Mit der roten Leine durch das Emmerthal. Heute: Kirchohsen, Hagenohsen, Voremberg, Völkerhausen, Emmern, Ohr, Bessinghausen, Börry, Brockensen, Frenke, Hajen, Latferde.
Mit dem Format „Orts-Check“ rückt der HALLO die Ortsteile im Landkreis Hameln-Pyrmont stärker in den Mittelpunk – Orte, die den Alltag vieler Menschen prägen. Wir fragen persönlich nach: Was macht diese Ortsteile eigentlich aus? Der Ortscheck will nicht bewerten, sondern entdecken, manchmal auch mit einem Augenzwinkern und immer ehrlich.
Inga Symann und die Laika-Hündin Leyla gehen erneut auf Entdeckungstour. Leylas rote Leine dient gewissermaßen als roter Faden durch die Orte. Dabei geht es nicht nur um schöne Fotomotive oder bekannte Treffpunkte, sondern um zu zeigen, was hier wirklich los ist – oder auch nicht.
Diesmal führt die rote Leine durch die Gemeinde Emmerthal – und das ist wörtlich zu verstehen: Denn die zwölf Ortsteile, die in diesem Beitrag erkundet werden, liegen locker verteilt zwischen Weser und Hügel, zwischen Feldern und Wäldern, zwischen gemütlicher Stille und lebendigem Dorfleben … auf jeden Fall ist viel Natur im Spiel.
„Genau die Freiheit, die ich brauche“: Kirchohsen, Hagenohsen, Emmern – das lebendige Zentrum

Wer „Emmerthal“ sagt, denkt oft zuerst an Kirchohsen. Hier bündelt sich vieles, was man im Alltag so braucht: Schule, Kita, Unternehmen, Einkaufsmöglichkeiten, Restaurants, Rechtanwälte, Pflegedienst und der Marktplatz. Kirchohsen, Emmern und Hagenohsen liegen so nah beieinander, dass man beim Spazierengehen schnell merkt: Die Ortsteil-Schilder wechseln manchmal schneller als Leyla ihre Meinung zur spannendsten Duftspur. Alles nah, alles da – und viele Wege, die sich zu Fuß entdecken lassen. Für Neele Niemeyer, die in Kirchohsen aufgewachsen ist, macht genau diese Mischung den Ort besonders: „Mir gefällt vor allem die Landschaft mit Weser und Emmer und den umliegenden Wäldern. Es gibt schöne Laufstrecken, und trotzdem ist man ländlich und nah an der Stadt. Das Leben im Dorf ist persönlicher – man kennt viele Leute. Für mich ist Kirchohsen Heimat. Hier bin ich aufgewachsen und ich fühle mich sehr wohl.“ Auch praktisch sei vieles vor Ort erreichbar: „Im Ortskern hat man alles, was man braucht – Supermärkte, Apotheke, Schulen, Sportverein. Dazu kommen das Schwimmbad, eine gute Bus- und Bahnanbindung und die Lage direkt am Weserradweg.“ Und vielleicht liegt darin der besondere Charme von Emmerthal: Viele kleine Orte, die zusammen eine überraschend vielseitige Gemeinde ergeben.
„Man fühlt sich willkommen“: Ilsetal mit Börry, Latferde, Hajen, Frenke

Folgt man Leylas roter Leine Richtung Latferde, Hajen, Börry, und Frenke, öffnet sich eine Landschaft, die als Ilsetal beschrieben wird. Die Ilse – ein kleiner Bach – hat der Gegend ihren Namen gegeben. Wiesen, Felder und Waldstücke prägen das Bild.
In Börry liegt ein echtes Ausflugs-Ass: das Museum für Landtechnik und Landarbeit mit seinem kleinen Museumsdorf-Charakter. Alte Maschinen, historische Geräte und Traktoren erzählen dort vom Wandel der Landwirtschaft. Nicht nur für Kinder ein Erlebnis. Auch sonst hat Börry für ein Dorf dieser Größe erstaunlich viel zu bieten: Dorfladen, Hofladen, Museumscafé, Grundschule, Kindergarten, Sportverein und Sportanlagen. Frank und Simone Lehwald leben hier seit über 20 Jahren gemeinsam. Ursprünglich war das so nicht unbedingt geplant: „Ich wollte eigentlich nach Berlin oder Köln ziehen“, erzählt Frank Lehwald schmunzelnd. „Dann wurde aus Berlin plötzlich Börry – und aus geplanten zehn Jahren sind inzwischen über zwanzig geworden.“ Seine Frau Simone ist hier aufgewachsen und kennt den Ort seit ihrer Kindheit. Heute schätzen beide vor allem die Atmosphäre im Dorf. „Wenn man Ruhe möchte, bekommt man sie. Und wenn man Anschluss sucht, findet man ihn.“ Auch Simone beschreibt dieses Gefühl von unkomplizierter Nachbarschaft: „Man fühlt sich willkommen.“ Ein kleines Anliegen haben die beiden dennoch: Die Infrastruktur sei zwar vorhanden, aber gerade beim öffentlichen Nahverkehr noch ausbaufähig. Ideen wie Erweiterung von Rufbussen oder Carsharing könnten hier künftig eine Rolle spielen. Auch die Windkraft gehört inzwischen zum Landschaftsbild rund um Börry. Gleichzeitig wird im Dorf durchaus diskutiert, welche Auswirkungen neue Anlagen auf Landschaft, Anwohner und Infrastruktur haben. Frank Lehwald formuliert es pragmatisch: „Erneuerbare Energien finde ich grundsätzlich richtig und wichtig. Aber natürlich wäre es schön, wenn auch die Orte, die direkt daneben leben, ein Stück davon profitieren würden.“

