Mit der roten Leine durch das Weserbergland. Heute: die Pyrmonter Bergdörfer mit Neersen, Baarsen, Eichenborn, Großenberg, Kleinenberg
Mit dem Format „Orts-Check“ rückt HALLO die Ortsteile im Landkreis Hameln-Pyrmont in den Mittelpunkt, die den Alltag vieler Menschen prägen. Wir fragen persönlich nach: Was macht diese Ortsteile eigentlich aus? Der Ortscheck will nicht bewerten, sondern entdecken, manchmal auch mit einem Augenzwinkern und immer ehrlich. Er lädt dazu ein, Bekanntes neu zu sehen und Selbstverständliches wertzuschätzen. Orts-Checkerin Inga Symann und Laika-Hündin Leyla fahren heute in die Berge und schnuppern Höhenluft in den Pyrmonter Bergdörfern mit Neersen, Baarsen, Eichenborn, Großenberg und Kleinenberg.
Manchmal beginnt ein Orts-Check nicht mit einem Ortsschild, sondern mit dem Weg steil bergauf. Diesmal geht es hoch hinaus auf die Ottensteiner Hochebene. Erst Straße, dann Kurven und dann noch mehr Kurven. Irgendwann wird der Blick weiter, die Häuser weniger und Leyla schaut aus dem Auto, als würde sie fragen: Sind wir noch im Landkreis oder schon im Off? Die fünf Pyrmonter Bergdörfer Neersen, Baarsen, Eichenborn, Großenberg, Kleinenberg bieten viel Himmel, viel Feldern und viel Ruhe. Alte Bauernhäuser, große und kleine Höfe, Wind, Weite. Eine besondere Mischung aus „hier ist es richtig schön“ und dem Fehlen von Straßennamen.
Eichenborn: klein, hoch und unaufgeregt
Aus Lüntorf kommend fährt man durch Lichtenhagen und erreicht einige Höhenmeter weiter Eichenborn. Historisch gilt der Ort laut Pyrmontwiki als jüngstes der fünf Bergdörfer auf der Hochebene. Es ist klein. Doch biegt man von der Hauptstraße ab, erlebt man doch noch Überraschungen: es gibt einen kleinen Dorfplatz, ein Gemeindehaus und einen wunderschönen Blick ins Tal. Man sieht Höfe, Gärten, alte Fachwerkhäuser, dazwischen auf der anderen Seite die freie Sicht auf Neersen. Die Schweinemast gibt es hier nicht mehr, die Silos – früher in dunkelblau, jetzt in silbern glänzend – zeigen trotzdem noch weithin Eichenborns Standort an. Von hier aus geht es weiter entweder Richtung Neeresn oder über die „Windmühle“, einem ehemaligen Gasthof auf dem Weg nach Kleinenberg. Leyla zieht es zunächst nach Neersen.

Idyllisch in Eichenborn

Blick von Eichenborn ins Weserbergland
Neersen: Kirche, Kita, Dorfteich
Der Weg dorthin besteht aus Kurven, Hügeln, Kurven, Tälern und dem Blick auf Felder, Wiesen und Windräder. Neersen wirkt ebenso ruhig wie Eichenborn, aber deutlich größer. Hier fährt man nicht einfach durch, sondern geradeaus mitten in den Ort hinein. Hübsche alte Bauernhöfe liegen links und rechts der Straße ohne Namen. Dder Weg führt direkt zur Pauluskirche, die im April erst ihren 490igsten Geburtstag feiern durfte. Man fährt zudem an der alten Grundschule vorbei, die seit vielen Jahren schon als Kindergarten bzw. Kindertagesstätte fungiert und einen wunderbaren Spielplatz hat. Gleich nebenan ist das alte und niedliche Feuerwehrhaus, das aufgrund eines neu geplanten Gebäudes, seiner Funktion enthoben wird. Der Feuerwehrteich am Rande des Ortes bleibt aber bestehen und ist mittlerweile zu einem hübsch angelegten Platz mit Schutzhütte geworden. Der Blick auf den Köterberg ist wirklich beeindruckend. Ins Unterdorf geht es steil bergab, wie es hier in allen Ortschaften typisch ist. Leider gibt es in Neersen, wie in vielen anderen kleinen Orten auch, schon seit vielen Jahren keinen Dorfladen mehr. Und auch die letzte Gaststätte mit großem Saal wurde vor einiger Zeit zu Wohnraum umgewandelt.

Kreativer Gartenzaun in Neersen
Das Ehepaar Meier wohnt schon sehr lange hier auf dem großen Bauernhof im Oberdorf, Helmut Meier sogar schon sein Leben lang. Früher versorgten sie Schweine und Kühe, und haben rund um die Uhr Felder bewirtschaftet, gemolken und alles getan, was in der Landwirtschaft eben nötig war. Heute stehen nur noch ein paar wenige Tiere im Stall, die aber nicht mehr für die Milchwirtschaft genutzt werden. Viele Ställe hier seien ruhig geworden, erklärt Helmut Meier. Landwirtschaft sei größer und schwieriger geworden, schon allein der Blick auf den Milchpreis mache dies deutlich.

