Hameln-Pyrmont (mes). Hunde anleinen und Sägen still stellen – seit einem Monat herrscht Brut- und Setzzeit. Während dieser Zeit, die bis in den Sommer hinein andauert, kommen beinahe alle Jungen im Tierreich zur Welt und die Vögel brüten. Was für uns Menschen bedeutet, Hecken nicht zu schneiden und Hunde an der Leine zu führen. Die Sensibilität ist nicht bei allen vorhanden.

Ricken lassen ihre Jungen versteckt im Feld liegen, um sie später zu säugen. Wildschweinbachen führen ihre kleinen gestreiften Frischlinge und sind zu dieser Zeit sehr aggressiv, um ihre Jungen zu beschützen. Küken, die langsam flügge werden, verlassen ihre Nester und unternehmen erste Flugversuche.

Die Jungtiere sind in dieser Zeit nicht kräftig und schnell genug, um vor Gefahren zu fliehen. Manche Jungtiere, wie das Rehkitz, besitzen in den ersten Lebenswochen nicht einmal einen Fluchtreflex. „Aus diesem Grund ist es wichtig, Rücksicht zu nehmen“, betont auch Thorsten Bund, 1. Vorsitzender der Jägerschaft Hameln-Pyrmont. Freilaufende Hunde seien eine erhebliche Gefahr für Jungtiere. Diese hätten keine Chance, vor den Vierbeinern zu fliehen. Auch sonst harmlose Familienhunde könnten die hilflosen Jungen tödlich verletzen. „Oder es reicht auch schon, wenn sie sie beschnüffeln“, ergänz Bund. Unter Umständen würde das Kitz den Geruch von Hund oder Halter annehmen und seine Mutter es daraufhin nicht mehr annehmen. Daher gilt seit dem 1. April bis zum 15. Juli auch im Landkreis Hameln-Pyrmont Leinenzwang.

Die Anleinpflicht gilt im Wald, auf Feldwegen und Wiesen, an Gewässern und gefällt nicht jedem Hundehalter. „Einzelfälle gibt es immer; die meisten Betroffenen agieren aber nicht boshaft, sondern meist aus Gedankenlosigkeit“, sagt Thomas Wahmes. Der Pressesprecher der Stadt Hameln fügt hinzu: „Die Sensibilität ist nicht bei allen vorhanden.“ Daher sei es notwendig, immer wieder an die Anleinpflicht zu erinnern. Das Bedürfnis, den eigenen Hund frei laufen zu lassen, kollidiere mit den geltenden Bestimmungen. Nichtsdestotrotz müsse man die Einschränkungen in Kauf nehmen. „Es ist verständlich, dass sich Halter über die Leinenpflicht ärgern“, meint Thorsten Bund. „Wir als Jäger verstehen, dass Hunde ihren Auslauf brauchen. Aber wer einen Hund hält, der kann ja vielleicht auch mitlaufen“, schmunzelt er.
Diese Bereitschaft ist nach Wahmes „nicht überall da“. Wer die Anleinpflicht missachtet, riskiere ein Bußgeld. „Wenn ein Wildtier bereits gerissen ist, macht es das natürlich nicht wieder gut“, meint er. Daher sein Appell: „Hunde an die Leine!“

Derzeit setzt die Jägerschaft Hameln-Pyrmont sogar Drohnen ein, um abgelegte („gesetzte“) Kitze in den Äckern aufzuspüren und vor dem drohenden Mäh-Tod zu bewahren. „Die Ehrenamtlichen suchen frühmorgens mit Wärmebildkameras nach den Tieren.“ In Hameln-Pyrmont gibt es zehn Piloten und zwei Drohnen sowie eine Beauftragte, die die Einsätze koordiniert.

Und nicht nur Vierbeiner, auch der Mensch sollte während der Brut- und Setzzeit aufmerksam und sensibel sein. Wanderer, Spaziergänger und Reiter sollten unbedingt auf den Wegen bleiben, sagt Bund. Auch gut versteckte Nester seltener Vögel, wie das der Feldlerche, können leicht übersehen und zertrampelt werden. Werden Vögel zu häufig bei der Brut gestört, geben sie ihre Gelege manchmal ganz auf und verlassen sie.

Bis 30. September ist auch Heckenschnitt verboten

Bis zum 30. September ist es aufgrund brütender Vögel auch verboten, Hecken, Gebüsche und andere Gehölze zu schneiden. Einzig schonende Form- und Pflegeschnitte zur Beseitigung des Zuwachses der Pflanzen oder zur Gesunderhaltung von Bäumen sind erlaubt. Im Wald herrscht zu dieser Zeit ebenfalls Einschlagstopp. Ausnahmen bilden die Erntemaßnahmen zum Waldschutz. Das Fällen von vom Borkenkäfer befallenen Fichten zur Verhinderung seiner Ausbreitung ist beispielsweise erlaubt.

Übrigens: Für Katzen gilt keine gesonderte Regelung für die Brut- und Setzzeit. Doch auch die Stubentiger haben erhebliche Auswirkungen auf die empfindliche Vogelwelt. Jährlich fallen Millionen von Vögeln und Kleinsäugern den Haustieren zum Opfer. Katzen zur Brut- und Setzzeit im Haus zu lassen, wäre daher sinnvoll. Zudem helfen Glöckchen oder ein buntes Stoffhalsband, den Jagderfolg zu mindern.