Mit der roten Leine durch das Weserbergland. Heute: Tündern, Hastenbeck, Afferde, Rohrsen, Hilligsfeld

Mit dem Format „Orts-Check“ rückt HALLO die Ortsteile im Landkreis Hameln-Pyrmont in den Mittelpunkt, die den Alltag vieler Menschen prägen. Wir fragen persönlich nach: Was macht diese Ortsteile eigentlich aus? Der Ortscheck will nicht bewerten, sondern entdecken, manchmal auch mit einem Augenzwinkern und immer ehrlich. Er lädt dazu ein, Bekanntes neu zu sehen und Selbstverständliches wertzuschätzen. Orts-Checkerin Inga Symann und Laika-Hündin Leyla sind erneut mit der roten Leine unterwegs. Diesmal nehmen sie die Ortschaften Afferde, Hilligsfeld, Rohrsen, Hastenbeck und Tündern unter die Lupe.

Manchmal liegt das Gute sehr nah. Manchmal liegt es an der B1. Und manchmal liegt es irgendwo da, wo Leyla kurz stehen bleibt, schnuppert und damit bestätigt: Hier lohnt sich ein zweiter Blick. Mit Leyla an der roten Leine geht es nach Afferde, Hilligsfeld, Rohrsen, Hastenbeck und Tündern. Ortschaften, die nah an Hameln liegen. Teilweise erkennt man nur anhand des Ortsschildes einen Wechsel zwischen Kleinstadt und Dorf. Fünf Orte, die schnell erreichbar und oftmals schnell durchfahren sind.

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Afferde: mehr als B1 und Weiße Riesen

In Afferde ist der Übergang aus Hameln kommend wenig sichtbar. Durch Gewerbegebiet und Häuserzeilen kann man das Ortsschild schnell übersehen. Es gibt Einkaufsmöglichkeiten, Schule, Sporthalle, Busverbindung und Apotheke. Und natürlich die weißen Riesen, die so selbstverständlich zur Ortskulisse gehören, als wären sie als Orientierungspunkte aufgestellt. Doch es gibt auch ein unauffälliges Afferde: klein, an vielen Stellen hübsch und heimelig. Hierzu gehört der ruhige alte Dorfkern an der Remte mit der kleinen St. Georg Kirche, die gerade aufwendig renoviert wird und eingerüstet ist. Die Maßnahmen zur Renaturierung der Remte 2024 wurden sogar beim niedersächsischen Gewässerwettbewerb begutachtet. Leyla findet Wasser grundsätzlich erst einmal verdächtig. Aber wenn ein Bach wieder mehr Bach sein darf, ist selbst sie bereit kurz anerkennend zu schnuppern. Gudrun Gäbel wohnt schon seit vielen Jahren gemeinsam mit ihrem Mann in Afferde und ist sehr zufrieden hier. Sie erzählt, dass Afferde selbst eigentlich aus vielen einzelnen kleinen Bereichen und neuen Baugebieten gewachsen ist. „Man sieht das auch an der unterschiedlichen Bebauung“, und ergänzt schmunzelnd, „auch an den Zaun- und Dachvorgaben.“ Sie selbst wohnt mit ihrem Mann in dem Teil, der in den 1920er-Jahren durch die Ansiedlung der Bahn entstanden ist. Sie schwärmt von den hervorragenden Möglichkeiten, mit dem Rad schnell in alle Richtungen zu kommen. „Um ins Grüne zu spazieren, muss man allerdings zunächst mal Pflaster treten“, nennt sie einen Nachteil des Ortes. Ist man allerdings dann unterwegs, hat man unter anderem mit der Obensburg, einer frühmittelalterlichen Wallanlage aus dem 11. Jahrhundert ein schönes Ziel im Wald. Positiv hebt Gudrun Gäbel noch das Engagement von den unterschiedlichsten Organisationen im Ort hervor: Sport, Kirche, Remtetreff und vieles mehr. Auch der Bürgerplatz an der Sporthalle ist ein schöner Gemeinschaftsplatz geworden. „Wir haben eine super Nachbarschaft. Da guckt sich niemand auf den Teller, aber wir passen aufeinander auf.“ Sie resümiert: „Nur für die jungen Leute müsste mehr gemacht werden.“

Hilligsfeld: leiser, grüner, mehr Dorfidylle

Hilligsfeld dagegen macht nicht viel Lärm um sich. Muss es auch nicht. Der Ort liegt angenehm aus dem direkten Durchfahrtsgefühl der B 217 und der B1 heraus, gleich neben der Bahnstrecke Richtung Hannover. Groß Hilligsfeld, Klein Hilligsfeld, Felder, Wege, Nähe zu Afferde, und Rohrsen – hier wird es spürbar ruhiger. Es gibt Höfe und Hofverkauf mit Hühnereiern, die offenbar so gut sind, dass sie privat sogar nach Dortmund exportiert werden. Es gibt ein reges Vereinsleben, den Radweg und viele Spazierwege, die für Leyla den Ausschlag geben.

