Mit der roten Leine durch das Weserbergland. Heute: Hessisch Oldendorf

Mit dem neuen Format „Orts-Check“ rücken wir die Ortsteile im Landkreis Hameln-Pyrmont in den Mittelpunkt, die den Alltag vieler Menschen prägen. Wir fragen persönlich nach: Was macht diese Ortsteile eigentlich aus? Der Ortscheck will nicht bewerten, sondern entdecken, manchmal auch mit einem Augenzwinkern und immer ehrlich. Er lädt dazu ein, Bekanntes neu zu sehen und Selbstverständliches wertzuschätzen. Diesmal entdecken Inga Symann und ihre Laika-Hündin Leyla die Stadt Hessisch Oldendorf.

Die Baxmannsage ist beherrschendes Merkmal der Geschichte dieser hübschen Weserstadt.

Leben zwischen Marktplatz, Rittergut und Stadthaus

Heute führt uns die rote Leine in die Kernstadt von Hessisch Oldendorf. Die Stadt wirkt auf den ersten Blick klassisch: Kirche, Fachwerk, Marktplatz, kurze Wege. Doch wer mit offenen Augen und Ohren – oder einer neugierigen Hundenase – unterwegs ist, entdeckt schnell die Mischung, die diesen Ort ausmacht.

Mitten in der Stadt trifft Historie auf Gegenwart. Das Rittergut erinnert an landwirtschaftliche Tradition und an eine Zeit, in der Versorgung noch direkt vor der Haustür begann. Felder und Höfe prägen das Umfeld bis heute – und sorgen dafür, dass man trotz Innenstadt nie weit vom Grünen entfernt ist.

Ein Wahrzeichen ist die St. Marienkirche im Zentrum – nicht nur Fotomotiv, sondern Orientierungspunkt. Von hier aus verzweigen sich Wege in alle Richtungen.

Im Stadthaus HO finden Kunst und Kultur einen würdigen Rahmen.

Auf dem alten Stadtwall.

Nette Leute, Käfer und gute Ideen

Eine Station des Rundgangs ist das Rathaus. Leyla meldet sich mit ihrem typischen Heulen an – was von den Mitarbeitenden mit einem gelassenen Lächeln aufgenommen wird – obwohl Hunde hier nicht erlaubt sind. Drinnen und draußen wird schnell klar: Hier sind Menschen offen für Gespräche.  Der Bürgermeister fährt mit dem VW Polo vor. „Das Miteinander gefällt mir hier am besten“, sagt Quartiersmanagerin Tina Begemann. „Man geht auf die Straße, trifft Leute und kommt ins Gespräch. Und daraus entstehen dann oft neue Ideen.“ Auch Bettina Remmert aus der Stadtverwaltung beschreibt die Atmosphäre ähnlich: Für eine Kleinstadt mit rund 5.000 Einwohnern sei Hessisch Oldendorf erstaunlich lebendig – mit einem Kulturangebot, das regelmäßig Menschen zusammenbringt. Kino im Stadthaus, Konzerte, Theater, das „Kleine Fest“ oder Aktionen sie „Kunst im Weg“ locken Besucherinnen und Besucher auch aus dem Umland an. An der Langen Straße tut sich einiges und auch die Sauberkeit der Stadt steht im Fokus. Besonders auffällig und erwähnenswert sei aber das ehrenamtliche Engagement. „Die Leute unterstützen sich hier gegenseitig“, sagt Begemann. „Und das freiwillige Engagement wächst immer weiter.“

Im Zentrum der Kleinstadt HO erhebt sich der Turm der St. Marien Kirche. Auf dem Kirchplatz findet jeden bis Freitag von Uhr der Wochenmarkt statt.

Ein besonderes Highlight wirft schon seine Schatten voraus: das HO26 Käfertreffen. Wenn die historischen Fahrzeuge durch die Straßen rollen, wird die Stadt zur Bühne. Für VW-Liebhaber ein fester Termin im Kalender – und für die Stadt ein Ereignis mit Strahlkraft weit über die Region hinaus. Leyla wird an diesem Tag eher andere Käfer jagen.

