Bad Pyrmont. Die Corona-Pandemie hat auch den Hospiz-Verein Bad Pyrmont in den vergangenen zweieinhalb Jahren vor große Herausforderungen gestellt. „Von einem auf den anderen Tag durften unsere Ehrenamtlichen keine Sterbenden mehr begleiten – nicht zu Hause, nicht in den Senioreneinrichtungen, nicht im Krankenhaus und nicht im Hospiz. Das waren unerträgliche Wochen, denn wir konnten unsere primäre Aufgabe nicht mehr ausführen“, bilanzierte die Vorsitzende, Nicole Lödige, im Rahmen der jüngsten Mitgliederversammlung.

„Doch unsere Koordinatorinnen behielten telefonisch den Kontakt zu den Ehrenamtlichen, suchten den Kontakt zu den betroffenen Familien und Einrichtungen. Und erstmals wurden Begleitungen am Telefon durchgeführt.“ Trauerbegleitungen fanden beim Spaziergang statt, neue Formen der Trauer- und Sterbebegleitung wurden entwickelt.

Auch die Zahl der Ehrenamtlichen sei in dieser Zeit rapide geschrumpft, viele hatten Angst am Virus zu erkranken, wollten sich oder Angehörige schützen. Erst mit der Zeit, den Impfungen, Testungen und Erfahrungen stieg die Zahl der so wichtigen, einsatzbereiten Ehrenamtlichen wieder an. „Doch leider haben wir einige auch nicht mehr aktivieren können. Und für uns ist es ein großes Thema geworden, neue ehrenamtliche Sterbebegleiter zu suchen und zu finden. Wir müssen leider feststellen, dass dies immer schwieriger wird“, so die Vorsitzende.

Ein Weg dazu war, dass der Pyrmonter Hospiz-Verein nun auch auf Facebook und Instagram zu finden ist, kleine Filme über die Kinderhospizarbeit und Kindertrauerarbeit hat erarbeiten lassen und in Kürze mit einer neuen Homepage an den Start geht. „Unsere Ehrenamtlichen sind unser Fundament, denn ohne unsere Begleiter können wir unsere Arbeit nicht machen – ihr Engagement, ihr unermüdlicher Einsatz vor Ort ist das, was zählt“, so Nicole Lödige.

Die Vorsitzende erinnerte noch einmal an den Tod der langjährigen Vorsitzenden Annette Kleine-Gödde im Oktober 2020, die seit der Gründung 1994 dem Vorstand angehörte, davon allein 21 Jahre an der Spitze. Lödige informierte die Mitglieder über die Kooperation mit dem Agaplesion Ev. Bathildiskrankenhaus, das wöchentlich besucht wird, und verstärkt Begleitungen übernommen werden. Seit mehr als 15 Jahren kooperiert der Pyrmonter Hospiz-Verein mit dem Kinderhospiz Löwenherz in Syke und übernimmt seit dieser Zeit die Kinderhospizarbeit im gesamten Landkreis Hameln-Pyrmont.

Das Stationäre Hospiz, bei dem der Pyrmonter Verein Mitgesellschafter ist, befindet sich gerade in der Modernisierungs- und Umbauphase im Friedensthal, sodass die Gäste noch einige Wochen im Agaplesion Haus Bethanien an die Robert-Koch-Straße betreut und begleitet werden – auch von Ehrenamtlichen des Hospiz-Vereins.

Im Rückblick der vergangenen drei Jahre – aufgrund von Corona hatte keine Mitgliederversammlung stattgefunden – stellte die Vorsitzende auch eine Reihe von Zahlen vor. So wurden 2019 insgesamt 93 Menschen in ihrer letzten Lebensphase begleitet (davon 79 förderfähig), 2020 waren es insgesamt 109 Menschen (92 förderfähig) und 2021 insgesamt 117 Menschen (99 förderfähig). Die Ehrenamtlichen besuchten die Menschen im häuslichen Bereich, im Krankenhaus oder in den Senioreneinrichtungen.

Weitere Angebote wieder am Start

Begleitet wurden in der Corona-Zeit auch die betroffenen Mädchen und Jungen im Kinderhospizbereich. Und die erst seit zwei Jahren bestehende Kindertrauergruppe hat immer Wege gefunden, die Jüngsten in der gesamten Zeit zu betreuen. Trauerbegleitungen für Erwachsene haben ebenso weiter stattgefunden. Mit Unterbrechungen, jetzt aber voll am Start, sind die Angebote Hospizfrühstück, Trauer-Café und die Gruppe „Verwaiste Eltern“. Saskia Tebs, seit 1. Januar neue Koordinatorin beim Pyrmonter Hospiz-Verein, stellte das neue Angebot der „Letzten Hilfe“ vor. Gemeinsam mit Koordinatorin Regina Stelter bieten sie dieses Angebot in Senioreneinrichtungen, Schulen, Unternehmen, Gruppen und Einrichtungen an. „Letzte-Hilfe-Kurse richten sich an die Bevölkerung. Das Ziel ist, Tod und Sterben wieder in die Gesellschaft zu bringen, um Menschen dabei zu unterstützen und zu befähigen, Angehörigen und nahestehenden Menschen in deren letzter Lebensphase beizustehen. Ängste und Unsicherheiten sollen abgebaut werden. Netzwerke zur Hilfestellung werden vorgestellt. Und „Letzte Hilfe Kids und Teens“ soll bei Kindern und Jugendlichen zwischen acht und 16 Jahren das Thema Tod und Sterben zugänglich machen und Ängste nehmen“, so Saskia Tebs.

Gert Klaus, Finanzverantwortlicher des Hospiz-Vereins, stellte die Geschäftsjahre 2019 bis 2021 vor und gab Informationen über die Mittelverwendung. Ihm wie auch dem gesamten Vorstand wurde Entlastung erteilt.

Bei den Vorstandswahlen wurden wiedergewählt: Nicole Lödige (1. Vorsitzende), Makrina Kröger (2. Vorsitzende und Schriftführerin) sowie Gert Klaus (Finanzverantwortlicher/Kassenwart). Museumsleiterin Melanie Mehring wurde einstimmig zur neuen Beisitzerin gewählt, nachdem Ilona Mack zum Jahresende ausgeschieden war. Zum Ende der Sitzung wurde noch über die Änderung/Neufassung der Satzung beraten. Der Text wird noch an einer Stelle modifiziert, die Satzung wurde aber einstimmig beschlossen.

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