Rohrsen: ruhig sitzen im Grünen

Seien wir ehrlich: Rohrsen ist keine klassische Schönheit … muss aber auch nicht sein. Der Ort liegt gleich oberhalb des BHWs, nur wenige Meter von Hameln, Afferde und Hilligsfeld entfernt an der B 217 und der Bahnstrecke nach Hannover. Aufgeteilt in die Bereiche Rohrsen und dem dazugehörigen Hottenbergsfeld, ist es etwas auseinandergezogen, hat aber trotzdem einiges zu bieten. Man kann im Grünen sitzen, ist schnell draußen, schnell in Hameln, schnell auf den Wegen Richtung Düth oder Heisenküche. Für Spaziergänge mit Hund ist das ziemlich gut. „Man geht nur ein paar Schritte und sofort kann man durchatmen“, schwärmt Malte Wittkopp, der mit seiner Familie bereits seit rund 20 Jahren hier am Ortsrand lebt. „Wir haben viel Ruhe, eine Grundschule, den Kindergarten und ein freundliches Miteinander ohne Dauer-Dorfbespaßung“, fasst er zusammen. Also genau die richtige Menge Nähe: „Man sagt sich Guten Morgen, aber niemand steht ungefragt mit Kartoffelsalat im Wohnzimmer“, schmunzelt er. Seine Frau Andrea hebt den lebendigen Adventskalender und die kleine jahrhundertealte Kapelle im Ort hervor. Im Gespräch sei wohl auch eine Verschönerung der Düth-Landschaft. Unbedingt bemerkenswert ist das Vereinsheim mit den vielen unterschiedlichen Veranstaltungen sowie dem Engagement, der Gemeinschaft und dem Vereinsleben.  Die funktionierende und beruhigende Gemeinschaft erwähnen die Wittkopps auch in Zusammenhang mit der erst kürzlich durchgeführten Bombenentschärfung auf dem BHW-Parkplatz. Was fehlt? Ein kleiner Nahversorger, bei dem man auch mal schnell Brötchen kaufen kann und vielleicht ein Café als Treffpunkt. Der Wunsch ist da und die Lage würde es hergeben.

Hastenbeck: Geschichte, Gegenwart und Fahrradstraße

Hastenbeck kann Geschichte. Bekannt ist der Ort unter anderem durch die Schlacht bei Hastenbeck 1757 und das Schloss Hastenbeck. Das klingt zunächst nach schwerer Kost. Vor Ort wirkt Hastenbeck aber viel alltäglicher: Sporthalle, Feuerwehr, Vereine, Betriebe, Wege, Felder.

Und dann ist da natürlich die Fahrradstraße zwischen Afferde und Hastenbeck. Lange diskutiert, 2025 eingerichtet, Autos sind weiterhin erlaubt, aber nur mit Tempo 30. Ein Thema, dem vermutlich sogar Leyla anmerkt, dass man lieber weitergehen sollte, wenn jemand „Berliner Kissen“ sagt. Es wurde ein Kompromiss gefunden: Die Kissen sind weg, die Erprobung der Fahrradstraße läuft weiter.

Tündern: Nahkauf, Windmühle, viele Familien

Tündern wirkt sofort lebendig. Viele Menschen sind hier an einen Samstagvormittag unterwegs oder fleißig in ihren Gärten am Schaffen. Es gibt eine Grundschule, Kindergarten, Vereine, Sport einen Nahversorger und einfach Alltag direkt vor der Tür. Besonders der Nahkauf ist hier aber mehr als ein Laden. Er ist Treffpunkt, Versorgung, Lottostelle, Bäcker, Regionallager und ein kleines Stück Dorfstolz. Ronja Tünnermann lebt schon seit ihrer Jugendzeit in Tündern, mittlerweile mit ihrer eigenen kleinen Familie zusammen. Den Nahkauf hier hebt sie explizit hervor: „Erst hieß es, der Laden soll schließen. Seit er aber weitergeführt wird, habe ich das Gefühl, dass alle im Dorf noch öfter hingehen, um einfach zu sagen: Wir brauchen dich.“ Auch die Windmühle ist ein Ortsmagnet. Direkt am Weser-Radweg ist sie Tünderns Wahrzeichen und blickt majestätisch und ruhig auf die Weser. Die fachgerechte Restauration wurde erst kürzlich mit einem großen Ortsfest gemeinschaftlich gefeiert.  Gemeinschaft bietet aber auch der Sportverein für verschiedene Altersgruppen und viel anderes ehrenamtliches Engagement. „Wer hier neu zuzieht findet schnell Anschluss, spätestens über Kinder, Schule, Sport oder den Gang zum Nahkauf“, berichtet Ronja Tünnermann. Ein Wunsch bleibt allerdings: mehr Verkehrsberuhigung. Gerade weil Tündern so familienfreundlich ist, fallen schnelle Autos und plötzlich endende Gehwege besonders auf.

Orts-Check kurz zusammengefasst:

Afferde kann Alltag, Anbindung und Nachbarschaft. Hilligsfeld bringt Ruhe, Landluft und tolle Hofprodukte. Rohrsen sitzt angenehm im Grünen. Hastenbeck hat Geschichte und Verkehrsgespräche. Tündern zeigt, wie wertvoll ein Nahversorger sein kann, wenn ein Dorf ihn nutzt. Und Leyla? Die hat überall etwas gefunden. Meist am Wegesrand oder im Gebüsch. Aber das ist ja auch eine Form von Ortskenntnis.