Weserbergland (ey/red). Achtung, Engpass: Am kommenden Mittwoch, 14. Juni, werden viele Apotheken geschlossen bleiben. Der bundesweite Protesttag richtet sich gesundheitspolitische Entscheidungen der Bundesregierung. „Für unseren Berufsstand steht fest: Die Bundesregierung hat diesen Protesttag provoziert“, erklärt die Präsidentin der Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände, Gabriele Regina Overwiening.

Hameln-Pyrmont / Lippe (ey / red). Heimische Apothekerinnen und Apotheker machen im Vorfeld dringend darauf aufmerksam, dass Kunden und Patienten notwendige Arzneimittel nicht erst am Dienstag zu ordern versuchen. „Es empfiehlt sich zwar grundsätzlich, nicht auf den letzten Drücker zu kommen – jetzt aber besonders“, rät zum Beispiel auch Birgit Köpps-Padberg, Inhaberin der Allee-Apotheke an der Deisterallee in Hameln. Grund sei dafür im Übrigen nicht allein die notwendige Protestaktion der Apotheken, sondern vor allem auch die generell angespannte Lage in der Arzneimittelversorgung. Es gebe „querbeet“ teils riesige Probleme. „Wir haben zurzeit 317 Positionen in der Defektliste – 317 Positionen, auf die wir warten. Beziehungsweise die Kunden und Patienten, die wirklich verzweifelt sind“, sagt Birgit Köpps-Padberg. Unterschiedliche Antibiotika, Beta-Blocker, Gichtmittel, Hustensaft … – es sei unerträglich, dass man in Deutschland in eine solche Situation geraten sei.

Und jetzt: Protest!

Und jetzt: Protest! Die Arzneimittelversorgung bleibe am kommenden Mittwoch zwar aufrechterhalten – allerdings nur über die Notdienstapotheken. „Lieferengpässe, Personalnot und eine seit Jahren bestehende Unterfinanzierung. Weil die Bundesregierung in ihren Gesetzesvorhaben immer wieder die Probleme der öffentlichen Apotheken übergeht, destabilisiert sie die Arzneimittelversorgung in Deutschland. Seit Monaten weisen wir in persönlichen Gesprächen, Interviews und PR-Kampagnen auf die brisante Lage hin. Die Apothekenteams retten jeden Tag Leben, indem sie alternative Präparate für nicht verfügbare Arzneimittel beschaffen. Anstatt die flächendeckende Versorgung mit Arzneimitteln über die Apotheken vor Ort zu stabilisieren, wird sie geschwächt. Jeden Tag müssen Apotheken schließen. Hochschulabsolventinnen und -absolventen unseres Faches können sich immer seltener den Gang in die Selbstständigkeit vorstellen, vor allem, weil die wirtschaftliche Perspektive fehlt. Darauf müssen wir aufmerksam machen“, sagt ABDA-Präsidentin Overwiening. Bereits der „Tag der Apotheke“ habe am vergangenen Mittwoch das Thema aufgegriffen, über den anstehenden Protest informiert.

Dr. Hans-Peter Hubmann, Vorsitzender des Deutschen Apothekerverbandes (DAV), fügt hinzu: „Trotz steigender Kosten und der Inflationsentwicklung haben die Apotheken in den vergangenen zehn Jahren keine Honoraranpassung erhalten. So kann es nicht weitergehen. Wir müssen die Bevölkerung und die Politik dringend auf unsere schwierige Lage hinweisen. Wir müssen der Gesellschaft zeigen, wie groß die Bedeutung der Apotheken für die Versorgung ist und wie dramatisch es wäre, wenn noch mehr Apotheken als verlässliche, soziale Anlaufstellen vor Ort für immer verschwinden würden.“