Hameln (ey). Das Open-Air an der Weserpromenade vor einigen Wochen war ein Lebenszeichen des Doubletime Jazz & Kultur Clubs, womöglich sogar ein Befreiungsschlag nach vielen Monaten ohne Konzert. Und doch: „Die Zeiten sind schwierig. Viele Menschen wollen Kultur, haben aber auch Bedenken aufgrund steigender Inzidenzzahlen“, sagt Boris Faehndrich, Vorsitzender des Jazz-Clubs, der ohne seine 200 Mitglieder aufgrund der Auswirkungen der Corona-Pandemie vermutlich nicht mehr bestehen würde.

So aber: Ein Zusammenhalt, der vieles möglich macht – zumindest bis Ende November Konzerte, die Wohnzimmeratmosphäre versprechen, „weil die Bestimmungen uns auferlegen, dass nur 50 Prozent der Besucherkapazität ausgelastet werden darf – was de facto bei uns 50 Gästen entspricht“, so Boris Faehndrich. Selbst der halb volle Saal am Ostertorwall würde aber bedeuten, „dass wir lebensfähig bleiben, um im nächsten Jahr nach der Winterpause ab März wieder richtig durchstarten zu können“. Tickets gibt es für verschiedene Konzerte im Vorverkauf unter reservierung@doubletime-club.de und zudem an der Abendkasse. Mancher hochklassige musikalische Gast gebe aufgrund der verringerten Zuschauerzahl gleich zwei Gigs.

Die Kultur steht unter
pandemischem Druck

Es ist kein Geheimnis, dass die Kultur in all ihren Facetten mächtig unter pandemischem Druck steht. Noch immer. Das Problem: „Bis August wussten Veranstalter nicht, was sie dürfen. Es gab eine Riesenunsicherheit, die sich nicht nur auf das Programm niederschlug, sondern auch auf die Motivation der Künstler“, sagt Boris Faehndrich. Künstler, die allzu oft zu Überlebens-Künstlern geworden sind.
In der Sumpfblume, dem Hamelner Kultur- und Kommunikationszentrum, wird man das genau so sehen. Unter Auflagen und mit beschränkter Kapazität ging es erst im September wieder los mit dem Programm. Es sieht bis Jahresende zwar viele unterschiedliche Veranstaltungen vor, muss sich aber dennoch den gegebenen Verhältnissen anpassen: „Für alle Veranstaltungen gilt die 3G-Regel! Der Einlass ist nur mit aktuellem negativem Covid19-Test, einer vollständigen Impfung oder dem Nachweis einer Genesung möglich“, heißt es seitens der Sumpfblume-Macher. Bis zum Platz müsse eine Mund-Nasen-Bedeckung getragen werden. Von allen Besuchern werden beim Einlass die Kontaktdaten erhoben. Es gelten die aktuellen Auflagen und Verordnungen zum Infektionsschutz.

Bedeutet nichts anderes als Hemmschwellen für viele, die gerne Kultur erleben möchten, aber lieber doch nicht hingehen, weil ihnen die Bedingungen nicht zusagen und ihnen die Pandemie weiter auf der Seele liegt. Boris Faehndrich vom Jazz-Club bringt es für alle Kulturschaffenden auf den Punkt: „Wir sind ausgebremst worden – von 180 voll in die Eisen!“ Die Frage, wer diese Pandemie überstehe, richte sich mittlerweile nicht mehr allein an Veranstalter, sondern drehe sich vor allem um die Künstler. „Es gibt Bands, die während der vergangenen anderthalb Jahre ihren Spirit verloren haben“, sagt Boris Faehndrich. Sie bröselten auseinander, widmeten sich anderen Projekten, weil Auftritte ja nicht möglich waren. Wer CD-Releases über Konzerte feiern wollte, hatte schlechte Karten: „Wenn die Künstler nicht rauskönnen, um ihre neue Platte vorzustellen, dann ist das Album tot – und Konzerte über die virtuellen Kanäle zu geben, bringt nichts.“

Das Theater Hameln, die Sumpfblume, auch das Staatsbad Pyrmont, sie alle haben ihren Fuß freilich in der Tür – und müssen doch weiterhin um jeden Besucher kämpfen, vor allem um die vielen verunsicherten in deren Reihen. Dabei würden erstens die Hygienekonzepte und Einlassregelungen große Sicherheit einer Nicht-Ansteckung mit dem Corona-Virus bieten. „Und außerdem“, so Boris Faehndrich, „kann ein Kulturabend gerade jetzt, wo die krisengeschüttelte Welt mit Kriegen, Umweltproblemen und vielem mehr zu tun hat, eine wirkliche Entspannung und ein Seelentröster sein.“