Niemals werde ich vergessen, wo und wann ich diesen Song das erste Mal hörte. Ich befand mich mitten auf der Fußgängerbrücke, die Downtown Nashville mit dem Football-Stadion verbindet. Die John Seigenthaler Pedestrian Bridge führt über den Cumberland River, der durch „Music City“ fließt, und bietet ab der Hälfte einen unvergleichlichen Blick auf die Skyline. Deswegen hatte ich das Bauwerk aber nicht erklommen. Ich war auf dem Weg zum Stadion, es war mein erstes Mal beim Country Music Festival (CMAfest), wir schreiben das Jahr 2013.

Der Juni war ein schwül-heißer, jedenfalls jenseits des Ozeans in den Südstaaten. Die Sonne stand im Zenit, aber mich konnte nichts aufhalten. Zwar waren die Konzerte der Country-Größen erst für den Abend im Stadion der Tennessee Titans angesetzt (damals hieß es noch LP Field, später wechselte der Sponsor, sodass es bis heute Nissan Stadium genannt wird). Jedoch vernahmen meine Ohren Gitarren-, Trommel- und Bassklänge – und, geschult wie sie seit meinen Teenie-Jahren sind, wussten sie gleich, was Sache sein musste: Soundcheck!

Ich pirschte mich näher ran. War das nicht die Stimme von Taylor Swift? Ich fand eine super Perspektive, die mich zwischen den Streben der Brücke so ins Stadion lugen ließ, dass ich die riesen Bühne sehen konnte. Etwas Blondes lief auf ihr auf und ab. Ja, es war Taylor! Erfreut, aber nicht überrascht – immerhin war sie für den Abend als einer der auftretenden Acts angekündigt –, lauschte ich weiter. Gesellte sich da eine Männerstimme zu ihrer? Ja – und auch noch eine mir bekannte: Tim McGraw! Einer meiner Lieblings-Country-Sänger, der aber weder für jenen Abend noch für einen der weiteren drei angekündigt war! Es würde also eine Überraschung geben!

Springen wir jetzt in den Abend. Taylor Swift betrat gegen 21.30 Uhr die Bühne und sang ein paar Hits. Ich war gespannt – würde Tim McGraw noch erscheinen? Als sie ihren Chart-Stürmer mit dem Titel „Tim McGraw“ anstimmte, ahnte ich, was passieren würde. Sie unterbrach den Refrain nach den Worten „When I think Tim McGraw…“, die Musik verstummte, sie deutete zur Seite und kündigte ihn an: „Ladies and Gentlemen: Tim McGraw!“ Das Publikum im Stadion drehte durch – anders kann ich das nicht beschreiben.

An die 80 000 Menschen johlten, schrien und klatschten. Und dann stimmten sie den damals noch unbekannten Song an, den sie tagsüber geprobt hatten: „Highway don’t care“. (Habe ich mir jemals drei Absätze Zeit gelassen, bis ich den Titel erwähnte, um den es geht??) Ohhh, was liebte ich diese Nummer vom ersten Moment an! Tims tiefe, kraftvolle Stimme, die jeweils den ersten Teil der Strophen streichelt, und Taylors „Antwort“ darauf: „I can’t live without you, I can‘t live without you, baby!“

Das war aber noch nicht alles dieses sensationellen Coups. Denn als der Song in der Mitte in einen Instrumentalteil glitt, kam noch ein bekanntes Gesicht um die Ecke: Keith Urban! Kein anderer Country-Musiker beherrscht die E-Gitarre so wie der Mann von Nicole Kidman! Einzig Brad Paisley kann ihm dahingehend das Wasser reichen. Also: Bühne frei für Keith und ein tolles Solo!
Ich war glücklich, diesen Moment werde ich niemals vergessen: drei meiner Lieblingskünstler gemeinsam auf einer Bühne, gemeinsam einen Song performend!

Das Festival hielt noch viele weitere Überraschungen bereit – zum Beispiel kam Lenny Kravitz am zweiten Abend unangekündigt auf die Bühne -, aber Taylor, Tim und Keith im Dreierpack konnte bis heute niemand toppen!