In Dinant, Geburtsort Adolphe Sax’, dem Erfinder des Saxophons, das ich noch immer mit ph zu schreiben wage, wunderhübsches Städtchen an der Maas, die dort Meuse heißt, werden sich die Menschen an mich erinnern. Die Rue Grande war komplett gesperrt; Riesen-Flohmarkt, was man in Belgien Brocante nennt. Es funkelten Kristallgläser und Porzellan lüstern im Spätsommersonnenschein, es roch nach Historie und Sternenstaub, es duftete nach Fritten und Freisein. Während ich also darüber nachdachte, ein Ricard-Accessoire zu kaufen, erreichte mich der Klang der Achtziger mit „Jeopardy“, dem einzigen großen Hit der Greg Kihn Band, aus der Pforte einer Kneipe in maximaler Lautstärke als Extended Version herausgeschossen wie ’ne Salve Gaukeley’scher Bombastikbuffbomben – und ich begann auf offener Straße wie wild zu tanzen.
Discobeat, exzellent pulsierend, zwar geerdet, aber keinesfalls klebrig festgenagelt. Eher wie schwimmend verlegtes Parkett: alles miteinander verbunden, ohne starr zu sein. Der Synthesizer schmurgelt beständig vor sich hin, die Trommeln wirbeln ausgewogen, der Klang einer E-Gitarre zetert zur Mitte wie ein mies gelaunter Eichelhäher – während Greg Kihn mit seinem Gesang alle musikalischen Ingredienzen zu einer der hottesten Abhottungsnummern zusammenlötet, die vor ziemlich exakt vierzig Jahren in den Vereinten Staaten von Seltsamerika bis auf Platz zwei rauschte.
Ein alter, doofer Sportlehrer hatte mir mal erklärt, der zweite sei vor allem immer der erste Verlierer. Bullshit. Hätte ich jemals einen Nummer-Zwei-Hit in den Billboard Hot 100 platzieren können, wäre ich trotzdem on top. Greg Kihn ist es auch. Seine Rockpop-Band gibt‘s immer noch. Und „Jeopardy“ bis in alle Ewigkeit. The Beat goes on. Übrigens ganz ohne Adolphe Sax‘ Erfindung. Obschon das warme Gurgeln volles Rohr ins Gesamtpaket passen würde. Wie wär’s mit einem Remix, Greg?