Weserbergland (ey). „Stinkt nicht, stimmt‘s?“, fragt Dr. Stefan Kotte in der Erwartung, dass man mit „ja, stimmt“ antwortet. Was in der Tat der Fall ist. Das Hydro Trike XL der niederländischen Firma Vervaet, eine Art stählernes Rüsseltier, versenkt als sogenannter Gülle-Selbstfahrer das braungelbe Gold so antikstinkwirksam unter der Erdkrume, dass kaum eine Nase von der Gülle Notiz nimmt, die gerade ausgebracht wird. In diesem Fall auf einem Acker zwischen Hameln und Gut Helpensen.

Stefan Kotte ist Geschäftsführer der Josef Kotte Landtechnik GmbH & Co. KG mit Sitz in Rieste (zwischen Osnabrück und Cloppenburg). Jetzt steht er hier auf dem Feldweg hinter den Gartenkolonien am Rennacker, schaut sich das Ungetüm an, das seine Arbeit wie geplant verrichtet – und das Klütviertel nimmt olfaktorisch keine Notiz davon. „Wir, die Firma Kotte Landtechnik, agieren als Vertriebspartner des niederländischen Herstellers mit dem Ziel, unser Produktportfolio in der Gülle- und Transporttechnik abzurunden“, sagt Kotte. Er hat ohnehin viel Lob übrig für die Nachbarn aus dem Tulpenland. „Die sind uns in der Agrartechnik 20 Jahre voraus; das war schon zur Jahrtausendwende so.“

Das Hydro Trike XL setze neue Maßstäbe in der Gülle-Ausbringung. Nackte Fakten: 19,5 Tonnen Leergewicht (die „kleine“ Version bringt 16 Tonnen auf die Waage), 530 PS, 20 Kubikmeter Behältervolumen, eine maximale Hubkraft von 4,5 Tonnen und – jetzt wird‘s ganz wild – ein 5 x 5 Allradantrieb. 5 x 5! Eine ungerade Zahl an Rädern ist äußerst selten – hier aber vorherrschend. Dadurch, dass die Front nur mit einem Reifen (allerdings ein Riesen-Oschi) ausgestattet ist, wird der stählerne Koloss sehr wendig.

Ausbringfahrzeug auf Acker und Grünland

„Aufgrund hoher Investitionskosten kommt das Hydro Trike XL im Allgemeinem überwiegend im Bereich von landwirtschaftlichen Dienstleistungen durch Lohnunternehmen zum Einsatz. Dabei dient es als reines sogenanntes Ausbringfahrzeug auf Acker und Grünland“, teilt Franziska Niemann, im Marketing des Unternehmens Kotte tätig, mit. Das bedeutet, dass dieser Gülle-Riese nicht zwischen der zu bearbeiteten Fläche und der Lagerstätte pendelt, um wieder befüllt zu werden, sondern am Feldrand durch sogenannte Zubringer versorgt wird. Daher der „Rüssel“, über den die Gülle vom Fass in das Trike gepumpt wird. „Diese ‚Güllekette‘ aus Ausbringfahrzeug und Transportfahrzeugen steigert die Effizienz der Ausbringung deutlich – insbesondere mit Blick auf steigende Transportentfernungen und die schmalen Zeitfenster der Ausbringung.“

Ein Vorteil des Hydro Trike XL ist, dass alle Achsen angetrieben werden können, wodurch die Bodenschonung erhöht wird. „Für erhöhte Bodenschonung sorgen zusätzlich große Reifengrößen und die ausfahrbare zweite Achse für komplett spurversetztes fahren“, so Stefan Kotte. Gülle lasse sich hiermit auch auf schwierigeren Bodenverhältnissen ausbringen. Das Hydro Trike XL sei zudem optimal auf den Einsatz von (schweren) Einarbeitungsgeräten ausgelegt. Daher erfahren Gülle-Selbstfahrer insbesondere vor dem Hintergrund der sich verschärfenden Bedingungen für die Einarbeitung von organischem Dünger eine steigende Nachfrage.

Es gibt nicht wenige Fußgänger, Wanderer, Walker und Radfahrer, die am Ackerrand stehen bleiben und sich diese Technik-Show minutenlang ansehen. „Das Interesse ist natürlich groß, denn so eine Maschine haben die meisten ja noch nicht gesehen“, sagt Stefan Kotte. Und macht währenddessen selbst fleißig Fotos mit dem Smartphone von der stählernen Antistinkbombe.