Wow, mit „Won’t think twice“ schmirgelt Andrew Roachford jeden Zweifel vollkommener Zuneigung fort und poliert den Himmel rosa. Mit klarer, leicht angerauter Stimme, als forderten die Bänder ein Räusperchen, schenkt er uns hier ein Stück tief tauchenden Zaubersoul aus seinem 2020er Album „Twice in a lifetime“. Die Hammond-Orgel trägt uns durch die Flut, Roachfords großartige Komposition mit Zeilengold wie …

You stopped me running
for the first time in my life
I‘m gonna go with my heart
And I won‘t think twice

… kribbelt bis in die Haarspitzen und sein Pianospiel ist wie Zuckerguss über Zitronenkuchen. Süße und Säure fifty-fifty, genial! Ja, es ist (k)eine getragene Ballade; irgendwie hat er es hinbekommen, dass sie über uns Hörenden faltergleich flirrt wie Tagpfauenaugen über sonnenbeschienener Juliwiese. Vermag nicht jeder zu spüren, ich schon.

Immer, wenn ich Roachfords Musik höre – ich lausche ihm aus Gründen oft –, denke ich an den Armen, wie er in den Neunzigerjahren im Niedersachsenstadion zu Hannover im Vorprogramm vor 60.000 Menschen kämpfte, die nur einen wollten: Marius Müller-Westernhagen. Kein Job für Weicheier; er hat ihn gut gemacht gegen alle Gröler und Nöler.

Der Nummer-Eins-Hit blieb dem durch Queen Elisabeth 2019 zum Member of the Order of the British Empire Ausgezeichneten stets verwehrt. Was nicht ist, kann ja noch werden. Andererseits ist man schon ganz ohne Chartplatzierung eine Nummer Eins, wenn man in 202 Sekunden so unschlagbar viel Gefühl unterbringen kann. Den Sound auf laut gedreht und mitgesungen, wärmt „Won‘t think twice“ von innen heraus, als trügen wir eine Heizspirale unterm Herzen. Nur zu, wir müssen Energie sparen …