Mit der roten Leine durch das Weserbergland. Heute: Die Ith-Region mit Salzhemmendorf, Ahrenfeld, Hemmendorf, Oldendorf, Lauenstein, Levedagsen, Ockensen, Oldendorf, Osterwald, Thüste, Wallensen, Coppenbrügge, Marienau, Dörpe, Herkensen, Hohnsen, Bäntorf, Brünnighausen, Brullsen, Bisperode, Diedersen, Harderode, Behrensen, Bessingen

Mit dem neuen Format „Orts-Check“ rückt HALLO die Ortsteile im Landkreis Hameln-Pyrmont in den Mittelpunkt, die den Alltag vieler Menschen prägen. Wir fragen persönlich nach: Was macht diese Ortsteile eigentlich aus? Der Ortscheck will nicht bewerten, sondern entdecken, manchmal auch mit einem Augenzwinkern und immer ehrlich. Er lädt dazu ein, Bekanntes neu zu sehen und Selbstverständliches wertzuschätzen. Gemeinsam mit Leyla und einer großen Portion Neugier geht Orts-Checkerin Inga Symann diesmal in den sogenannten Ostkreis rund um den Ith auf große Reise.  

Schnell wird klar: Diese 23 Orte und über 140 Kilometer sind keine Strecke, die man mal eben zu Fuß abläuft. Das ist eine Region mit viel Landschaft. Deshalb wird ein Großteil des Weges diesmal mit dem Auto absolviert. Zwischendurch führt Leylas rote Leine aber wie immer durch kleine und größere Orte und zu schönen Geschichten und tollen Menschen. Viele Ortschaften haben mittlerweile keine Läden, Kneipen oder andere Treffpunkte mehr. Jedoch sind die Menschen erfinderisch und scheuen nicht vor neuen Ideen. Ob Hofladen, Lebensmittelautomaten oder ausgeprägtes Vereinsleben – Möglichkeiten gibt es genug. Improvisation gehört besonders in diesen kleinen Lebensmittelpunkten dazu.

Salzhemmendorf, Hemmendorf, Oldendorf, Ahrenfeld

In Salzhemmendorf als Zentrum des Fleckens bündelt sich vieles: Einkauf, Schule, Therme, Infrastruktur. Und doch ist es nicht überlaufen, sondern eher ruhiger Mittelpunkt in einer weitläufigen Region. Oldendorf überrascht dabei besonders. Hier treffen Leyla und Inga Symann auf ziemlich nette Menschen: Frauke und Hans Beck sowie Julia Stichweh aus Salzhemmendorf, die bei den beiden zu Besuch ist. Sie erzählen aus der Region und dem Leben hier. „Ich finde Oldendorf sehr zentral“, so Frauke Beck. „Wir haben einen Bahnhof, der zwar Osterwald heißt, aber einen ziemlichen Luxus darstellt. Wir haben einen Einkaufsmarkt – leider mittlerweile ohne Café, eine Apotheke, einen Arzt – eigentlich relativ viel.“ Und trotzdem bleibt es dörflich und persönlich. Man kann sich einbringen, viele Kontakte haben … oder eben viel Ruhe. „Dorfleben wird im gesamten Kreis noch gelebt“, fällt als gemeinsamer Satz, der die Region wohl gut beschreibt und hängen bleibt. Oldendorf hat sogar neu ein kleines Hotel, eine Sporthalle, in der geboxt wird und das Rasti-Land gleich nebenan. Ein kleines scherzhaftes Duell entwickelt sich, ob Salzhemmendorf oder Oldendorf als Wohnort schöner ist. Ein klarer Sieger geht dabei jedoch nicht hervor.

Hemmendorf wirkt etwas leiser, eingebettet in Felder und Wege. Und in Ahrenfeld erinnert man sich noch an den Hähnekräh-Wettbewerb, ein Stück Dorfkultur, das zeigt, wie besonders diese Orte sind.

Lauenstein, Thüste, Wallensen, Levedagsen

Die Route führt von Salzhemmendorf weg und der Blick kann wirklich weit schweifen. Felder, Hügel, Wälder – und immer wieder kleine Orte. Lauenstein bringt mit seinem Naturbad ein echtes Sommer-Argument ins Spiel. Und auch das Naturfreundehaus lädt zum Verweilen und Entdecken ein. Thüste liegt ruhig, fast zurückgezogen. Bekannt für den Thüster Kalkstein bietet der Ort aber auch eine große und integrative Kindertagesstätte mit tollem Konzept.  Wallensen dagegen hat mit dem Humboldtsee und dem Bruchsee Orte, die plötzlich nach Urlaub aussehen. Wasser, Camper, Bewegung und gleichzeitig daneben wieder das Dorf. Hier gibt es auch einen wunderbaren Hofladen, in dem man viele schöne Dinge kaufen und entdecken kann und zudem auch als Bäckerladen und Arbeitgeber für die Region fungiert. Auch Levedagsen bietet eine Besonderheit: Das Haus der Möglichkeiten oder kurz das HadeMö. Hier gibt es Kurse, Therapie-, Coaching- und Ferienangebote, Feiermöglichkeiten sowie naturnahe Zeit mit Lamas, Alpakas und anderen Tieren.

