Weserbergland (jlg/ey/sas). Beobachtungen von Vogelkundlern zufolge haben die Populationen vieler heimischer Singvogelarten rapide abgenommen. Die Gründe dafür sind vielfältig. Einerseits wird landwirtschaftlichen Monokulturen eine Mitschuld daran gegeben, andererseits ist der Klimawandel in all seinen Facetten – zu trockene Sommer, zu milde Winter – eine ebenso große Bürde für Sperlingsarten, Laubsänger, Meisen und mehr. Es ist, als wenn die kleine, große Welt der Vögel aus dem Gleichgewicht zu kippen droht. Umso wichtiger, dass jeder Grundstücksbesitzer seine bescheidenen Mittel einsetzt, um Hilfe zu leisten. Nistkästen wären ein Anfang.

Die Größe des Einflugloches ist entscheidend dafür, wer schließlich einzieht und ob überhaupt. Das Aufhängen von Brutkästen beziehungsweise die Kontrolle, ob die Häuschen noch in Ordnung sind, gehört zu den wichtigsten Aufgaben, die jetzt im Garten zu erledigen sind. Welcher Vogel würde schon einziehen, wenn’s reinregnet? Die Zeit drängt! Längst sind die Gefiederten auf Braut- und Bräutigamschau.

Dr. Kordt Rehn, Vogelkundler aus Bad Pyrmont, der Interessierte auf Einladung des Natur- und Umweltschutzbundes Bad Pyrmont vor einigen Tagen zu einer Frühjahrsinspektion unterschiedlicher Nisthöhlentypen an ihren Standorten im Bergkurpark und im Stadtwald ausführte, hatte erst unlängst im Gespräch mit der HALLO-Redaktion darauf hingewiesen, dass es offensichtlich gerade bei den sonst recht häufig vorkommenden Amseln aufgrund eines Virus zu großen Ausfallerscheinungen gekommen ist. Aber auch andere Arten seien gefährdet; die Gründe dafür seien sehr unterschiedlich. Die Tiere so gut wie möglich zu unterstützen, liege deshalb nicht nur ihm am Herzen. Das Interesse vieler Menschen steigt offensichtlich. Wurde der Thematik vor zehn Jahren eher nur beiläufig gefolgt, ginge das Schicksal der Vögel, ja, das Schicksal der Natur insgesamt vielen Menschen jetzt mehr ans Herz.

Dass die Fütterung aller Vögel und erst recht der Amseln weit ins Jahr reichen sollte, ja, womöglich sogar ohne Unterbrechung, befürworten viele Gartenbesitzer. Wichtig für den Schutz der Tiere ist aber noch etwas anderes: Dass mit dem Beginn des Monats März der Rückschnitt von Bäumen und Hecken bis Ende September tabu sein sollte! Das ist im Übrigen keine lasche Pi-mal-Daumen-Direktive; vielmehr gilt dieser Zeitraum laut Bundesnaturschutzgesetz offiziell als Schonzeit. „In diesem Zeitraum bieten Gebüsche einen optimalen Unterschlupf für Vögel, Säugetiere und Amphibien. Die Tiere ziehen dort ihren Nachwuchs groß, finden darin eine gute Versteckmöglichkeit und ziehen sich im frischen Grün auch mal zum Schlafen zurück“, sagt Matthias Freter vom Natur- und Umweltschutzbund Niedersachsen.

Bei der Größe des Einflugloches kommt es auf jeden Zentimeter an. Bescheidene 28 Millimeter Durchmesser – sprich: 2,8 Zentimeter – reichen Blau- und Tannenmeisen zum Einzug. Haussperlinge benötigen 30 Millimeter Durchmesser, Kohlmeisen, Hausspatz, Kleiber und Trauerschnäpper 32 Millimeter. Interessantes Detail: Während für all diese Vögel der Hauseingang kreisrund sein sollte, bevorzugt der Gartenrotschwanz als einziger Vogel einen ovalen Eingang mit einer Breite von rund 30 und einer Höhe von etwa 45 Millimetern. Sachen gibt’s … Nistkästen werden übrigens am besten in zwei bis drei Metern Höhe aufgehängt. Das Einflugloch sollte vor Wind, Regen und praller Sonne geschützt sein; im besten Fall ist es nach Osten bis Südosten ausgerichtet.