Hameln-Pyrmont. Am 12. Juni wird die S-Bahn Hannover von der Deutschen Bahn zur privaten Transdev gewechselt sein. Die DB muss dann ihre Fahrscheinschalter unter anderem in Hameln und Bad Pyrmont schließen. Was bedeutet das für die Bahnreisenden?

Als die französische Transdev-Group vor vier Jahren den Zuschlag für den Betrieb der S-Bahn in Hannover und dessen Umland erhielt, war unklar, ob die Neuen noch Ticketschalter wie in Hameln oder Bad Pyrmont betreiben werden. „Das wird individuell gestaltet“, lautete damals die Antwort des Eisenbahn-Verkehrsunternehmens. Beratungen zum DB-Fernverkehr oder zur Bahncard waren also infrage gestellt. Doch jetzt sorgt die hannoversche Regionsversammlung – das Pendant zu einem Kreistag – mit einem Beschluss zumindest in Hameln und Springe für Klarheit: „Die Region Hannover beteiligt sich an der Bestellung und Finanzierung von personalbedienten Verkaufsstellen im Netz der S-Bahn Hannover“, heißt es darin.

„Die personalbedienten Vertriebsstellen Hameln, Stadthagen, Bückeburg, Hildesheim, Springe, Barsinghausen und Burgdorf“ sollen „grundsätzlich erhalten bleiben“. Es wird betont: „In Hameln wird ein Verkauf im Bahnhofsgebäude präferiert.“ In Springe ist bisher eine Agentur außerhalb des Bahnhofsgeländes mit dem Vertrieb des Fahrscheinsortiments beauftragt: „Hier wird versucht, auch diesen Stand für die kommenden Jahre zu verwirklichen“, betont die Regionsverwaltung. Für Stadthagen und Bückeburg sind Mischlösungen aus videogestütztem Verkauf im Bahnhof und Vertrieb in einer nahen Verkaufsstelle vorgesehen. In Hildesheim – immerhin Fernzugstation – wird voraussichtlich Anfang 2023 die Mobilitätszentrale des Landkreises das DB-Reisezentrum ersetzen.
„Die personalbedienten Verkaufsstellen stellen trotz steigender Umsätze im Online-Vertrieb noch immer einen wichtigen Bestandteil des Vertriebs im ÖPNV dar“, stellt die Region fest. Deshalb werden die Aufgabenträger für diesen Service im kommenden Jahr 720 000 Euro aufwenden; zwei Drittel trägt die Hauptstadtregion, ein Viertel Niedersachsen, den Rest Nordrhein-Westfalen. Eine DB-Sprecherin bestätigt, für ihr Unternehmen sei die wirtschaftliche Grundlage etwa zum Betrieb des Reisezentrums in Hameln entfallen. Mehr noch: Der Deutschen Bahn sei es sogar untersagt, im Umkreis von 500 Metern um die Bahnhöfe Fahrkarten des Niedersachsentarifes oder des Großraumverkehrs Hannover zu verkaufen – weil die Transdev Hannover GmbH hier jetzt in der Pflicht sei. Bei dem neuen Unternehmen laufen die Gespräche mit den Aufgabenträgern – Region und Länder – „auf Hochtouren“, wie eine Transdev-Sprecherin auf Nachfrage sagt. Ergebnisse seien in „ein, zwei Wochen“ zu erwarten. Auch in Bad Pyrmont, so verspricht sie, werde es weiter Verkaufspersonal geben – unabhängig von der Nichterwähnung in dem Beschluss der Region Hannover.

In Hameln arbeiten die Teams von DB und Öffis, dem Busbetreiber, seit Langem gemeinsamen in einem Raum. Das möchten die Verkehrsgesellschaft Hameln-Pyrmont und ihr Vermieter, die Stadtwerke Hameln Weserbergland, gerne beibehalten, sagt eine VHP-Vertreterin.

Die Deutsche Bahn rollt im Personenverkehr künftig nur noch auf der Nebenroute Löhne–Hameln–Hildesheim durch das mittlere Weserbergland. Die DB erklärt, Fahrkarten des Fernverkehrs, des Niedersachsentarifs oder des Großraumverkehrs Hannover können auch künftig online über die Seite www.bahn.de oder über den „DB Navigator“ auf dem Smartphone erworben werden. Gegen die Vergabe des S-Bahn-Netzes an Transdev war das Staatsunternehmen sogar rechtlich vorgegangen.