Weserbergland / Berlin (ey/fh). Maßnahmen zur Bekämpfung des Coronavirus werden in Deutschland gelockert. Kanzlerin Angela Merkel und die Ministerpräsidenten der Länder verständigten sich in dieser Woche darauf, dass kleine und mittlere Geschäfte öffnen dürfen. Die Schulen bleiben dagegen für die meisten Schüler erst einmal zu. In Niedersachsen sollen die Abschlussjahrgänge 10 und 13 ab dem 27. April; die anderen nach und nach ab dem 4. Mai wieder unterrichtet werden. Kitas bleiben geschlossen. Die Kontaktbeschränkungen wurden bis 3. Mai verlängert.

Die Innenstädte sollen wieder erwachen – zumindest teilweise: Geschäfte bis 800 Quadratmeter dürfen am kommenden Montag wieder öffnen. Da hat Hameln zunächst mal gute Karten: In der Altstadt sind die Ladengrößen meist überschaubar. Aber die Frage ist nun auch: Was tun die Großen? Die Antwort lautet: Sie lassen sich etwas einfallen. Das zeigt zum Beispiel das Modehaus Kolle. Geschäftsführer Thomas König erklärt: „Unser Modehaus ist natürlich größer als 800 Quadratmeter, aber wir werden mit Absperrungen nun dafür sorgen, dass auch nur 800 Quadratmeter für den Kunden begehbar sind. Wir kommen allen behördlichen Vorgaben nach, sorgen für Desinfektion, halten die Fluchtwegeregelung ein und haben auch Spuckschutz an den Kassen angebracht. Sofern es kein Verbot seitens der Bundesregierung gibt, werden wir am Montag öffnen!“, sagt König.

Gleich nebenan an der Ritterstraße befindet sich das Modehaus Wellner, ebenfalls ein Hamelner Traditionsunternehmen, für das es jetzt um viel geht. Geschäftsführer Holger Wellner schwebt vor, das Erdgeschoss am Montag zu öffnen, „das mit 700 Quadratmetern die maximal zulässige Größe nicht überschreiten würde – und ich hoffe sehr, dass es uns behördlicherseits genehmigt wird, am Montag zu öffnen. Gespräche mit dem Handelsverband und Vertretern der Landesregierung laufen auf Hochtouren“, sagt Wellner, der als Sprecher des heimischen Einzelhandelsverbandes im Laufe der Woche Kritik geäußert hatte an der Entscheidung der Bundesregierung. „Aber es ist jetzt eine Lösung in Sicht – und ich hoffe, dass wir mit unserem Zugeständnis, nur einen Teilbereich unseres Modehauses zu öffnen, genauso Erfolg haben wie das sich auch alle anderen großen Mode- und Kaufhäuser, die jetzt mächtig unter Druck stehen und denen eine Perspektive geboten werden muss, wünschen. 800 Quadratmeter wären ein Anfang!“, so Wellner. Zumal sein Team dafür sorgen würde, dass zeitgleich nicht zu viele Menschen im Geschäft seien. „Wir haben eine Kundenzählanlage, die Auskunft darüber gibt, wie viele Kunden gerade im Geschäft sind. So können wir steuernd eingreifen, falls es zu viele sein sollten.“ Generell schwant ihm Böses für manche Geschäfte in Hameln. Gestundete Mieten und Darlehen müssten am Ende eben doch bezahlt werden. Ältere Inhaber würden vielleicht keine Kredite für den Neustart mehr aufnehmen, sondern lieber schließen.

Für alle Geschäfte gelten Auflagen zur Hygiene, zur Steuerung des Zutritts und zur Vermeidung von Warteschlangen. Supermärkte durften bislang schon öffnen. Zum besseren Schutz werde beim Einkaufen und im öffentlichen Nahverkehr das Tragen von sogenannten Alltagsmasken „dringend empfohlen“. Eine Maskenpflicht soll es aber nicht geben.