Hameln-Pyrmont (mes). Das gegenwärtig typisch norddeutsche Wetter lässt schnell die Hitze und Trockenheit der zurückliegenden Monate vergessen. Die Natur scheint sich normalisiert zu haben, die Bäume haben ihr Laub abgeworfen, und auch die anderen Pflanzen ziehen sich in ihren gewohnten Winterschlaf zurück. Doch der Schein trügt. Noch immer leiden Waldböden und Pflanzen unter Trockenheit.

Regional sehr unterschiedlich regnete es 2020, sodass von einem dritten Trockenjahr in Folge gesprochen wird. „In ganz Niedersachsen ist der Waldboden vielerorts momentan viel zu trocken und daher dringend auf ergiebige Niederschläge angewiesen“, sagt Martin Hillmann, im Geschäftsbereich Forstwirtschaft der Landwirtschaftskammer Niedersachsen Leiter des Fachbereichs Forsteinrichtung, Bewertung, Waldinventur Raumordnung, Naturschutz. „Besonders im Osten und Süden des Landes ist die Situation besonders angespannt – das macht etwa Fichten, die unter dem Befall mit Borkenkäfern leiden, zusätzlich zu schaffen und erschwert auch die Wiederaufforstung der entstandenen Kahlflächen, weil die Jungpflanzen sich nur teilweise richtig entwickeln können“, hebt Hillmann hervor.

Der zunehmend fehlende Niederschlag setzt aber nicht nur den Wäldern zu und wird immer mehr zu einem Problem. Auch für immergrüne Pflanzen ist es deutlich zu trocken, betont Michael Mäkler. Der Kurparkleiter beim Staatsbad Pyrmont kennt diese Problematik schon länger: „Wir haben seit zwei Jahren viel zu wenig Niederschlag.“ Und so habe er auch im Kurpark in den vergangenen beiden Sommern enorm viel mehr gießen müssen als üblich. Auffällig viele Nadelgehölze seien von der Trockenheit betroffen, sie würden regelrecht absterben. „Und wir haben einiges an Lärchen verloren“, bezieht sich der Gärtnermeister auf das Stadtgebiet von Bad Pyrmont. Zu wenig Regen bedeute, dass das Immunsystem der Pflanzen angreifbarer wird für Schädlinge und Krankheiten. Und das wiederum nutzten Tiere – wie der Borkenkäfer – aus.

Mäkler betont, dass sich das Staatsbad auf die wohl dauerhaft wärmere und trockenere Zukunft einstellt. „Bei der Pflanzenauswahl achten wir darauf, welche eventuell resistenter sind“, nennt er ein Beispiel. Seit Jahren werde zudem schon vom Zierrasen weggegangen, hin zu Wildblumenwiesen. „Wir nehmen da, was die heimische Natur selbst bietet und entwickelt“, erklärt er. Beispielsweise habe sich wilder Thymian in letzter Zeit stark ausgebreitet und ganze Flächen besiedelt. „Diese Entwicklung ist aus ökologischer Sicht sehr gut“, freut sich Mäkler. Denn heimische Pflanzen sprächen heimische Tiere und Insekten an. Und: Diese Wiesen sähen auch bei langen Trockenphasen noch gut aus – „bei klassischem Zierrasen wäre das nicht möglich“.

Und auch in Sachen Bewässerung geht das Staatsbad neue Wege. „Sonst haben wir per Hand oder mobiler Regner gegossen“, sagt der Gartenexperte. Mittlerweile habe das Staatsbad die Hälfte der Staudenbeete im Kurpark mit einem Tröpfchenbewässerungssystem ausgestattet. Dabei sorgen kleine Schläuche in den Beeten dafür, dass das Wasser direkt an die Wurzeln gelangt und nicht durch zum Beispiel Wind und Verdunstung verloren geht.

Michael Mäkler geht davon aus, dass das Thema Trockenheit auch in Zukunft ein gewisses Problem darstellen werde. „Man muss aber keine Angst um den Kurpark haben“, räumt er ein. In den kommenden Jahren würden bestimmte Areale umgestaltet und an das trockenere Wetter angepasst.

Nichtsdestotrotz: Feld und Wald benötigen dringend Niederschläge. Bereits im November betonte Karl-Friedrich Meyer, dass der Unterboden zu trocken sei. „Wir Landwirte und auch der Wald brauchen einen richtigen Winter mit einer ordentlichen Schneedecke“, hofft der Vorsitzende des Pflanzenausschusses im Landvolk Niedersachsen. „Insgesamt ist die klimatische Wasserbilanz im Negativen.“ Laut dem Fachverband Feldberegnung fiel das Defizit der klimatischen Wasserbilanz im Vergleich zum langjährigen Mittel überdurchschnittlich hoch aus.