Warum nennt man sich als Künstler „Jelly Roll“ (zu Deutsch: Biskuitrolle)? Beim diesjährigen CMA Fest in Nashville war er einer derjenigen, die mich aufhorchen ließen und mich positiv überraschten. Angekündigt war er nämlich nicht – und erntete trotzdem riesigen Beifall, als er an einem der vier Festival-Abende im Football-Stadion seinen Auftritt hatte.

„Son of a Sinner“ – oh man, da kroch mir aber die Gänsehaut von den Zehen bis ins Kronenchakra… Der Anblick eines riesigen, bis ins Gesicht tätowierten, stark übergewichtigen Country-Stars ist eine Seltenheit. Kriminell mutete Jason deFord – so sein bürgerlicher Name – an. So ganz anders als die adrett herausgeputzten Sänger des Genres, die höchstens rebellieren, indem sie Cap statt Cowboyhut tragen.

Und dann diese Stimme, gefühlvoll bluesig, dieser Schmerz darin, die Performance, die nicht authentischer hätte sein können. Innovativ, eigenwillig, spannend. Ein konvertierter Rapper und ehemaliger Knacki auf der Erfolgsspur: „Son of a Sinner“ kam 2022 aus dem Nichts, erreichte Platz 31 der US-amerikanischen Singlecharts und wurde mit einer Goldenen Schallplatte ausgezeichnet. Bei den CMT Music Awards 2023 erhielt das dazugehörige Musikvideo sage und schreibe drei Preise. Man hätte also damit rechnen können, dass Jelly Roll einen Überraschungsauftritt beim bedeutendsten Country-Music-Festival in Nashville stattfindet, hinlegen würde.

Ach so, die Auflösung gibt’s auch noch: Den Namen „Jelly Roll“ erhielt er von seiner Mutter, da er ein übergewichtiges Kind war, das gerne Donuts aß …