Helmut und Gerlinde Meier in Neersen

Altes Bauernhaus in Neersen

Kirche in Neersen

Neersen Ortseingang
Er und seine Frau Gerlinde hatten eine lange Nacht, da der Enkel in Großenberg geheiratet hat. Zwei der drei Töchter wohnen in den umliegenden Orten – also ganz nah dran. Man hilft sich, wo man kann. Auf die Frage, was Neersen schön macht, kommt die Antwort ohne Zögern: „Alles! Die Ruhe, das Grün, die Leute und die Nachbarn.“ Sie mögen die Gemeinschaft mit Schützenverein, Feuerwehr, Interessengemeinschaft und Kirche. Es gibt auch wieder mehr junge Familien hier. „Wir haben den Blick direkt auf die Kita mit den vielen kleinen Kindern“, freuen sich die Eheleute.

Dorfteich in Neersen
Baarsen: weiter Blick ins Land
Von Neersen aus geht es weiter in das nächste Bergdorf. Baarsen hat zwar keinen Bäcker oder eine Bankfiliale mehr – dafür gibt es hier aber noch eine Grundschule, ziemlich enge Straßen und viele Kurven. Die Grundschule steht für die Kinder aus den fünf Bergdörfern bereit. Wie gut … ist doch der Weg nach Pyrmont oder andere größere Ortschaften mit viel Aufwand verbunden.

Willkommen in Baarsen
Kleinenberg mit Überraschung
Von Baarsen aus gelangt man schnell nach Kleinenberg. Auch dieser Ort erscheint zunächst wie die anderen: Kurven, Berg und Tal, viele Wiesen und Felder. Schaut man nicht genau hin, kann man das kleine Schild mit der Aufschrift Flugplatz schnell übersehen. Man fährt und fährt über lange, schmale kurvige Straßen und weiß nicht so recht, ob man wirklich irgendwo ankommt. Doch von einer Kuppe leuchtet zwischen den Bäumen in der Ferne ein weiße Tower. Der Flugplatz des Luftsportgemeinschaft Bad Pyrmont ist wirklich eine kleine Überraschung auf der Höhe. Aber noch mehr Überraschung ist das niedliche Ausflugslokal direkt im Gebäude. Das Café Cumulus wird von Birte Koch als Pächterin betrieben. Urig, freundlich und unkompliziert. Leyla fühlt sich gleich wohl und so ist auch das Konzept des kleinen Cafés. Direkt an der Start- und Landebahn, mit Kinderspielplatz und echtem Flugzeug zum Angucken werden alle herzlich willkommen geheißen. Bei gutem Wetter sind die Tische schnell besetzt. Birte Koch startet mit ihrem Café bereits in die vierte Saison. Der Anfang nach Corona sei schwer gewesen, erzählt sie, „weil wir hier wirklich im Nirgendwo sind.“ Inzwischen habe sich das Café aber etabliert und viele Gäste finden den Weg. Ein echter Geheimtipp mitten im Grünen. Es gibt Kaffee, selbstgemachte Kuchen und kleine Speisen. Mal indisch, mal Erbsensuppe, aber immer Currywurst und Pommes. Manche Gäste kommen mit dem Auto, manche zu Fuß oder mit dem Rad. Andere werden tatsächlich angeflogen. „Wir werden hier nicht nur angefahren oder angewandert, sondern auch angeflogen“, lacht die Pächterin. Das muss man auch erstmal von sich behaupten können. Mit etwas Glück landen die Segelflieger direkt in Sichtweite. Mit Pech regnet es und der Himmel bleibt leer. Diese Flieger haben schließlich keine Scheibenwischer – auch das lernt man hier oben. Ein Ausflug hierher ist wirklich empfehlenswert.

Hinweisschilder in Kleinenberg

Segelflieger in Kleinenberg

Café Cumulus in Kleinenberg
Großenberg: Mehr Landwirtschaft
Aus Kleinenberg ist es nur ein Katzensprung nach Großenberg, das am höchsten gelegenen Bergdorf auf der Ottensteiner Hochebene. Hier gibt es noch mehr Bergdorfcharakter, muss sogar die Fahrtrichtung durch die engen Kurven aufgezeigt werden. Es gibt Felder, Höfe, große Dächer, Maschinen und Wind. Landwirtschaft ist hier teilweise größer als in den anderen Ortschaften. Hier hat der Enkel der Meiers aus Neersen erst geheiratet, die Figuren aus Stroh stehen noch am Ortseingang. Leyla interessiert sich dafür eher wenig. In jedem Fall ist das Gras hier grün, der Blick über die Felder herrschaftlich und die Landschaft wunderschön.

Großenberg Tal
Orts-Check: kurz zusammengefasst
Die Pyrmonter Bergdörfer sind nichts für Eilige. Man muss hochfahren, sich umsehen und erkennt, dass Schönheit viele Gesichter hat. Neersen hat Kirche, Kita, Dorfteich und Gemeinschaft. Baarsen hat Ruhe. Eichenborn wirkt klein. Großenberg zeigt Landwirtschaft und Kleinenberg überrascht mit Flugplatz und Ausflugs-Café. Und Leyla … die fand die Aussicht gut, die Möglichkeit zum Schnuppern noch besser und das Café vermutlich grandios, weil die Luft nach Kuchen duftete.