Die Ortsteile mit O: Osterwald und Ockensen

Osterwald ist so ein Ort, bei dem man merkt: Hier geht es nicht um Größe, sondern um Gefühl. „Wenn man in Hameln arbeitet und nach Osterwald kommt, dann kommt man runter … da ist die Welt noch in Ordnung“, beschreibt André Fischer den hübschen und liebevoll hergerichteten Ort. Die Freilichtbühne ist dabei mehr als nur ein Ausflugsziel. Sie ist Treffpunkt, Identität und Dorfleben. Dazu kommt die alte Bergbautradition, Wanderwege Richtung Ith und diese Ruhe, die sich nicht erklären, sondern nur erleben lässt. André Fischer ergänzt: „Es könnte noch mehr Spielstraßen geben, sonst ist alles richtig schön hier.“

Der zweite Ort mit „O“ Ockensen setzt mit seinem Wasserbaum, dem Naturlehrpfad und der Mosterei mit Scheunencafé einen fast versteckten Akzent. Leyla findet es hier jedenfalls ziemlich spannend. Und dann fährt man weiter … immer weiter.

Coppenbrügge, Marienau, Dörpe

Coppenbrügge als kleinste Gemeinde im Landkreis überrascht mit Geschichte. Die Burg, das Museum, die Lage direkt am Ith … auch hier ist Leyla schwer begeistert. Vielleicht auch von den Enten im Wassergraben der Burg. Im Burghof findet an diesem Tag sogar eine Trauung statt. Bürgermeister Thomas Küllig steht selbst vorne und führt durch die Zeremonie. Ein wunderschöner Ort mit viel Atmosphäre zum Heiraten – finden auch Verwandte und Bekannte sowie die Kolleginnen und Kollegen der Feuerwehr, die draußen bereits auf das Brautpaar warten.  „Ich lebe seit rund 40 Jahren hier und fühle mich sehr wohl“, erzählt Küllig später. Er beschreibt Coppenbrügge als liebenswerte Kommune und hebt besonders die Landschaft mit Ith, Feldern und viel Grün hervor. Gleichzeitig spricht er auch ehrlich über Veränderungen: Kleine Läden, Bäcker oder Fachgeschäfte seien weniger geworden. „Diese klassische Nahversorgung hat sich in den letzten Jahren zunehmend reduziert“, sagt er – ein Thema, das in vielen Orten dieser Runde immer wieder auftaucht.

Weiter geht es nach Marienau. Hier kommt man der Bundestraße folgend zwangsläufig hindurch. An den Bahnübergang dort können sich sicherlich die meisten sofort erinnern. Leider ist dieser aufgrund von Gleisbauarbeiten zurzeit voll gesperrt, was teilweise für große Umwege sorgt.

Dörpe ist als Künstlerdorf bekannt. Leyla bemerkt viele Rad- und Motorradfahrer, die durch die kurvigen Straßen des überraschend charmanten Ortes fahren. Es wirkt kreativ, offen, lebhaft und ein bisschen anders.

Brünnighausen, Bäntorf, Bisperode, Diedersen, Harderode, Brullsen, Behrensen, Bessingen, Hohnsen, Herkensen

Weiter geht es auf der Rundreise durch die Ith-Region. Viele Namen, viele Orte und schöne Details. Brünnighausen ist niedlich, Bisperode hat sogar ein Wasserschloss und eine Landbäckerei, Diedersen erzählt vor allem von Gemeinschaft untereinander. Frauke Mainitz, die seit vielen Jahren in dem Ort mit Gutshof lebt, erzählt: „Man kennt sich und man hilft sich. Du triffst immer jemanden und manchmal kommst du dann nicht weit.“ Doch wenn man seine Ruhe haben möchte, bekommt man sie natürlich auch. Die Nähe zum Schecken oder zum Ith mit Wanderwegen, Bärlauchblüte, Kammwegen und hübschen Fischteichen sei unbeschreiblich und wunderschön. Hört sich auf jeden Fall nicht nur nach einem Ort, sondern nach einem Lebensgefühl an. Behrensen hat sogar noch eine Gaststube, eine ziemlich komfortable Bushaltestelle und ein hübsches Rittergut. Herkensen, Hohnsen, Brullsen, Harderode, Brünnighausen und Bäntorf überzeugen durch ein gemütliches Dorfgefühl.

Orts-Check: kurz zusammengefasst

Die Ith-Region ist nichts für Eilige. Groß, weit, viel Strecke. Zwischen Salzhemmendorf als Mittelpunkt, lebendigen Orten wie Oldendorf und stilleren Dörfern wie Diedersen oder Brünnighausen entsteht das Bild von viel Landschaft, überraschend viel Leben und starken Dorfgemeinschaften. Und mittendrin: Menschen, die sagen, dass genau das ihr Zuhause ist. Leyla hat ihr Fazit längst gezogen. Viele Kilometer, viele Stopps und noch lange nicht alles erschnüffelt und gesehen. Die rote Leine könnte hier noch ziemlich weit führen.