Mit der roten Leine durch das Weserbergland. Heute: Bad Pyrmont mit Holzhausen, Hagen, Löwensen, Thal.

Mit dem neuen Format „Orts-Check“ rückt HALLO die Ortsteile im Landkreis Hameln-Pyrmont in den Mittelpunkt, die den Alltag vieler Menschen prägen. Wir fragen persönlich nach: Was macht diese Ortsteile eigentlich aus? Der Ortscheck will nicht bewerten, sondern entdecken, manchmal auch mit einem Augenzwinkern und immer ehrlich. Er lädt dazu ein, Bekanntes neu zu sehen und Selbstverständliches wertzuschätzen. Diesmal führt die rote Leine Inga Symann und ihrer Laika-Hündin Leyla zielstrebig von Hameln aus Richtung Bad Pyrmont. Und wer folgt, merkt: Die Strecke hat mehr Geschichten als man auf den ersten Blick vermutet.

Stadtbücherei Bad Pyrmont

Mit Leyla ist das immer so eine Sache: Eigentlich möchte man nur kurz los, am Ende zieht die rote Leine wieder in irgendeine Richtung, in die man ohne Hund vielleicht nicht abgebogen wäre. Diesmal geht es von Hameln kommend nach Bad Pyrmont – erst durch Thal, dann weiter nach Löwensen, hinauf zu den Türmen, vorbei an Holzhausen und Hagen und schließlich mitten ins Bad Pyrmonter Zentrum.

Löwensen mit Schrittgeschwindigkeit

„Durch ‚dieses Thal‘ muß er kommen“

Thal ist so ein Ort, den viele wahrscheinlich als Durchgangsort abspeichern. Man fährt hinein, links und rechts ziehen sich die Berge hoch, unten im Tal fließt die Emmer, und dazu kommen noch die Schienen, die den Weg Richtung Bad Pyrmont zeigen. Der Emmer-Radweg führt genau durch diese Ecke. Thal hat etwas, das man wirklich nicht wissen kann. Laut Pyrmontwiki ist „das jetzt pyrmontische Dorf (…) der am tiefsten gelegener Ort des alten Fürstentums.“

Blick auf Thal

Löwensen – ein guter Startpunkt

Löwensen Stadtmitte

Dann kommt gleich um die Kurve und über die Brücke nach Löwensen. Der Ort liegt nah an Bad Pyrmont, aber eben noch mit diesem Übergang aus Dorf, Tal und Wanderstartpunkt. Offiziell wird Löwensen als idyllischer Ortsteil am Rand des Kurortes beschrieben – also genau diese Mischung aus grün und stadtnah. Spannend ist hier die Emmerbrücke. Laut Infostele wurde die massive Steinbrücke 1860 als Ersatz für eine morsche Holzbrücke gebaut, die bis heute anscheinend jedem Emmer-Hochwasser standgehalten hat. Bekannt ist Löwensen wohl auch durch die kleine Siedlung „Im Friedensthal“, eine ehemalige Quäker-Kolonie, die heute neben Wohnhäusern auch einen Senioren-Wohnpark sowie ein Hospiz beherbergt.

Thal von der Emmerbruecke aus

Löwensen; Von hier aus gehts hoch

Friedensthal

Viel Grün, viel Randlage und ab jetzt geht es bergauf.

Brücke Thal Löwensen

Hoch hinaus auf Spelunken- und Schellenturm

Spelunkenturm

Sobald Leyla merkt, dass es bergauf geht, ist sowieso klar: Da oben wartet etwas. Und in diesem Fall sind das vor allem der Spelunkenturm und der Schellenturm. Beide Türme haben eines gemeinsam: Die ganze Gegend liegt einem zu Füßen. Aber die Gegend hat ja noch mehr zu bieten.

Auf dem Weg nach oben

Blick auf Pyrmont

Holzhausen: viel Geschichte und geologisch spektakulär

Holzhausen ist nicht nur irgendein Ortsteil, sondern laut Pyrmontwiki sogar der größte Ortsteil von Pyrmont. Und er ist alt: Die älteste bekannte Urkunde, in der Holzhausen erwähnt wird, ist dort zufolge über 1100 Jahre alt. Außerdem steckt Holzhausen tief in der Pyrmonter Geschichte – Königin Luise fuhr bereits mit der Kutsche hindurch und das frühere Brunnenhaus über dem Hylligen Born wurde laut dieser Quelle von einem Einwohner aus Holzhauen errichtet. Richtig spannend sind auch die Holzhäuser Erdfälle. Der Trichter mit mehreren wassergefüllten Erdfällen entstand vor mehr als 300 Jahren durch unterirdische Auslaugung von Steinsalz. Der große Trichter hat einen Durchmesser von 50 bis 60 Metern.

