juli (6.44 Uhr)

Montag, 3. August (17.59 Uhr)

Mittwoch, 2. September (7.22 Uhr)

Donnerstag, 1. Oktober (23.05 Uhr)

Samstag, 31. Oktober (15.49 Uhr)

Montag, 30. November (10.30 Uhr)

Mittwoch, 30. Dezember (4.28 Uhr)