Kulturell und sportlich ist in Börry immer wieder etwas los – vom Fußball bis zu eher ungewöhnlichen Angeboten wie Flag Football. Und wenn die Winde über die Felder ziehen, sieht man hier und da auch Drachen am Himmel oder Paragleiter über den Hügeln kreisen. Feste und Konzerte sorgen regelmäßig dafür, dass sich Menschen aus Börry und den umliegenden Orten treffen. „Börry rockt“ heißt es dann zum Beispiel. Und selbst wenn man nicht überall aktiv mitmacht, bleibt das Gefühl, Teil des Ganzen zu sein. „Man muss nicht ständig überall dabei sein“, ergänzt Simone Lehwald. „Aber man weiß, dass man willkommen ist.“
Frenke punktet mit seiner Heimatstube. Hier finden sich Sammlungen aus Land- und Hauswirtschaft, Handwerk und Alltagsgeschichten – kleine Dinge, die zeigen, wie das Leben früher aussah.
Weiter Richtung Weser trifft man in Hajen auf die Treidler-Figuren des Bildhauers Jan D. Ehlers am Weserradweg – ein beliebter Fotostopp für Radfaher. Latferde passt in dieser Runde als ruhiger, wesernaher Teil der Strecke – weniger Programm, mehr Landschaft. Und Leyla führt das genauso: nicht hetzen, lieber einmal mehr am Feldrand stehen bleiben.

Von hier aus führt der Blick – und mit etwas Kondition auch der Weg – hinauf zum Lernort Bückeberg. Das historische Gelände oberhalb der Weser wird heute als Bildungs- und Erinnerungsort genutzt und macht neben der schönen Landschaft auch ein wichtiges Kapitel deutscher Geschichte sichtbar. Gerade für Schulklassen und Exkursionen ist der Lernort ein bedeutender Anlaufpunkt in der Region.
Die leisen Zwischentöne
Für Völkerhausen, Bessinghausen, Brockensen und Voremberg gilt das, was sich beim Gehen ehrlich zeigt. Und das ist oft genug schon eine ganze Menge: kleinere Straßen, mehr Landschaft zwischen den Häusern und weniger Eile. Leyla entdeckt Orte, die den Alltag ausmachen: Feldwege, Kurven, hinter denen es nach Frühling riecht und Begegnungen, die vielleicht nur aus einem freundlichen Nicken bestehen.
Ohr – Landschaftsgarten mit Aussicht
Mit Ohr kommt ein echtes Kleinod ins Spiel: Der Gutshof mit Gärtnerei, Bioladen und Rhododendren ist wunderschön und legendär. Und auch der Ohrbergpark oberhalb des Ortes wurde von den Menschen hier ins Leben gerufen. Es handelt sich um einen Landschaftsgarten im englischen Stil, frei zugänglich und bekannt für Azaleen und Rhododendren. Wer hier unterwegs ist, bekommt neben farbenprächtigen Pflanzen auch einen weiten Blick ins Wesertal geschenkt. Mittlerweile ist hier auch ein Ruhewald mit Grabplätzen entstanden. Ein wunderschöner Ort zum Spazieren, Gedenken, Durchatmen – und für Leyla gilt hier natürlich die Leinenpflicht.

Orts-Check: kurz zusammengefasst
Emmerthal zeigt sich auf dieser Runde erstaunlich vielseitig. Kirchohsen, Emmern und Hagenohsen stehen für Alltag, Infrastruktur und Bewegung. Die Ilsetal-Orte Börry, Latferde, Hajen und Frenke verbinden Landschaft mit Geschichten und Dorfleben. Völkerhausen, Bessinghausen, Brockensen und Voremberg bringen Ruhe und Weite ins Bild, während der Ohrbergpark einen besonders schönen Aussichtspunkt setzt.
Viele Orte, viele kleine Unterschiede – und doch ein gemeinsames Gefühl: In Emmerthal liegen Natur, Nachbarschaft und Alltag oft nur ein paar Schritte voneinander entfernt. Leyla hat jedenfalls ihr eigenes Fazit gezogen: Die rote Leine könnte hier noch eine ganze Weile weiterführen.