Hameln (mes). An vielen Orten setzen sich Menschen für mehr Wertschätzung von Lebensmitteln und gegen deren Verschwendung ein. Die Idee der „Foodsharing“-Bewegung ist, lokale Veränderungen herbeizuführen, die zur Sensibilisierung und zu einem Umdenken in der Bevölkerung führen. Jetzt ist auch Hameln mit im Boot. Im November sollen auf dem Gelände der Paritäten ein Kühlschrank und ein Lagerregal aufgestellt werden, aus dem sich dann jeder bedienen kann.
Auf dem Wochenmarkt, in der Mensa, im Supermarkt oder zu Hause: Pro Jahr landen in Deutschland mehr als 18 Millionen Tonnen essbare Lebensmittel in der Tonne. Die Ursachen sind vielfältig: Aufgrund strenger Handelsnormen wird ein Teil der Ernte bereits auf dem Feld aussortiert. Schlechte Planung und Überproduktion in Restaurants und Mensen und hohe Standards in Groß- und Supermärkten und in der weiterverarbeitenden Lebensmittelindustrie führen zu weiterer Verschwendung – ist eine Orange im Netz oder eine Tomate in der Kiste verdorben, wird alles weggeschmissen, und ist das Mindesthaltbarkeitsdatum überschritten, landet ein Produkt im Müll. Um diesem Problem entschieden entgegenzutreten, sucht das Projekt „Foodsharing“ ehrenamtliche Helfer in Hameln.
Der Verein „Foodsharing“ vernetzt Menschen aus Deutschland, Österreich und der Schweiz unter dem Motto „Verwenden statt verschwenden!“. In Hameln gibt es bereits eine aktive Gruppe von ehrenamtlichen sogenannten „Foodsavern“, die Lebensmittel retten. Diese Menschen haben beim Verein „Foodsharing“ eine Online-Qualifikation absolviert, bestehend aus einem Quiz zum Thema Lebensmittel und Lebensmittelverschwendung und drei gemeinsamen Abholungen von geretteten Lebensmitteln mit Koordinatorin Nicole Mitterhofer. Sie organisiert alle Aufträge der „Foodsaver“ in Hameln.
Gesucht werden nun Freiwillige, die sich um die Inventur und Reinigung eines Kühlschranks sowie eines Lagerregals für Lebensmittel kümmern. Ein- bis zweimal pro Woche müssten die Schränke gesichtet, gereinigt und verdorbene Lebensmittel entsorgt werden. Aufgestellt werden die sogenannten „Fairteiler“ auf dem Grundstück der Paritäten in der Kaiserstraße 80. Sie sollen durchgängig zugänglich sein und eine einfache Möglichkeit bieten, Essen zu retten: Ehrenamtliche sammeln dort Produkte, die beispielsweise auf dem Hamelner Wochenmarkt nicht verkauft wurden und sonst im Müll landen würden. Bürger können sich die Lebensmittel dann dort abholen – jeder und jederzeit.
Einen aktuellen Stand, womit Kühlschrank und Lagerregel befüllt sind, gibt es über eine WhatsApp-Gruppe. Eine kurze Nachricht an Nicole Mitterhofer reicht aus, um in die Gruppe aufgenommen zu werden: 0176 / 41713336.
Wer sich ebenfalls aktiv gegen die Verschwendung von Lebensmitteln einsetzen möchte, kann Teil der „Foodsaver“ werden: Dazu genügt eine E-Mail an j.buff@foodsharing.network. Der Aufwand beträgt je nach Anzahl der Freiwilligen eine bis vier Stunden pro Monat.
Der Kontakt zwischen dem Verein „Foodsharing“ und der Stadt Hameln kam im Rahmen von SINN02, der zweiten Hamelner Social Innovation Night, am 10. Oktober zustande. In den Räumen von zedita im Kaisersaal des Hamelner Bahnhofs kamen Kreativköpfe, Stadtteilakteure, Unternehmen, Politik und Verwaltung zusammen, um zukunftswirksame Ideen für ein sozial gerechtes, klimaneutrales, lebendiges und offenes Hameln zu entwickeln.
Die Initiative Foodsharing wurde 2012 vom Kölner Filmemacher Valentin Thurn nach seiner Dokumentation „Taste The Waste“ ins Leben gerufen. Eine ähnliche Bewegung gegen Foodwaste – die Foodsaver – entwickelte sich in Berlin. Deren Pionier Raphael Fellmer sprach damals Supermärkte an, um aussortierte Lebensmittel legal zu erhalten, anstatt sie illegal aus den Mülltonnen der Supermärkte zu retten. Seit 2014 agieren Foodsharer und Foodsaver gemeinsam als Foodsharing e. V. Und das sehr erfolgreich: Das foodsharing-Netzwerk wächst kontinuierlich, national und international. So zählt die Plattform laut ihrer Gesamtstatistik 132.755 registrierte Foodsaver und 528 827 Foodsharer sowie 12.477 Kooperationen mit Betrieben (Stand Oktober 2022).
Dieses ehrenamtliche Engagement gegen Lebensmittelverschwendung wurde 2016 vom Bundesministerium für Landwirtschaft und Ernährung mit dem „Zu gut für die Tonne“-Bundespreisin der Kategorie Gesellschaft und Bildung ausgezeichnet.
Foodsharing versteht sich als unabhängige, unparteiische, allgemeinnützige Initiative, die das Ziel der Vereinten Nationen – Verringerung der Lebensmittelverschwendung bis 2030 um 50 Prozent – erreichen möchte. Dazu dienen neben Forderungen an die Politik auch Informationen und der Austausch über die Sozialen Medien.
Mehr Infos: foodsharing.de