 

Hagen mit ruhigem Dorfgefühl

Hagen Bürgergarten

Weiter führt der Weg auf den Hagen. Der Ort ist etwas abgehoben – aber nur, weil er oberhalb von Bad Pyrmont liegt. Friedlich, direkt an der Grenze zu Nordrhein-Westfalen, mit der Kapelle „Zum guten Hirten“, Golfplatz (hier durften wir sogar offiziell ein Foto vom Grenzstein machen), Kita, Sportverein und Modell-Flugplatz hat er einiges zu bieten. Hagen ist gemütlich. Mehr Ruhe als Kurstadttrubel. Aber es ist ein guter Kontrast, bevor es Richtung Pyrmonter Zentrum geht.

Kapelle Hagen

Grenzstein Golfplatz Hagen

Blick vom Hagen auf Pyrmont

Und dann: Bad Pyrmont downtown

Leylas rote Leine zieht nun in die Stadt. Das Zentrum von Bad Pyrmont hat diesen speziellen Mix aus Flanieren, Geschichte und leichtem Kurstadtfilm.

Helenenquelle

Die rote Leine führt direkt hinein in die Hauptallee, diese lange, gerade Achse, die ein historisches Wahrzeichen Pyrmonts ist. Am Ende liegt der Hyllige Born, die berühmteste Heilquelle der Stadt, die bereits 1350 erwähnt wurde. Direkt dahinter befindet sich die Wandelhalle, zusammen bilden sie das Herz der Kurstadt. Drumherum liegt der Kurpark, in den Leyla aber nicht hineindarf und das Schloss – alles da, was man in einer Kurstadt entdecken kann. Dann ist da noch die Dunsthöhle. Sie liegt auf dem Gelände eines ehemaligen Steinbruchs. Aus ihr steigt auf natürlichem Weg CO2-Quellgas aus, was sie zu einer ziemlichen Besonderheit macht.

Dunsthöhle

Bad Pyrmont Hylligen Born

Claudia Pfefferkorn bringt es ziemlich direkt auf den Punkt: „Ich finde unseren Kurpark wunderschön. Ich finde das Schloss sehr schön. Unsere denkmalgeschützte Hauptallee mit dem Hylligen Born am Ende.“ Dazu kommt die Lage: viel Grün, viel Wald, kurze Wege ins Umland. Auch das gehört für sie als gebürtige Pyrmonterin ganz selbstverständlich dazu: „Die Wälder drumherum, die zum Spazierengehen einladen … und auch mit dem Fahrrad ist man hier gut unterwegs.“ In der Innenstadt und dem Kurpark gibt es im Sommer sogar Palmen – allerdings waren die noch im Winterquartier untergebracht.

Palmenhäuser

Claudia Pfefferkorn Daniela Schulz

Und gemeinsam mit Daniela Schulz wird schnell klar: Für die Größe der Stadt ist das Angebot ziemlich ordentlich. „Für so einen kleinen Ort finde ich das schon toll.“ Gerade im Sommer merkt man das. Veranstaltungen, Feste, Wochenenden, an denen plötzlich mehr los ist als man denkt. „Es kommen einige Gäste auch extra nur für ein Wochenende oder einen Tag her.“

Doch es ist nicht alles nur gestriegelt. Ein paar Schritte weiter fallen sie auf: die Leerstände. Geschäfte, die fehlen, Gebäude, die umfangreich renoviert werden müssten. Auch das spricht Claudia Pfefferkorn offen an: „Ein paar Leerstände in der Fußgängerzone … ich denke, das hat jede Stadt, aber schöner wäre es natürlich anders.“ Auch der zentral gelegene Kaiserhof ist dabei ein großes Thema. Und dann ist da noch das große Steigenberger. Für viele ein Schlüsselpunkt, wenn es um die Zukunft der Stadt geht. „Das muss wieder aufmachen, um die Stadt zu beleben“, heißt es. Man merkt auf jeden Fall: Die Pyrmonterinnen hängen an ihrer Stadt. Aber sie schauen auch genau hin. Schöngeredet wird nichts. Pfefferkorn selbst hat dazu beigetragen, die Innenstadt schöner zu machen. Ihr neu eröffnetes Café im hübsch renovierten Haus an der Hauptallee liegt ideal und ist bei schönstem Wetter bereits jetzt gut besucht.

Orts-Check zusammengefasst

Von Hameln bis Bad Pyrmont ist es nicht weit. Bereits auf dem Weg gibt es einiges zu entdecken – man muss manchmal nur genau hinschauen. Da ist der Ort Thal mit Ausblick und Nähe zu Bad Pyrmont. Löwensen und Friedensthal bringen den Übergang zur Höhe. Von den Türmen darüber hat man einen fantastischen Überblick und auch vom Hagen aus gibt es viel Weitsicht. Holzhausen überzeugt mit modernen und historischen Werten. Und Bad Pyrmont selbst schwankt irgendwo zwischen schönem Kurort und den Herausforderungen einer Stadt, die sich weiterentwickelt. Claudia Pfefferkorn und Daniela Schulz sind sich jedenfalls einig: „Wir finden es hier nach wie vor schön.“

Christuskirche

Bombergallee alte Bombergklinik