Ja, es gab sie, die Zeit vor Rock‘n‘Roll. Das Bayerische Fernsehen hat mich am vergangenen Wochenende wieder daran erinnert – dank einer stundenlangen Sendung über die „Hits der 80er“. Denn damals in den 1980er-Jahren, da war ich noch klein – na ja, mehr oder weniger – und mein Musikgeschmack, gelinde gesagt, unterentwickelt. Viel mehr als Popmusik und Charts kannte ich nicht.
Doch es war auch nicht alles schlecht. Während ich als Neunjährige noch zu Sandras „Maria Magdalena“ tanzte und sehnsüchtig auf eine Tour der deutschen Pop-Ikone wartete – vergebens übrigens –, wurde mir viele Jahre später erst bewusst, dass nicht nur sie, sondern so viele Pop-Sternchen aus jener Zeit gar nicht wirklich singen konnten. Ich hoffe, das trifft nicht auf Kim Wilde zu. Denn an ihrem „You Came“ blieb ich nicht nur 1988 hängen, sondern auch jetzt wieder in der 80er-Sendung.
Früher habe ich zu diesem Song getanzt, gesungen; er verbreitete einfach gute Laune. Wenn ich die Augen schließe, sehe ich mich damals in meinem Kinderzimmer auf meinem (hässlichen) grün-weiß-gestreiften Schreibtischstuhl sitzen, auf dem man sich hervorragend drehen konnte, bis einem schwindelig wurde. Dazu dann „You Came“ – und die Welt war wieder in Ordnung!
You came and changed the way I feel
No one could love you more
Because you came and turned my life around
No one could take your place
Wahrscheinlich wusste ich gar nicht, was ich da überhaupt singe. Aber das war egal – meine Haare flogen im Wind des Drehstuhls, wie die Haare der Sängerin im dazugehörigen Video-Clip. Und kann sie denn nun eigentlich singen, die wilde Kim? Wie gut, dass man heutzutage google und youtube hat, die einem dabei helfen solch wichtige Fragen beantwortet zu bekommen. Und in Sachen Kim Wilde zeigen sie mir beziehungsweise ein Live-Auftritt aus dem Jahr 2019, dass die Stimme, na ja, solide ist. Oder stabil, wie die Jugend heute wohl sagen würde. Später wurde „You Came“ übrigens noch mal gepimpt, mit mehr E-Gitarren und Gedöns drumrum – gefällt mir noch besser!