Hameln-Pyrmont (ey/mes). Ist das Winter oder kann das weg? Kein Schnee, kaum Temperaturen unter dem Gefrierpunkt und vier Grad wärmer als im langjährigen Mittel präsentierte sich der Januar schäbig. Mit dem Februar verhält sich’s nicht wirklich anders, aber wenigstens fällt genug Regen. Wirklich genug? Sind die Böden bis in die Tiefe durchnässt, sodass sich die Wälder und Ackerpflanzen nach den viel zu trockenen zwei zurückliegenden Jahren endlich erholen können? Eher nicht …
Es ist ernüchternd. Denn momentan sei das himmlische Nass zwar in reichlicher Menge gefallen, aber im März oder April würde es den Wäldern mehr nützen, heißt es aus dem Forstamt der Stadtverwaltung in Hameln. Grund: Erst dann könnte das Wasser dazu beitragen, dass die Borkenkäferlarven verpilzen und sich die Fichten durch den Harzfluss wehren können. Und obwohl dem vielen Regen der vergangenen Wochen schon auch eine positive Wirkung auf die Natur zuzurechnen sei, könne er am eigentlichen Problem nichts ändern: am fehlenden Frost. Aufgeweichte Waldwege und geschlagenes Holz, das nur unter Mühen aus den Forsten transportiert werden könne, zählen zu den aktuellen Problemen. Zudem ist klar: Eine über Wochen liegende Schneedecke, die nach und nach schmilzt, ist der beste Wasserhaushaltsregler, den es gibt. Aber Schnee gibt’s schon seit Jahren nicht.
Damit hat auch die Landwirtschaft zu kämpfen. Andreas Meyer, Landwirt aus Herkensen, begrüßt die Regenfälle der vergangenen Tage und Wochen, räumt jedoch auch ein: „Oberflächlich haben wir genügend Wasser, im Unterboden aber sicherlich nicht.“ Die extrem trockenen Jahre 2018 und 2019 seien immer noch nicht wieder aufgeholt. Er habe mehrmals beobachten können, dass auf Feldern in Hanglage der Boden selbst nach dem Pflügen quer zum Hang nach unten weggespült wurde. „Das Thema Bodenerosion, gerade in unseren bergigen Gebieten, muss stärker in den Fokus gerückt werden“, fordert er. Bodenkonservierende Methoden in der Landwirtschaft sollten aus seiner Sicht deshalb wesentlich mehr angewendet werden.
Aus diesem Grund nutzt Meyer das Prinzip der Mulchsaat: der Verzicht auf das Wenden des Bodens mit dem Pflug und die ausschließliche Nutzung der Grubber-Bearbeitung zum Mischen des Bodens. Das ganze Prinzip sei allerdings nur möglich durch den Einsatz von Glyphosat. „Um Bodenerosion möglichst zu minimieren und aus Kostengründen in der Anwendung wäre der Wegfall von Glyphosat deshalb eine schwere Bürde für den modernen Ackerbau“, ergänzt er.
Böden sind aktuell nicht befahrbar
Dass der Grundwasser-Spiegel weiterhin zu niedrig sein könnte, befürchtet auch Landwirt Cord Möller aus Hessisch Oldendorf. Allerdings: „Auf unseren Feldern sind die Böden oberflächlich erst mal ausreichend mit Wasser gesättigt. Gleichzeitig bedeutet dies aber auch, dass sie nicht befahrbar sind.“ Einen positiven Aspekt kann er jedoch dem vielen Regen abgewinnen: „Die Feldmäuse auf dem Grünland wurden wahrscheinlich dezimiert.“ Bekanntlich hat der Landkreis Hameln-Pyrmont aktuell ein Problem mit den Nagern (wir berichteten).
Hameln-Pyrmonts Ackerbauern hoffen nun aber, dass der Winter sich nicht mehr mit späten Kahlfrösten in Erinnerung bringt. „Tiefe Minustemperaturen ohne Schneedecke würden die Vegetation stark schädigen“, sagt Karl-Friedrich Meyer, Vorsitzender beim Landvolk Niedersachsen – Bauernverband Weserbergland. Die ergiebigen Niederschläge im Februar waren nach Aussage der Landwirte dringend notwendig. „Wir Bauern hätten uns den Regen durchaus früher und besser verteilt gewünscht“, sagt Meyer.
Das bedeutet, der Regen kam für die Wälder zu früh und für die Landwirte zu spät? Scheint so. Und auch Gärtnermeister wie Matthias Großmann von Stauden-Junge sind erst einmal nur verhalten optimistisch: „Für die Stauden sieht es gut aus. Die Böden sind schon ganz gut durchfeuchtet, aber wir haben in der Tiefe noch keine Durchdringung erreicht, wie wir das gewohnt sind. Alte Bäume atmen also auf, sind aber dennoch nicht grundsätzlich gerüstet für einen so trockenen Sommer wie 2018.“
Wetter-Experten stellen derweil eine erste Prognose für den Sommer 2020. Das Resultat ist beunruhigend und deutet auf eine der extremsten Wetterlagen seit 70 Jahren hin. Im vergangenen Jahr trafen ihre Prognosen mit erschreckender Genauigkeit zu. Sollte sich das wiederholen, steht Deutschland ein historisch heißer Sommer bevor.