Hameln (geö). Seit Jahren modert die Wienerwald-Immobilie vor sich ihn. Der trostlose Zustand dieses Geisterhauses am Bürgergarten soll bald der Vergangenheit angehören.
Die Stadt teilt auf Anfrage mit, dass voraussichtlich im Januar der Investor mit Sanierung und Umbau des Gebäudes beginnen kann.
In einem der Schaukästen hängt noch eine stark verblichene Speisekarte und preist das an, was jahrelang in diesem Gebäude am Bürgergarten als gastronomischer Klassiker des Hauses über den Tresen ging: das Wienerwald Grillhendl. Doch im August 2013 gingen hier für immer die Lichter aus. Nachnutzung, Abriss, Sanierung – an Szenarien, wie es mit dem Gebäude weitergehen könne, mangelte es nicht. Doch erst seitdem der Bauunternehmer Karol Günther die Immobilie samt Grundstück am Bürgergarten erworben hat, ist klar: Dem 1949 nach Plänen des Hamelner Architekten Ralf Simon errichteten Gebäude an der Ecke Deisterallee/164er-Ring wird neues Leben eingehaucht.
Nach Auskunft der Stadt kann der neue Besitzer in Kürze mit seinen Sanierungsarbeiten beginnen. „Wir sind zuversichtlich, das Anfang des Jahres gestartet werden kann“, teilt Rathaus-Sprecher Thomas Wahmes auf Anfrage mit. „Derzeit befindet sich die Angelegenheit noch in notarieller Bearbeitung.“ Will heißen: Unter dem komplizierten Kapitel der mit der Wienerwald-Immobilie verbundenen Vorkaufsrechte kann endlich ein Schlussstrich gezogen werden. Dass das Verfahren sich nicht noch jahrelang hinzuziehen drohte, verdankt sich dem Entschluss des neuen Eigentümers, nicht länger zu warten, bis alle mit dem Wienerwald verbundenen Vorkaufsrechte im Grundbuch gelöscht sind. Insgesamt 244 Berechtigte, teils weit verstreut, hätten kontaktiert werden müssen, um das Grundstück unbelastet dem jetzigen Besitzer übergeben zu können. Ein von der Stadt beauftragter Notar hatte bereits vor Monaten mit dieser Sisyphos-Arbeit begonnen. Als „extrem zeitaufwendig und schwierig“ beurteilte Oberbürgermeister Claudio Griese das Prozedere. Mittlerweile liegen eine Reihe von Verzichtserklärungen vor, doch die Liste mit den Namen derjenigen, deren Einwilligung zur Löschung des Vorkaufsrechts eingeholt werden muss, ist noch lang. So schlug Karol Günther den Weg ein, die Vorkaufsberechtigten als Belastung im Grundbuch stehen zu lassen.
Der Wienerwald-Inhaber zeigt sich erfreut angesichts der positiven Nachricht aus dem Rathaus. „Ich hoffe, dass es jetzt endlich klappt und ich mit dem Projekt beginnen kann.“ Demnächst dürfte Karol Günther den Schlüssel im rostigen Schloss des früheren Restaurants umdrehen und mit einem Architekten und einem Statiker das Gebäude, das wieder gastronomisch genutzt werden soll, genau unter die Lupe nehmen. „Ich finde das Objekt sehr schön und möchte die Architektur erhalten“, erklärt Günther. Das notwendige Know-how dafür dürfte er mitbringen. Sein Unternehmen ist auf die Modernisierung und Renovierung von Gebäuden spezialisiert, verfügt über „jahrelange Erfahrung“, wie der Homepage zu entnehmen ist. Sein Konzept kennen bislang nur Verwaltung und Politik – es muss überzeugt haben, ansonsten er nicht den Zuschlag bekommen hätte.
Noch hält sich der Geschäftsmann bedeckt, verrät lediglich so viel, dass das Gebäude an den „alten Stil“ des in früheren Zeiten hier ansässigen „Café am Ring“ anknüpfen soll. „Die Hamelner sollen auf jeden Fall zufrieden sein mit dem, was hier entsteht“, sagt Günther, der gerne zur Fußball-EM im Sommer 2020 sein Restaurant öffnen möchte. Bis dahin ist viel Arbeit zu leisten. Die Immobilie mit einer Nutzfläche von 460 Quadratmetern entspricht nicht mehr den heutigen Anforderungen, ist jedoch aufgrund ihrer prominenten Lage mit ihrer direkten Anbindung an Hamelns grüner Lunge bares Geld wert.
„Das ist ein ambitioniertes Projekt, das eine Bereicherung für die Hamelner Innenstadt ist“, heißt es aus dem Rathaus.