Bad Pyrmont (mes). „Wir haben die besonderen Herausforderungen erfolgreich gemeistert“ – mit diesen Worten eröffnete Bad Pyrmonts Kurdirektor Maik Fischer die Pressekonferenz des Niedersächsischen Staatsbades zum Rückblick auf das Jahr 2019. 21,5 Millionen Euro Umsatz habe die gesamte Staatsbadgruppe erzielen können – eine Steigerung von einer Million Euro, freute er sich. Und das trotz der zahlreichen Sanierungs- und Modernisierungsmaßnahmen, die in Bad Pyrmont anstanden und auch in diesem Jahr und darüber hinaus noch aktuell sind.

Besonders erfolgreich sei die Klinik „Der Fürstenhof“ gewesen, ging Fischer ins Detail. Auslastung, Umsatz und Reputation – nicht umsonst habe Focus Gesundheit die Einrichtung unter die Top-20-Kliniken gewählt. Fünf Monate Wartezeit seien hier keine Seltenheit – „wie zu den besten Kurzeiten“, schmunzelte Fischer. So müsse von Zeit zu Zeit auch auf Betten und Zimmer im Hotel Fürstenhof im Privatbereich zurückgegriffen werden. Die Kliniken in der Kurstadt seien allgemein „sehr gut gefüllt“ und nach Fischer werde das auch so bleiben, zumal in naher Zukunft das Reha-Stärkungsgesetz in Kraft tritt.

Blick zum Königin-Luise-Bad (KLB): Hier sei das Geschäftsjahr „weiterhin stabil“ geblieben mit einem leichten Rückgang im Bereich der Heilmittelabgaben (minus 1,4 Prozent), aber einem zweiprozentigen Umsatzplus. Und das bei einer „Operation am offenen Herzen“, womit der Kurdirektor auf die derzeitige Baumaßnahme bei laufendem Betrieb hinweist. Am 20. April soll das neue Therapiebecken eröffnet werden. Mit der kompletten Fertigstellung der Einrichtung wird etwa Mitte 2021 gerechnet.

Die Hufeland Therme scheint indes ihre Durststrecke überwunden zu haben: 210 000 Besucher kamen 2019 in den Wellnesstempel – 5000 mehr als noch 2018. „Hier sind wir im Aufwind mit vielen neuen Konzepten“, fügte Fischer hinzu.

Der Veranstaltungssektor konnte im vergangenen Jahr 120 000 Besucher locken, 5000 mehr als im Jahr zuvor. Einen kleinen Abwärtstrend verzeichnete hier die Kurmusik (52 000 Gäste zu 53000 im Jahr zuvor). Der Kurpark konnte indes sein Niveau halten.

Zahlen konnte Maik Fischer auch zu den Übernachtungsgästen 2019 liefern – allerdings nur bis einschließlich November. Demnach verzeichnete das Staatsbad einen Zuwachs von zwölf Prozent, was die Privatübernachtungen betrifft. Der Klinikbereich legte um zwei Prozent zu. „Die Anreisen blieben stabil; wir gehen von über 100 000 aus“, sagte er. Das sei gerade im Hinblick auf die weggebrochenen Übernachtungsmöglichkeiten sehr erfreulich. In den vergangenen zehn Jahren habe die Kurstadt 23 Hotels und 38 Prozent der Betten im Privatbereich verloren. Gleichzeitig wuchsen die Anreisen um 4,5 Prozent pro Jahr. Für Fischer ein eindeutiges Indiz für die Attraktivität Bad Pyrmonts. 1,4 Millionen Tagesgäste kommen zu den Übernachtern noch hinzu.

Die Auslastung der Privatbetten liegt im Schnitt bei 58 Prozent. „Um auf gutem Niveau weiter zu wachsen, brauchen wir daher unbedingt weitere Hotels“, machte Fischer deutlich. Auch neue Wohnungen müssten geschaffen werden, gerade für Beschäftigte in Bad Pyrmont. „Es ist wichtig zu bauen!“ Und genau auf diesem Sektor tut sich etwas: Nicht nur berücksichtige man bereits beim KLB die Angliederung eines möglichen zukünftigen Hotels, auch der Bereich Altenauplatz/Kaiserhof sowie das Quartier Schlossstraße/Anzio-Allee seien wichtige Themen. Hier gebe es laut Fischer interessierte Betreiber beziehungsweise Investoren. „Es wird demnächst eine Lösung geben“, prognostizierte er.

Daneben habe das Staatsbad viel in seine Produkte investiert. Im Rahmen des Rundum-Pakets „Gesund und Glücklich“ wird dabei zum 1. April kostenloses Busfahren im Stadtgebiet für Kurkartenbesitzer hinzukommen.

Mit den Herausforderungen war‘s das aber noch nicht, denn auch die Zukunft hält etliche Hürden bereit: So wird das Konzerthaus ab dem 3. Januar 2021 bis Ende des Jahres geschlossen, wodurch die Sinfoniekonzerte im kommenden Jahr wegfallen werden. „Andere Events werden wir verteilen, den Pyrmonter Sommer eventuell stärken, das Programm außerhalb der Freiluftsaison aber reduzieren müssen“, gab der Kurdirektor einen Ausblick.

Auch die Wandelhalle wird angegangen: Ab April soll sie für eine Million Euro ein neues Beleuchtungskonzept, einen aktuellen Anstrich und neue Tontechnik erhalten. Mit einbezogen sei auch der Brunnenplatz.

Und schließlich werde das Ministerium schon bald eine Entscheidung fällen, welches Sanierungsmodell für das Kurtheater greifen soll. Drei Konzepte seien im Gespräch – vom Anbau über Sommertheater bis hin „nur“ zur Sicherung der Standfestigkeit, wobei Fischer mit der letzteren Möglichkeit rechnet. „Die Basisvariante wäre schon viel wert“, meinte er.
Im laufenden Jahr steht dann noch das Kommandantenhaus auf dem Programm. Im Juni/Juli soll das Gerüst abgebaut und das Schloss Stück für Stück zu einem „Wedding Castle“ entwickelt werden, verrät Fischer. Neue Impulse statt Erhalt des Status quo laute die Devise. Das Staatsbad strebe hier eine „Premiumvermarkung“ an. Bei den Kavaliershäusern werde es daher ab dem Frühjahr auch sogenannte Sleeperoos geben, die Outdoor-Erlebnisübernachtungen in einem sogenannten „Cube“ bieten.

Ein weiterer Modernisierungsbaustein stellt das Hotel Steigenberger dar. Erste Arbeiten haben bereits begonnen, ein Trakt (zehn Zimmer) wird schon saniert; ihm werden alle weiteren Geschosse folgen.