Weserbergland. Familie Müller aus Hameln hat einen jungen Igel im Garten gefunden. Ganz und gar entzückt sind die Kinder, machen sich aber Gedanken darüber, ob der kleine Racker den Winter übersteht. Doch nicht jeder Igel, der tagsüber aktiv ist, braucht sofort Hilfe. Laut Naturschutzbund sind Igel auch im Oktober noch in den Gärten unterwegs.
„Gerade jetzt ist das nicht ungewöhnlich. Schließlich wurden junge Igel noch bis Ende September geboren. Der Nachwuchs von Igeln kann bei milden Temperaturen sogar noch im Dezember draußen unterwegs sein und sich Winterspeck für den Winterschlaf anfressen“, sagt Bärbel Rogoschik, Leiterin des Nabu-Artenschutzzentrums in Leiferde. Es sei wichtig, den Igel zunächst einmal genau zu beobachten. Wer zu früh helfen will, so die Expertin, kann gegebenenfalls erst dadurch Schaden anrichten. Und das kommt oft vor, leider! Seien keine Krankheiten oder sonstigen Beschwerden ersichtlich, ist es immer die bessere Wahl, den Igel in der Natur zu lassen und einen Jungigel somit nicht seiner Mutter zu entreißen. „Die Gefahr ist groß, dass die Igelmutter ihre Jungen nicht mehr versorgt, wenn sie nach der Einsammelaktion wieder ausgewildert werden“, so Bärbel Rogoschik.
Fakt ist: Igel dürfen laut Bundesnaturschutzgesetz weder gefangen noch getötet werden. Nur in absoluten Notfällen, wenn ein Igel verletzt oder krank ist, dürfen Menschen ihn für eine kurze Zeit in ihre Obhut nehmen, gesund pflegen und alsbald wieder in die Freiheit entlassen. Ein tagsüber gesichteter Igel ist oft nur durch Gartenarbeit aufgeschreckt worden und kehrt abends in sein Versteck zurück. „Läuft er im Kreis? Ist er verletzt? Hat er Fliegeneier oder Maden zwischen den Stacheln? Fühlt er sich kalt an? Erst dann benötigt er sofort Hilfe“, sagt Bärbel Rogoschik. In solchen Fällen sollte man einen Tierarzt, eine Igelauffangstation oder das Nabu-Artenschutzzentrum kontaktieren.
Jedes Jahr kümmern sich dort, in Leiferde, die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter um rund 300 bis 400 verletzte oder geschwächte Igel. Die Tiere werden wieder aufgepäppelt und für die Auswilderung vorbereitet.
Ein einfacher Test hilft, um festzustellen, ob ein Igel dehydriert ist: „Dazu zieht man die Stacheln einfach ein bisschen hoch. Wenn diese dann so stehen bleiben, dass eine Beule entsteht, die sich nur ganz langsam wieder zurückbildet, braucht der Igel auf alle Fälle Hilfe“, erklärt Rogoschik. In solchen Fällen sollte dem Tier Wasser angeboten werden. Nimmt er kein Wasser an oder kann nicht selbstständig trinken, gehört der Igel umgehend zum Tierarzt oder in eine Auffangstation. Wenn bekannt ist, wo sich das Muttertier aufhält, sollte ein Jungtier in ihrer unmittelbaren Nähe ausgewildert werden.
Öffnungszeiten, Kontaktmöglichkeiten des Artenschutzzentrums und alle Infos rund um tierische Notfälle finden Interessierte hier: Tierische Notfälle – Nabu-Zentrum Leiferde (nabuzentrum-leiferde.de)