Großenwieden / Welsede (ey). Bisweilen etwas sperrig, nicht immer sofort zugänglich, vielleicht sogar ein wenig verschroben – es wäre ja auch sonst keine Kunst, diese „Kunst im Weg“, die in Großenwieden und Welsede übrigens nicht zum ersten und hoffentlich auch nicht zum letzten Mal zu sehen war. Das Orga-Team um Britta Samsen-Huch und Barbara Jahn-Deterding hatte monatelang geplant und mindestens ebenso lange gezittert, ob diese beliebte Veranstaltung trotz der anhaltenden Corona-Pandemie stattfinden durfte. Sie durfte!

Hunderte Menschen machten sich auf den Weg, die beiden Dörfer im Raum Hessisch Oldendorf anzusteuern.

Wie wahnsinnig mit Farben spielend, ja, gewissermaßen alles Farbige aus der Mitte ihres kreativen Prozesses auf die Leinwand bringend: Es sind vor allem die großformatigen Werke der Künstlerin Zoë MacTaggart aus Lauenau, die explosiv zu sprudeln scheinen in der großen Scheune des Hofs Julien Davin in Welsede. „Es ist toll, aber es ist auch eine große Herausforderung, diese riesigen Bilder zu transportieren.“

Zoë MacTaggart war dennoch froh, es getan zu haben. Ihr Werk „That Day Will Come“ – wie eine Wand aus vielen Ereignissen, gesammelt in einem großformatigen Oeuvre, inmitten dieser Gebrauchskulisse aus Scheune und Hof. Gegensätze ziehen sich an, heißt es. Trifft nicht immer zu, hier schon – wo sonst Spinnen Netze weben und Fliegen fliegen, jetzt Acryl auf Leinwand.

Darin liegt so viel Reiz; an allen 14 auserkorenen und von den Grundeigentümern zur Verfügung gestellten Gebäuden werden diese Gegensätze sichtbar, sind die Überraschungsmomente größer. Wie die Skulpturen von Marina Kledzik-Hoyer da so in der Scheune Schütte stehen, im schönen Weserdorf, ist bewegend. Es duftet noch nach Weizen und Gerste, aber man wähnt sich als Betrachter im Anderswo und ist doch mittendrin im ländlichen Backsteingebäude. Klaus Müller hat für seine teils wahrlich düsteren Zeichnungen einen göttlichen Ort erhalten: Die Kirche Großenwiedens, nicht weit von den irre lustigen Figuren von Marina Kledzik-Hoyer entfernt, die trotz ihrer Fröhlichkeit nicht an Tiefe vermissen lassen. Und auch bei Klaus Müller: Tiefe, Tiefe, wohin man schaut – und man schaut sogar auf kunstvoll bemalte Lkw-Plane.

So führte der Weg von einem Werk zum nächsten, von einem Ort zum nächsten, und bot ganz nebenbei ja auch den vielen Angereisten beste Unterhaltung, weil zwei Dörfer voller Kunst stecken, auch ganz ohne Künstler. Man muss nur ganz genau hinschauen.