Lebendig sind auch die Diskussionen um die zukünftige Ausrichtung der weiterführenden Schule. Die Entscheidung ist nun zugunsten einer IGS gefallen und ab dem neuen Schuljahr 26/27 werden keine neuen Schülerinnen und Schüler mehr in die Oberschule eingeschult, was sicherlich auch Auswirkungen auf die Schulen in der Umgebung haben wird. Die Debatte zeigt vor allem eines: Bildung ist hier ein wichtiges Thema. Eltern, Politik, Bürgerschaft beschäftigen sich intensiv mit der Frage, wie junge Menschen bestmöglich gefördert werden können.

Blick auf das imposate Rittergut.

Kleine Wege, viel los

Der Orts-Check lebt von Begegnungen. Eine davon ergibt sich in einer ruhigen, aber stadtnahen Nebenstraße. Dort arbeitet Hans-Georg van Ballegoy gerade in seinem Garten. Seit rund 30 Jahren lebt er hier – lange genug, um ein gutes Gefühl für die Stadt entwickelt zu haben. Was ihm gefällt? „Die Größe der Stadt finde ich genau passend“, sagt er. „Nicht zu groß wie Hannover, aber auch nicht so klein wie ein Dorf.“ Auch das Zusammenspiel von Verwaltung und Politik hebt er hervor. Und etwas, das ihm besonders am Herzen liegt: die Stadtbücherei im Stadthaus. „Gerade für junge Leute und für die Integration ist das unheimlich wichtig“, so van Ballegoy. „Dass dort investiert wird, finde ich wirklich großartig.“ Ein Thema beschäftigt ihn allerdings ebenfalls: der Verkehr. Besonders in einigen Nebenstraßen werde Tempo 30 nicht immer ernst genommen.

Quartiersmanagerin Tina Bergmann mit Layla vor dem Stadthaus HO.

Lesen im Stadthaus.

Die Lange Straße in HO.

Kultur, Landschaft und gutes Eis

Wer nach den Stärken der Stadt fragt, hört oft zwei Antworten: die Landschaft und das kulturelle Leben. „Die Landschaft hier ist ein Traum“, sagt Heiko Wiebusch. Vom Hohenstein bis entlang der Weser gebe es zahlreiche Möglichkeiten zum Radfahren und Erholen. Gleichzeitig sei in der Stadt selbst erstaunlich viel los: Konzerte, Theater, Kino oder Veranstaltungen in der Innenstadt. „Wenn man sich anschaut, was hier jede Woche läuft, dann ist das schon ziemlich viel.“ Und ein Tipp darf natürlich nicht fehlen: „Wir haben die beste Eisdiele weit und breit.“

Geheimtipp: Eine Runde auf dem alten Wall

Wer es etwas ruhiger mag, folgt der roten Leine zum alten Wall. An manchen Stellen ist er zwar kaum noch als ehemaliger Befestigungsring zu erkennen – eher als grüne Spur um die Innenstadt. Aber ein Spaziergang hier ist ein kleiner Perspektivwechsel. Leicht erhöht, grün eingefasst, vorbei an Bäumen, Gärten und kleinen Blicken auf Dächer und Straßen – und erstaunlich entschleunigend. Der Rundweg verbindet Geschichte mit Natur und ist ideal für eine kurze Auszeit zwischendurch. Für Leyla riecht die Strecke nach Begegnungen, für Zweibeiner ist sie ein Ort zum Durchatmen.

Orts-Check: kurz zusammengefasst

Die Kernstadt von Hessisch Oldendorf verbindet Historie Kulturangeboten, Gemeinschaft und engagierten Diskussionen über die Zukunft. Vom Rittergut über den Kirchplatz bis zum Wall zeigt sich: Vieles liegt nah beieinander – Wege, Menschen und Gespräche. Und genau das macht den Reiz aus. Hessisch Oldendorf ist eine Stadt, die ihre Wurzeln kennt, ihre Gegenwart gestaltet und die Zukunft diskutiert.