Hameln / Bad Pyrmont (ey). Die Reaktionen könnten unterschiedlicher nicht sein. Da ist also einerseits Karl-Heinz Schnare aus Hannover, der jüngst in seiner Geburts- und Heimatstadt Bad Pyrmont weilte und feststellen durfte, wie schön es in der Kurstadt blüht.
„Gerade an der Dunsthöhle, im Bergkurpark und auf dem Friedhof Holzhausen ist es gelungen, die ’neue Vielfalt der Natur‘ zu präsentieren“, stellt er fest. Und da ist andererseits der seltsame Umgang mit dem Thema Stadtgrün in Hameln. Irgendwie stehen Planer und Politik in der Rattenfängerstadt mit Blumen und Bäumen, wenn nicht auf Kriegsfuß, dann doch immerhin auf dem Schlauch.
Dabei dürfte klar sein, dass das Stadtgrün im Zuge der Erderwärmung wichtiger wird. Dass am Kastanienwall alle Kastanien fielen und bislang noch immer ein schlüssiges Konzept für die Wiederbepflanzung fehlt, stößt vielen Hamelnern sauer auf. Kahl sieht’s aus. Was kommt da jetzt eigentlich hin? Die Antwort bleibt das Rathaus seinen Bürgern schuldig. Dass die Innenstadt – vor allem auf der Osterstraße – ganz ohne Zweifel ebenso Möglichkeiten böte, sie grüner zu gestalten, ja, auch mit Bäumen, ist nicht zu bezweifeln. In Sprecherkreisen im Rathaus reagiert man auf Anfrage allerdings mittlerweile akut verschnupft; man habe eine der „schönsten Fußgängerzonen Norddeutschlands“, da stünden „genug Bäume“. – Sind auf der Hauptachse Osterstraße vier genug?
Ach, und die Versorgungsleitungen seien ein Problem. Es sei nicht einfach, Bäume zu pflanzen, der Platz ist begrenzt.
Und nun das: Rasen im großen Rathausplatzbeet. Nicht nur, aber auch. „Durch die Rasenansaat wird es uns möglich, die Fläche langfristig – bis zur Umgestaltung des Rathausplatzes – in einem ansehnlichen Zustand zu halten – bei möglichst geringen Kosten“, heißt es aus Verwaltungskreisen. Gartenbesitzer wissen: Gras muss, damit es gut und gepflegt aussieht, von April bis Oktober sicher im Zehn-Tage-Takt gekürzt werden. Und auch wenn dort jetzt ein paar Stauden und Gräser gepflanzt sowie Tulpenzwiebeln versenkt worden sind, so wird dieses Beet wohl kaum eine Bienenweide werden. Mit einer Sommerblumenmischung, im Frühling ausgebracht, hätte man mehr Blickfang und Verständnis bei den Bürgern und Betrachtern erreicht – und diese Mischungen gibt‘s im Allgemeinen für ‘n Appel und ’n Ei.
„Es ist höchste Zeit, dass wir mehr Acht geben auf unsere Umwelt, die Natur, unseren Lebensraum“, schreibt der Pyrmont-Besucher Karl-Heinz Schnare in seiner E-Mail an die HALLO-Redaktion und lobt das Vorgehen der Kurstadt ausdrücklich. Der Wahl-Hannoveraner ist bei seiner Rückfahrt in die Landeshauptstadt hoffentlich nicht über den Kastanienwall gefahren.