Hameln-Pyrmont (ey). Kunden der Stadtwerke Hameln Weserbergland erwarten dringend Post. Ihnen brennt die Höhe ihrer zukünftigen Abschlagszahlungen für Strom, Gas und Wasser auf den Nägeln. Jedoch lassen die Briefe des heimischen Energieversorgers auf sich warten. Es ist bereits Mitte Februar; erst jetzt wurden erste Rechnungen gedruckt und auf den Weg gebracht. Weil: Energiepreisbremse gleich Bearbeitungsbremse. Und noch einige Stellschrauben mehr, an denen gedreht werden musste.
Formell klingt das dann so: „Die erforderliche Umsetzung der umfangreichen Anforderungen aus den Energiepreisbremsen und der Dezember-Soforthilfe Gas/Wärme verzögern die Erstellung unserer Jahresrechnung 2022.“ Natalie Schäfer, Leiterin Marketing, Kommunikation & Kundenservice, erklärt, dass aufgrund der Kurzfristigkeit und der Komplexität der Umsetzungsverordnungen seitens des Gesetzgebers der IT-Anbieter der Stadtwerke „die entsprechende Vorlaufzeit braucht, um all diese Neuerungen umzusetzen“.
Es liest sich nicht gerade wie das einfache Einmaleins …
Dies alles führte zu mehrwöchigen Verzögerungen. Erst im Laufe der vergangenen Tage gingen die ersten Schreiben an die Kunden raus. Kein Wunder, denn was Natalie Schäfer gegenüber dem HALLO erklärte, liest sich für Außenstehende nicht gerade wie das einfache Einmaleins. Im Wortlaut klingt das dann so:
- Die von der Bundesregierung beschlossenen Preisbremsen für Strom, Gas und Wärme treten ab März 2023 in Kraft und gelten dann rückwirkend auch für die Monate Januar und Februar.
- Die Jahresrechnung für 2022 weist daher entsprechend noch die Abschlagszahlungen ohne staatliche Preisbremsen aus. Die Energiepreisbremsen werden die monatlichen Abschlagszahlungen um durchschnittlich 25 bis 30 Prozent reduzieren.
- Kundinnen und Kunden erhalten noch automatisch eine gesonderte Information über die Höhe der Preisbremse und über den Betrag, der nach Abzug der Preisbremse monatlich noch zu zahlen ist.
- Konkret heißt das also: Weil die Preisbremsen erst ab März – rückwirkend – gelten, ist im Februar noch der Abschlag ohne Preisbremse fällig; die Abschläge März bis Dezember werden sich entsprechend um die jeweilige Preisbremse reduzieren.
In Bad Pyrmont sind zwar die Briefe der Kurstadt-Stadtwerke an die Kunden pünktlich wie in jedem Jahr übermittelt worden, „aber die Thematik ist wirklich komplex, denn Tausende Abrechnungen werden ja nicht händisch eingegeben, sondern die IT dafür musste aufgrund der Preisbremsen komplett neu eingerichtet werden, damit nachher auch alles stimmt, also messerscharf abgerechnet werden kann“, sagt Uwe Benkendorff.
Dass Kunden in den vergangenen Monaten kaum noch durchblickten, ist für den Geschäftsführer der Stadtwerke Bad Pyrmont keine Überraschung; er erwähnt in diesem Zusammenhang die Absenkung der EEG-Umlage auf null und die Mehrwertsteuerabsenkung für Gas (von 19 auf 7 Prozent), „die ja rückwirkend ab Oktober gilt und zunächst einmal bis April 2024 gültig ist“. Was letztlich jetzt dazu führt, dass sehr viele Kunden zunächst einmal eine Rückzahlung gutgeschrieben bekommen, die aber andererseits gleichzeitig mit einem höheren Abschlag verbunden sein wird, um den insgesamt gestiegenen höheren Energiekosten Rechnung zu tragen.
Und klar: Da gab‘s viele Fragen in den zurückliegenden Monaten. Energieversorger-Chef Benkendorff lobt ausdrücklich das Verhalten der allermeisten Stadtwerke-Kunden: „Es gibt viele, die viel Verständnis haben. Und es sind nicht wenige, die von sich aus die monatliche Abschlagszahlung lieber noch erhöhen lassen haben, um heute in einem Jahr auf der sicheren Seite zu sein.“ Die sichere Seite sei anzuraten, da die geopolitische Lage fragil sei.
Unter Berücksichtigung aller Bremsen und Hilfen vermag übrigens jeder auf der besagten sicheren Seite zu sein, der damit rechnet, dass die Kosten für Strom und Gas 60 bis 70 Prozent teurer werden. Wenigstens.